FÜR R.

Wunderschön schoss ihr manchmal das Blut zu Kopf, wenn ich sie zu lange ansah. Ihre Augen glühten dann wie geschmolzenes Metall. Leider immer wieder fragte sie dann „What?!“ und nicht ein einziges Mal fiel mir das Wort Liebe (love) rechtzeitig ein.

Allein schon ihr Geruch veränderte meinen Puls. Wenn sie nachts neben mir lag ohne dass ich sie berührte, verbrannte mir beinahe schon das Herz. Mir war nicht klar, dass Schönheit fühlbar ist. Ihre Aura, die mir lichterloh zur Seele griff, stahl mir den Schlaf. Wie eine schwarze Perle ruhte sie, nur eine Armlänge entfernt — und atmete. Alle meine Sinne sehnten sich nach ihr. Doch nicht einmal im Traum vermochte ich, ihr nah zu sein.

Beim Frühstück sollte ich ihrer Mutter von mir und meinem Leben singen. Sie fragte mich, ob ich zu Hause eine Freundin hätte. – No –
„And…did you fall in love?“
Weder hätte ich zögern, noch sie belügen können. – Yes –

Auch sie saß mit am Tisch und wir schauten uns schüchtern, wie kleine Kinder an.

Nur mit Daumen und Zelt zog ich danach eine Woche durchs Land. Als ich wiederkam, hatte ich beschlossen, meine Liebe für sie einzufrieren. Mit warmen Wind schlug mir die Befreiung ins Gesicht. Der Tag, den wir darauf verbrachten, wird wohl für immer einer meiner schönsten sein. Alle, die uns sahen, schauten uns ganz voller Liebe an. Wir leuchteten im Park.

Bei einer geteilten Pizza nannte ich sie (eher aus Versehen): „the one“. Sie verwies mich auf den Wahrheitskern eines jeden jokes. Ich sagte ihr ganz im Ernst, dass ich nicht scherze.
Etwas später, nachts, vor dem Sandwichladen sagte sie, etwas müsse raus.

Dann sollten wir wohl schnell nach Haus.
Sie lachte, denn sie meinte nicht die Blase — sondern uns. Wir beschlossen Einigkeit — in der Liebe und der Angst.
Auf dem Heimweg hielt ich ihre Hand und unter grüner Ampel küssten wir uns.
„… die now!“, sagte sie und strahlte dabei, wie das Rot über ihr.
Am nächsten Morgen schon wusste ich — es war vorbei.
Jetzt gab es nur noch Worte ohne Klang. Der Abschied war fürchterlich. Hinter der starken Maske war ihr Blick ein einziges Aufkommen von Liebe. Ich drückte sie noch einmal ganz fest an mich. Ihre Haare rochen wie Kaugummi.
Mein Herz zersprang in tausend Teile.

FIN

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Autor: Yves Engelschmidt

Einer, der aus den Bergen fiel und sich im Schreiben verfing. Yves Engelschmidt ist angenehm anti-modern, anti-alles und ein enthemmter Endgegner. Verbal-Karate-Tiger und (Porno-)Belletristiker. Ein vorausdrängelnder Verfasser phantasiespaltender, schön-traurig bis wunderbar bescheuerter, kurz-prosaischer Rhetorik-Kunststücke. Der "endboss Verlag" schiebt ihn jetzt in die weite, weiche Welt hinaus. Wer lesen will, was gut ist — muss wissen, wie man sich durch Glut frisst.

Ein Gedanke zu „FÜR R.“

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