Hungertriebe

Manchmal LOVE

Das Schweigen.  Jede unserer Begegnung war — wie wenn sie der Stier aus Seide, und ich der betrunkene Torero wäre. — küss mich! sagte sie jetzt — aber so, als wenn sonst auf dieser Erde nichts mehr wichtig wäre. Vielleicht war´s ja tatsächlich… Tief reichte der wutglimmende, und doch irgendwie wehmütige Blick ihrer trief-weichen Weintrauben-Augen in mich hinein. Kam zumutbar, doch scherbenklar. Ich spürte, wie sich mir die Haut abschälte. Während ihre stecknadelnden Hasspupillen mir zuwarfen — dass ich ein Arschloch war.  — lass-das-sein! sagte ich, ohne es auch so zu meinen. Weil sie noch um so vieles schöner, wenn sie aufgebracht war — war. Und zerrte. Zu allem Überfluss floss der Schweiß, in Strömen, aus mir heraus. Der Strom ging aus. Toll. Nur ist die Dunkelheit leider auch kein Gegenmittel gegen Realität(en). Sie kam näher. Und sie roch wunderbar, wie immer. Das Licht ging wieder an. Ich tat gänzlich unberührt — und rauchte und rauchte. Ab und zu auch mal nippte ich an meinem Cola-Bier, das werde half noch schmeckte. Plötzlich änderte sich ihr Gesichtsausdruck. Wieder war sie eines kleines Mädchen, mit einem Blick, absolut rein und klar, wie ich sonst noch nie — und auch nie wieder sah. Ich ließ sie einfach auffahren, aufprallen. Nichts anderes blieb mir mehr — als die Wand des Schweigens. Das schlimmste an wahrhaften Gefühlen ist, das sie alles — und zu vieles, zugleich sind. Vielleicht hätte ich nur einen kurzen Moment der Ruhe gebraucht. Sie auch, denke ich. Verdient hätten wir ihn. Als ich sie jetzt ansah — wusste-ich: Das Leben ist immer genau so wundervoll, wie es auch abgefuckt ist. Lustig, schön und schade. Aber alles — und es immer wert — es zu weit zu treiben, selbst wenn alles schief läuft. Dann soll es so. Und trotzdem, nicht ein einziges Wort hätte je gereicht, für sie, jetzt, hier und nirgendwo … nie. Vielleicht ist das so. Aber mit ihr, egal wann, jedes Mal, war es ganz einfach — nicht nur so. Sondern besser. Gut und schön sogar. Und fast das Ganze. Manchmal mehr. Leider wusste ich zu gut, dass das nicht alles war. Und hinterher noch weniger. Hätte ich mich in diesem Moment auflösen, oder wenigstens mit ihr aussöhnen können … Dafür aber war immer noch zu viel da. Und in der Menge, waren wir uns da beide gleich. Lustig, da in all der Merkwürdigkeit — wir uns so vertraut vorkamen. Schwer und unausweichlich saßen wir jetzt voreinander — ohne Ausweg. Außer Flucht. so barbara.


 

 

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Autor: Yves Engelschmidt

Einer, der aus den Bergen fiel und sich im Schreiben verfing. Yves Engelschmidt ist angenehm anti-modern, anti-alles und ein enthemmter Endgegner. Verbal-Karate-Tiger und (Porno-)Belletristiker. Ein vorausdrängelnder Verfasser phantasiespaltender, schön-traurig bis wunderbar bescheuerter, kurz-prosaischer Rhetorik-Kunststücke. Der "endboss Verlag" schiebt ihn jetzt in die weite, weiche Welt hinaus. Wer lesen will, was gut ist — muss wissen, wie man sich durch Glut frisst.

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