Nie, wo Niveau war

Quasi grad mal erst auseinander raus; verschwitztglitschig — nachnackt, noch im Nachrausch, bewahren er (R.) und sie sich den Gesichtsausdruck indischer Gottheiten bei; und dösen. Inmitten der monotonen Nest-Stille rings um sie herum, vertilgen sie leichtsinnig die geborgte Gewissheit der Geborgenheit und Ruhe, während sich der Wind lässig an die Wand anlehnt; von außen, aber nur flüsternd, ungehört zu ihnen und den Ziegeln spricht. Unerhört gleichgültig, getragen, entbunden und weit entfernt von der restlichen Realität, völlig seelenruhig, (fast)glücklich, im Stillen und noch klamm im Schritt, liegen sie jetzt immer noch im Bett, im Ehebett, halb zugedeckt, halb aufgerichtet. Und rauchen. Nur R. raucht, um genau zu sein.
Nach (dem ganzen) in- und auf-, berühren sich nur noch ihre Oberarme. Die zögerlich angewinkelten Knie unter der Decke schon nicht mehr. Sie liegt links, wie immer. Doch plötzlich entledigt er sich verbal, prä-coital:

>kommt nicht bald auch … dein Mann wieder zurück?<

Ihre Blicke flüchten geradeaus, nur nicht zueinander.

SIE: ($•(   (so)
&
ER: )= |     so.

Zugleich entweicht gleichgültig gleichförmig weich-geformter Rauch aus seinem Mund. Sie greift ihm die Zigarette aus den langen Fingern, die er sich dabei an der halb abgerauchten Glutspitze ansengt.
Sie, sie schmunzelt leichthin spöttisch … kaum erkennbar. Da bläst sie schon selbst Ringe aus. Aber ärgert sich dennoch, denn — der Filter schmeckt fürchterlich, nass und angesabbert-durchgeweicht, hinterlässt er einen ätzend lippen-mitten-bitteren Nachgeschmack.

Nur so nebenbei — setzt sie jetzt dennoch ihr „…Baby-bleib doch — bitte…bleib-doch-noch-Babe!“-Gesicht auf und zieht ihn am Kinn dann zu sich, nah an sich, und sagt, scheinbar kaum überrascht, zum Einklang mit sich — und Ausgleich, zu ihm:

>…sicher verwechselst du mich nur mit irgendeiner — deiner tausend anderen<

Aber sie küsst ihm darauf dennoch zärtlich auf die Wange (sauer-süßerer denn je) —

>Glaub ich nicht<

sagt sofort und entgegnend er — Weißzahn-bewaffnet.

>Wie meinst du das? Was-stimmt-denn-bloß-nicht-mit-dir, Junge?<

sagt sie, deutlich bewegter — aufblickenden Aufblitzens, mit aufgedonnertem Augenlidaufschlag, und seziert ihn weiterhin aufs-aller- Genaueste, mit ihren Katzenaugen-Blicken und Wimpernmessern. Und sie ist so dermaßen vehement in ihrer Gegenwehr, fürchterlich herrlich, und fast schon abartig energisch-engstirnig : einfach nur wundervoll; schön und beängstigend, nicht?
Da, jetzt lächelt er —
aber lächelt auch schon nicht mehr — wirklich; eher — wirkt sein festgefahren und offenbarendes grinsstarrendes Grimassengesicht- Schmunzeln sogar unmenschlich — beinah banal (auch hässlich … denk´ ich). So, als gehöre es gar nicht so recht dort in sein Gesicht hinein. Ein Fletschen, mit seinem schon-von-jeher-und-immerzu-zu-doll-aufgedrückt-beim-Zähneputzen-eh, und blass-hautfleischwund-, viel zu-blutfarbenem, blutzuckerkrankem mehr-Zahnfleisch-als-Zähne-Lächeln. „Jaws“, denk ich immer unweigerlich. Und dazu die lippenfeuchten, dünn- schmalen, symmetrischen, ungewöhnlich-ungeschwungenen Mund-Balken drumrum, die trocken und rissig sind. Er ist — durstig, vom Lecken. Er leckt sich über die Lippen — salzig. Auch sein Charakterzustand: manifestiert und parabolisiert an seinem Kinn, als glänzend-fettiges Kindermuschi- & Arschloch-Kinn-Grübchen; fast sein einziges mimikalisches Wiedererkennungsmerkmal.

Wie erwähnt: nie wo Niveau war, war er zu finden. Und wenn man mich fragt — war R. eh, jeher ein Typ, der vom Typ her eher typlos schien. Ein schier indizierter Scheincharakter, mit fata-morgana-lichem Persönlichkeits- Indifferentum.

So retouresk — kommt er sich allmählich ebenso entblößt vor. Und ausgiebig-ausgießend sagt er daher, teerschwer — zurückschlagend:

>die einzige, der hier wohl was verwechselst — bist du(!), denk´  ich. Nämlich mich mit deinem Mann; offenbar … aber egal — legal : immerhin. Aber — lass-gut-sein …<

Weiterhin herrscht Stille. Und die stille Göttin darin:

> …      … <

> …    … <

> …  … <

> … … <

>……<

>…<

><

Beinah sieht man ́s ja;
und überall im Zimmer — ist ein animoröses Klima vernehmbar. Gleich- selbst R. ja selber — ein Sensibelchen ist und war … ist ́s irgendwie umso mehr schade um ihn; bezüglich ihr jedoch … empfind` ich das nicht so!

Ich glaube — sie mag und verehrt ihn beinahe nur deshalb so sehr, weil sie ja auch manchmal so gerne mehr wäre (aber nicht kann … doch!…könnte…). Jetzt aber (nicht mehr); sagt sie: (nichts … mehr) — und dann, dass er ein Arschloch ist; und noch schlimmer als ich:

>ein-deu-tig< — bestimmt.

Vielleicht stimmt das sogar irgendwie; nur
— sieht sie dabei … mich nicht, dabei — bin ich : doch der, der gerade durch den Türspalt späht …

Seit einer Woche bereits tue ich jeden Morgen bloß so, als ob ich zur Arbeit gehe. Und schleiche mich stattdessen später wieder in mein eigenes Haus zurück, durch die Kellertür oder die offen gelassene Garage.
Meine Empfindungen?
Allein um wahrhaftig, leibanwesend(-lich) und schmerznachvollziehbar, neidklar und radikal spürbar dabei sein zu können; wie … meine Frau — sich mit ihrem Stecher&lover-boy in unserem Ehebett trifft — klar! … ist-es-wert. Absolut! Ja.
Auch wenn er um so vieles jünger ist als ich.
Und ihr Stiefsohn … ei-gent-lich.
Und Ja(!), das alte Jagdgewehr in meiner Hand ist geladen; und scharf gemacht. Das garantier ich dir.
Glasmensch, glaub mir…

———————

YEAH! Papa is back!
It ́s D-Day. DOOMs-DAY of Donnerstag.

„Du bist doch total bescheuert, man …“

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Autor: Yves Engelschmidt

Einer, der aus den Bergen fiel und sich im Schreiben verfing. Yves Engelschmidt ist angenehm anti-modern, anti-alles und ein enthemmter Endgegner. Verbal-Karate-Tiger und (Porno-)Belletristiker. Ein vorausdrängelnder Verfasser phantasiespaltender, schön-traurig bis wunderbar bescheuerter, kurz-prosaischer Rhetorik-Kunststücke. Der "endboss Verlag" schiebt ihn jetzt in die weite, weiche Welt hinaus. Wer lesen will, was gut ist — muss wissen, wie man sich durch Glut frisst.

2 Kommentare zu „Nie, wo Niveau war“

  1. Liebender Yves

    Sag an war es ein harter Sturz so hoch aus den Bergen
    In die Niederungen tälernder Gewöhnlichkeit
    Sag an nimmst Du was
    Oder hat es Dir das Dritte Auge geöffnet
    Oder das Reptiliengehirn erschüttert
    Seis drum das Niveau ist eben kein Schließmuskel
    Nur die Indische GOTTHEIT vermag
    Den Wein der Liebe zu keltern
    Von dem Wir beide trunken sind

    Zum Wohle
    Du bist gesegnet
    Dir Joachim von Herzen

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    1. Erst einmal danke — und ich denke ist: ein bisschen von allem. Man tut was man kann, aber kann nicht für alles etwas dazu, was mit einem (manchmal) los ist. Glück Auf! gesegnet seien Sie, Herr von Herzen.

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