Die „endboss Crew“

Gehirnakrobatik, die funktioniert und oldschool-dominant vom Puls, dem Rhythmus ruhig und lässig, alles andere an den Rand treibt.

Spezifisch frontal-rektal verbalisierte, wortakkumuliert, und fusionierte Laber-Asse — sind sie, mit einem Überhang für Bass, Beats und Melodien. Amtierende Bar-Titanen, und zugleich aus der Unterschicht erwachsene und dennoch überintelligente Rinnsteinauswüchse, die sich sogar den Retrogott von oben anschauen — nach eigenen Angaben. Versagen und Zurückhaltung waren nicht gerade ihre Grundlagen.

Ihr zweites Album “Wurst-Case-Szenario” ist rhethorisch genial und ebenso beat- und flow-technisch hermetisch korrekt abgesichert. Ihre Übergewalt in Sachen Talent wurde geballt gebündelt und klingt im Resultat bewusst street-dimensional. Das Vinyl-Vyking-Label setzt auf zwei, die ihr Können, durch ihr schlagfertiges und KO-mächtiges Tun und Handeln unter Beweis stellen.

Denn ihren alles deformierenden Stil definieren sie verspielt durch gleichgültige Ausgelassenheit. Und als eine reine Hommage an den Hip-Hop zelebrieren und rekombinieren sie ihre leidenschaftliche Liebeserklärung zu einem ausschweifenden Auswuchs an Klangfreude. Leuchtend und verstrahlt wie ein Atomrückschlag. Einige Auszüge:

— High-Teer Walter —

“Wir sind die, die alles zieh´n —

und noch den Rest bekommen.

Hart. Harter. Beinhart. Benommen.

Das Leben hat uns mitgenommen.

Wenn alle schon am Boden liegen …

bin ich … breiter.

Heiter, heiter, immer weiter.

Wenn er fällt dann —

bleibt eine Behinderung.

Wo wir beim Thema wären —

Der Mäc-Industrie ist mit Kunst misslungen,

dass du so denkst, wie sie wollen, dass du aussiehst.

Klingt wie Analliebkosungen.

Und da muss ich auch schon stumm summen,

wenn ich mir dich so als Dummen,

einen Dummen vorstellend ansehen will.

Ich sollte auch das mit dem Schnee,

besser nicht mehr erwähnen.

Weil, wenn ich grad klar-und-vom-Klo-komm

und du mich fragst,

was das Weiße da an meiner Nase ist.

Sag ich:

“Christstollenreststaub”

Ich hab beim BND Verhör vorhin,

nur kurz nochmal vom Baiser genascht.

Deshalb.

Vollbreit. Aber normal.

Mellow und Ziemlich-Präzise,

die Leute sagen:

Zwei Götter in der (…)”

— Kopfschmerz-Zigarette —

“Wenn Darth Vader wüsste, dass ich sein Vater wäre,

würde er nicht röchelnd das Sabel-Schwert schwingen,

sondern schon ma´ hinter mir die Turntables anbringen.

Ich und er — Eins und Zwei macht immer noch: Endgott.

Kein Spott … Schau rauf!

MC-Lewinsky —

Ovaloffice.

Clinton-ENDBOSS-Style.

Oral-Amnestie.

Ja, du hast ein sehr schönes Kleid an.”

— Retroschwein —

“Mach die Backen auf!

Was du brauchst, ist Gleitgel, statt Anlauf.

Selbst wenn ihr ganz oben seid, sind wir noch drauf.

Und draufer.

Hinter mir der Notausgang,

schließ ich von außen zu.

Und du?”

Die beiden sind der Beweis ihrer eigenen Allmacht. Auch wird man einfach nicht satt von ihrem Album zu naschen.

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Autor: Yves Engelschmidt

Einer, der aus den Bergen fiel und sich im Schreiben verfing. Yves Engelschmidt ist angenehm anti-modern, anti-alles und ein enthemmter Endgegner. Verbal-Karate-Tiger und (Porno-)Belletristiker. Ein vorausdrängelnder Verfasser phantasiespaltender, schön-traurig bis wunderbar bescheuerter, kurz-prosaischer Rhetorik-Kunststücke. Der "endboss Verlag" schiebt ihn jetzt in die weite, weiche Welt hinaus. Wer lesen will, was gut ist — muss wissen, wie man sich durch Glut frisst.

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