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Kaum war die Nacht erwacht, kam sie vorbei.
Wir betranken uns und rauchten, während die Balkontür offen stand, durch die die laue Sommernacht machmal den weit entfernten Aufschrei eines Güterwagons, bis zu uns, aufs Sofa trug, auf dem wir lächelnd saßen und uns ineinander sehnten. Denn hinter den dünnen Wände hörten wir die Nachbarn, wie sie schrieen, fickten und im Fernsehen lebten. Egal wie asozial es war — wenn sie da war, war es egal. Irgendwie ein Königreich, die paar Quadratmeter, ausreichend; gefüllt, geballt mit blauen Qualm. Das unantastbare Gefühl der Richtigkeit, obwohl wir beide müde waren, von der Arbeit und uns allmählich ausgewrungen, abgewürgt und monoton die Augen rieben und zugleich bleich im Spiegel wiedererschienen, umgeben, bedrängt und eingeengt von all der Armut, wie alle hier, und uns dennoch fanden. Die paar wertvollen, uns aus dem Alltag rausreißenden, rettenden Sekunden. Mehr war es nicht. Und (es) reichte (mir schon); wo mein Blick über ihren Nacken kroch. Und wie sie roch.
 Bis wir dann eindösten auf der Matratze, angezogen; ruhelos. Und mehr, kaum im Schlaf, legte ich manchmal sogar noch meinen Arm um sie.


Bild by: Nschotschi Haslinger

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Autor: Yves Engelschmidt

Einer, der aus den Bergen fiel und sich im Schreiben verfing. Yves Engelschmidt ist angenehm anti-modern, anti-alles und ein enthemmter Endgegner. Verbal-Karate-Tiger und (Porno-)Belletristiker. Ein vorausdrängelnder Verfasser phantasiespaltender, schön-traurig bis wunderbar bescheuerter, kurz-prosaischer Rhetorik-Kunststücke. Der "endboss Verlag" schiebt ihn jetzt in die weite, weiche Welt hinaus. Wer lesen will, was gut ist — muss wissen, wie man sich durch Glut frisst.

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