Gegner-Ich

Indien lag unter mir. Und auch dahinter. Der Blick aufs Meer. Sonne. Wellengang.
Sanduntergang — mir war, als wenn ich darin einsank, zerrieselte und vollends verschwand. Ziemlich gefangen. Zerhackt, zerlebt — und abgefuckt. Abgekackt. End-Stand am Strand. Komplett. Null.Null — Mein Gegner-Ich.
Neben mir, zunächst hinter und durch den Rausch unbemerkt — saß sie auf einmal. Unerschöpflich schön. Doch zu plötzlich, und zu sehr.
Denn unklar sogar — kratzte sie lediglich am Rande meines Bewusstseins an. Die Schöne und die Wand. Zustand: Voll-Gehirnverbrannt. Benommen hatte ich begonnen, alles unter dem Gesichtspunkt der Entspürtheit zu vernehmen. Es gab kein Entrinnen — aus mir und meiner selbst. Eben nicht. Nicht mal um ihr nah — oder davon zu kommen.
Stumm kaute ich jetzt auf meiner Zunge rum.
Ziemlich missraten und misslungen. Denn sonst sah ich sie immer schon von weitem. Wenn sie die Bildfläche betrat, war die Strandkulisse allein, bloß von ihrem Gang, in ganzer Länge, in Beschlag genommen.
Wie gesagt, schön saß sie nun da.
„Hier Vent, deine Bücher. Bevor ich geh´“, sagte sie und legte mir den Stapel vor die Füße.
Ich dachte etwas, dass ich nicht mehr und nicht recht begriff. Oder gar spürte. Und weder rührte ich mich. Noch irgendwas.
Im Sand verlief es sich dann darauf auch. Da mein flehendes, doch fliehendes Entgegenkommen allein darin bestand ihr anteilnahmslos keinerlei Reaktion zu zeigen.
Sie noch wartend. Ich locked-in-[Syndrom]: voll auf Morphium. Meine Gedanken schienen heiser. Wie aus dem Exil — nur aus der Ferne zu vernehmen, selbst für mich, undeutlich und kaum zu deuten.
„Okay. Mach´s gut“, sie darauf.
Und ging. Und wie. Selbst der Wind noch schien ihr nach zu wollen. Ein Gang wie Melodie. Dieser Abschied irgendwie, galt ganz alleine mir. Langsam gleitend schwand sie aus meinem Blick. Und meiner Welt. Ein Omen der Vergänglichkeit. Wie traurig es doch war. Und wunderbar.
So barbara.

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Autor: Yves Engelschmidt

Einer, der aus den Bergen fiel und sich im Schreiben verfing. Yves Engelschmidt ist angenehm anti-modern, anti-alles und ein enthemmter Endgegner. Verbal-Karate-Tiger und (Porno-)Belletristiker. Ein vorausdrängelnder Verfasser phantasiespaltender, schön-traurig bis wunderbar bescheuerter, kurz-prosaischer Rhetorik-Kunststücke. Der "endboss Verlag" schiebt ihn jetzt in die weite, weiche Welt hinaus. Wer lesen will, was gut ist — muss wissen, wie man sich durch Glut frisst.

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