Manchmal, wenn ich stark husten muss, spür ich deinen Kuss auf meinen Lippen noch

Ich schau zu dir.
Auf dich — und dein Gesicht. Vielleicht hinein. Ein guter Platz, wär schön. In deinem Licht. Nicht wie die anderen, dahinten, schau … sie leben nicht — die tun nur so.
Wir kennen uns. Und du erkennst mich nicht. Ich bin es. Der Wolf. Hab nur die Ohren angelegt und meinen Schwanz versteckt. Trägst du denn dein Mützchen nicht. Aber dafür die Lippen. So laggressiv. Und rot. Mir ist … ich glaub — allmählich schwindelig.
Endlos weit — erschein ich dir. Nein, anders … Ich mein: Du mir. Auch sonst, ́ne Menge Ballast — der sich hinter meinem Rücken ballt. Und du davor. Ich mein, vor mir. Und Allem irgendwie. Ganz klar und deutlich, seh ich dich. Wie sonst — in meinem Traum, wenn du dich auf mich legst und dein Ohr an meinem Herzen ruht. Komisch. Alles andere ist dann = egal.
Und jetzt?
Hin und wieder mal erwisch ich dich. Du weißt doch, wenn du dann, ganz großartig und wunderbar — wie schön du bist — zu strahlen wagst und mir aus Scham scheinbar, sinnlos, diese Fragen stellst. Kategorisch bleib ich stumm. Und rede weiter.
Während der Qualm aus deinen Lippen weicht und sich im sickernden Lampenschein verrenkt — da frag ich dich: Liebst du mich?

Da schon wieder — ja, da is ́es doch, und steht (so) klar in deim Gesicht. Schicht um Schicht. Du spreizt die Wimpern auf und lachst. Lachst du mich aus? Dann siehst du, wie ich fühle und begreifst — das alles hinter und für alles steht, und dass das Versteckspiel keinen Spaß mehr macht. Du gehst zum Billardtisch. Ich weiß, dass du willst, dass ich dich sehen kann. Mal umgekehrt: kannst du denn sehen, wie ich immer mehr nach Innen lenk? Drei mal geht mir die Kippe aus, während ich dich sehnsuchtsüberladen ignorieren will. Alle andren schauen, hungrig, nur auf dich.

Ein blaues Band in deinem dunklen Haar. Dein weicher Blick, auf mich gerichtet, aus souveränen Augen. Dein Körper, wie ein Kreis der sich endlos um sich selber schlingt.
Nur immer wieder diese eine Sache, die nicht stimmt. Auch wenn du, jetzt wieder neben mir, dein Bein über meines schwingst und den Arm auf meine Schulter legst.

Die Bar und auch alles was mal war — ist wahr.
Unsere gemeinsame Zeit aber, sie stirbt allmählich aus, wird mir nun klar. Und was verhandeln wir da eigentlich, heimlich und verborgen vor den anderen, unter dem Tisch gerade aus?


Bild by: Nschotschi H.

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Autor: Yves Engelschmidt

Einer, der aus den Bergen fiel und sich im Schreiben verfing. Yves Engelschmidt ist angenehm anti-modern, anti-alles und ein enthemmter Endgegner. Verbal-Karate-Tiger und (Porno-)Belletristiker. Ein vorausdrängelnder Verfasser phantasiespaltender, schön-traurig bis wunderbar bescheuerter, kurz-prosaischer Rhetorik-Kunststücke. Der "endboss Verlag" schiebt ihn jetzt in die weite, weiche Welt hinaus. Wer lesen will, was gut ist — muss wissen, wie man sich durch Glut frisst.

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