Die trockene Schamrasur

Wenn Muttern mal wieder an meiner „ausbleibenden“ Reuelosigkeit resignierte, zwangskapitulisierte sie mich stets mit:
— „Ge-nau-wie-dein-Vater!“
Obwohl sie ja genau wusste, dass ich nicht wusste, wer mein Vater war.

So jedoch gelang es ihr erfolgreich, mich jahrelang ins Schweigen zu korrigieren.
Doch diese eine Mal — machte ich einfach einen Schritt vor. Und sah, wie sie zurückwich, ja wie sie zusammenzuckte. Noch ein Schritt. Schon war sie weiß — wie die Tapete, hinter ihr. Noch ein Schritt. Und-noch-einen…!

Allein, das ich die Hand anhob — und ihr entsetztes Gesicht dabei; wie ich ihr zusetzte, mit jedem Millimeter, den ich ihr näher kam. Und näher…
Es war einfach nur — herrlich!
Von da an aber kontrollierte ich sie und fand mich durchströmt vom Potential, ihre Würde mit meinem Willen allein vernichten zu können. Was bald sogar zu einem unermesslich und unaufhaltsamen Rausch wurde.

Es war mein unstillbares Verlangen nach … ach, was weiß ich —
Doch eines Tages sagte sie mir endlich, wer mein Vater war. Sie hatte mich ruhig gestellt und mein Martyrium über sie endete schlagartig.
Dafür aber begann mein eigenes.

Was war ich zunächst aufgeregt und dankbar. Doch auch hilflos irgendwie. Dennoch suchte ich sofort alle Infos, die mir über und zu ihm, zugänglich waren zusammen — und sie schienen zusammengenommen beinah wie ein Traum oder Märchen gar.

Denn er war Modezar und daher im Besitz eine gewissen B bis C klassigen Status als Semi-Prominenter.
Aber ich bekam ihn nicht ein einziges Mal zu Gesicht. Immer wieder wimmelte mich sein Haussklave (der doch irgendwie rechtmäßig ebenso meiner war) vor der Tür ab.

Hechelnd lachte mich das Schoßhündchen, das meist im Fenster saß aus — schien mir.dig-moshammer-daisy-foto

Bis heute sogar noch bleibt mir mein Erbe verwehrt. Da eine DNA-Probe von einer Leiche zu entnehmen den meisten Richtern heutzutage irgendwie nicht ethisch erscheint.

Deshalb starte ich hiermit meine Crowfunding-Kampagne:

Daisy — ich will mein Erbe zurück!

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Autor: Yves Engelschmidt

Einer, der aus den Bergen fiel und sich im Schreiben verfing. Yves Engelschmidt ist angenehm anti-modern, anti-alles und ein enthemmter Endgegner. Verbal-Karate-Tiger und (Porno-)Belletristiker. Ein vorausdrängelnder Verfasser phantasiespaltender, schön-traurig bis wunderbar bescheuerter, kurz-prosaischer Rhetorik-Kunststücke. Der "endboss Verlag" schiebt ihn jetzt in die weite, weiche Welt hinaus. Wer lesen will, was gut ist — muss wissen, wie man sich durch Glut frisst.

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