Weinrot, wie ein Sonnenbrand

[der] Nachsang der Nacht

Dem Delirium so nah, dass ich bereits doppelt sah. Rekonstruierbar ist der Rückweg erst ab da, wo wir die Stufen zur Haustür rauf-krabbelten. Am Ende — doch noch dort angelangt, sah ich: ihr Blick war essentiell — linear und Ziel: sexgerichtet; voller Hingabe, Gier und Leidenschaft. Unsere Zungen wickelten sich umeinander, rangen. Immense Erektion. Ein feucht, fast auslaufend nasser Schritt. Wir kicherten benommen. Der Weg ins Schlafzimmer — [er] dauerte.
Direkt schmiss sie sich rücklings aufs Bett und rekelte sich ruhelos; legte den Kopf zur Seite und hielt die Augen geschlossen. Wie unter Qualen, atmete sie schwer. Ich hatte sie nicht einmal berührt — und zog mir die Klamotten aus. Dann legte ich mich zu ihr. Heiß war ihre Haut und ihre Bauchmuskulatur zitterten, wie ich ihr mit meiner Hand über den Nabel fuhr in Richtung… Ungeduldig riss sie sich das Shirt über den Kopf. Den BH öffnete ich ihr mit meinem patentierten Krabbengriff(©).
Platzende Küsse wanderten ihren Körper auf und ab. Bis ihr besoffen und nasser, wilder Raubtier-Mund mich in Empfang nahm. Sie biss mir die Unterlippe wund. Zugleich öffnete ich ihr den Hosenknopf, den Reißverschluss. Bereits war ihr Höschen warm und nass. Immer tiefer rieb sich der Stoff in ihrer klebrigen Gletscher-Ritze fest, während ihr heißer Stoßatem mir in den Mund schoss. Ich griff ihr …endlich!… in den Slip.

— nein! Halt; wir dürfen das nicht…

meinte sie, ohne es zu meinen; denn schon gelierte sie — um meine Fingerkuppe. Der Startknopf. push the button. Die Begierde initiiert. Zügellos rannte die Leidenschaft jetzt über wollüstig, und saftendes Terrain. Als ich ihr das Höschen auszog, musste ich laut lachen, da ein angreifender Tiger darauf abgebildet war. Der passte.

Erst leckte ich ihr die Schenkel; und dann die weiche fleischfarbene Pflaumekerbe aus. Sie griff nach meinem Schwanz. Und rieb ihn sich durch ihre Schneckenrinne. Fast schon war ich drin. Doch bestand sie partout darauf ihn sich selber reinzustecken. Schon als nur die Spitze dippte fing ihre Hüfte wellend an zu kreisen. Der Raum auch. Im Rhythmus wabernd und vibrierend wurden unsere Körper zu einem schwitzend und japsenden Fleischballen. So lösten wir uns ineinander auf. Und wurden eins. Wie kitschig.
Wie wunderbar.
Kurz zog ich ihn raus. Er glitzerte im Mondlicht. Doch sie schrie:

— steck ihn bloß wieder rein(!!!)

Ein heißer, weißer Blitz, und schon sah ich lediglich bloß noch Sternchen überall. Aber eh ich mich versah, lag ich bereits hilflos auf dem Rücken. Eine kreisende Zunge an meinem prallen Aal. Ich hob die Hüfte und spürte ihren Rachen prompt. Sie drehte mir ihren Hintern ins Gesicht und setzte sich. Noch ein Mal sah ich über meine Stirn hinweg den Mond, und wie er grinsend reingeirte; und sich scheinbar einen vor dem Fenster wichste, schaute dann aber nur noch mitten ins braune Bärenauge — und sie, mit aufgesetzten, Füßen hielt sich derweil an meinen Zehen fest. Pralle Bäckchen wippten auf und nieder. Das Ganze wollte kein Ende nehmen. Schon wurde es wieder hell. Sie sah müde, matschig und durchgefickt aus — und ich wohl ebenso. Ein erlösender Erguss schien ausgeschlossen.
Kurz darauf schliefen aufeinander ein — ineinander.

— BLACKOUT —

Warum ich nackt war? — fragte ich mich, kurz nachdem ich schwerfällig erwacht war. Sie saß neben mir auf dem Sofa und trug lediglich meine Boxershorts. Es dämmerte bereits wieder. Sie lächelte herrlich verschwitzt, und noch etwas durcheinander. Sie sah nie wieder wunderbarere aus.

— uhpps!

…und schon legte sie sich wieder zu mir. Dieses Mal dauerte es nicht lang. Zu viel hatte sich angestaut. Ein aufatmender Sonnenschein — in ihr zu kommen. Der Glanzschein eines verbotenen Königreichs, ein Heil, das mich durchströmte und nun wieder aus ihr rauslief. Für kurz hielt das Verlangen still. Sie ging ins Bad.

Vor einer Bar, auf weißen Plastikstühlen, saßen wir; es war bereits wieder Nacht geworden.

— na ihr Vollmänner!

sagte jemand von hinten, und legte uns beiden dabei den Arm um.

— mein Gott! Wie unglaublich hacke ihr gestern wart; Junge, Junge!

Er war der Fahrer. Der uns  gestern bis nach Hause gebracht hatte. Sie, so erzählter er, hätte während der fahrt aussteigen und kotzen müssen. Und ich, ich hätte mich zum Schluss sogar gewehrt und nahezu geweigert auszusteigen.

— ihr seit echt der Hammer, Leute…

schon verschwand er.

Wir tranken noch eine Weile gegen den Kater an und gingen  Heim. Die Welt schien entspannt und der Himmel tief zu hängen. Nur ein paar vereinzelte Lichter brannten einsam auf den Hügeln ringsumher. Ich griff nach ihrer Hand, und ich wusste, dass dies uns letzter friedlicher Moment sein würde.
Schweigend schlichen wir den Hang hinauf. Ein Abschied, ganz im Stillen. Ein schüchterner Kuss; kein Wort jedoch.

Dieses Mal steckte ich ihn selber rein. Schon nach ein paar kurzen Bewegungen spritze ich ihr einen dickbatzigen Spermaschwall auf den Rücken. Sie lachte; ich putze ihr schnell den Rücken mit einer meiner Socken sauber.

****

Am nächsten Morgen musste sie früh los — um ihren Freund von Flughafen abzuholen.

— mach´s gut!

sagte sie, während sie IHM, sogar nur durch die Hose, einen lalleretzten Kuss gab. Mir gab sie keinen.


BILD BY: Christopger Balassa

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Autor: Yves Engelschmidt

Einer, der aus den Bergen fiel und sich im Schreiben verfing. Yves Engelschmidt ist angenehm anti-modern, anti-alles und ein enthemmter Endgegner. Verbal-Karate-Tiger und (Porno-)Belletristiker. Ein vorausdrängelnder Verfasser phantasiespaltender, schön-traurig bis wunderbar bescheuerter, kurz-prosaischer Rhetorik-Kunststücke. Der "endboss Verlag" schiebt ihn jetzt in die weite, weiche Welt hinaus. Wer lesen will, was gut ist — muss wissen, wie man sich durch Glut frisst.

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