Notfrühstück
Tänzelnd nur auf einem Bein, wischte sie sich im Halbschlaf noch, die Augen aus, als sie jetzt im Türrahmen vor mir stand. Als sei alles nur ein Traum…

Ich sah sie an … sah sie aus roten Augen an. Zu durchgemacht um nur halbwegs klar zu denken. Da erglomm, und erlosch zugleich, die letzte Treppenhausglühbirne in sich, direkt über mir, zusammen; kollabiert. Stockfinster um mich rum war´s. Doch der Schatten, gegenüber mir, sprach:
— ich liebe dich!
Und das … nach allem, dennoch weinte ich; beinahe.
— ich weiß,
sagte ich. Nicht mehr. Nicht-ich. [Han-Solo-Style].
Dennoch, sie im Rücken, sah sie mein Gesicht nicht. Meine Zukunft ließ ich ihr [ungefragt] da. HEROICA.
Ab jetzt (gab es) nichts mehr; außer Treppen_aus. Im tief Gehen, die steigende Stille. Stille. Die Stille. Ohne Echo. Blindlings. Abwärts.

Die Straße war gerade zu; noch halbwegs warm, roch sie fast unschuldig und unbenutzt. Irgendwie empfing sie mich — geradewegs wie Schmutz. Ich lief, ohne Spuren zu hinterlassen, durch sie hindurch. Bis —

Der Taxifahrer schien in Wirklichkeit gar nicht mich mitzunehmen. Das Radiogeräusch kratzte am Schweigen. Wie unnahbar, und fremd. Wie dankbar. Dann, die Nacht, in ihrem Nachtkleid, zog vorbei. Und sich allmählich wieder an dabei.
So nah; so sah, vor dem Morgenfahl, plötzlich dann alles dumm und traurig drein. Eine ganze Stadt aus bloßen, losen, leblosen Batzen, geformt; ausgiebig — aus beige, und blauen Graugestein gemacht.

…wie ein Blechdach, dass über den Strand geweht wird, fühlte ich mich.

Der Check-In dauerte.

Eiterfarbenes Gelb. So etwas; die Sonne schien durch.
Ein Bus ersetzte das gate, und brachte uns allesamt zum Flugzeug. Was niemand sah zum Glück, war, wie ich weinte und wie blass ich war — dazu; etwas in mir hielt sich noch immer vom Abschied fern. Und ich wusste längst unausweichlich, was wahr war.
Jede Sekunde, TICK-TICK, zerhackte mir das Herz. Und mein geschältes Hirn, wirkte, selbst von innen her, wie eine zerstaubte Apfelsine. Mit trägen Schritten erklomm ich die transportable Treppen-Empore, Richtung Passagierkabinenbauch.
Die Turbinen liefen. Alle, alles klassenlos.
Klanglos war die Sonne einfach so, mittendrin endgültig aufgegangen; irgendwann. Ich blickte ein allerletztes Mal, und strich den Himmel andersfarbig in Gedanken; in Gedanken, an…

— tschau!
sprach ich. Zog dann die Plastikblende zu. Zum Entsetzen meiner Sitznachbarin. Jene räusperte sich, doch tat ich einfach so, als ob alles so sein müsse.
Es wurde nicht leichter, als es in Wirklichkeit hätte sein können.
Bis ich längst seelenruhig darüber resigniert, eingeschlafen war. Wie unwahr. Aber dankbar.

Na ja —
so barbara.


BILD BY:  J.M. Harmening

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Autor: Yves Engelschmidt

Einer, der aus den Bergen fiel und sich im Schreiben verfing. Yves Engelschmidt ist angenehm anti-modern, anti-alles und ein enthemmter Endgegner. Verbal-Karate-Tiger und (Porno-)Belletristiker. Ein vorausdrängelnder Verfasser phantasiespaltender, schön-traurig bis wunderbar bescheuerter, kurz-prosaischer Rhetorik-Kunststücke. Der "endboss Verlag" schiebt ihn jetzt in die weite, weiche Welt hinaus. Wer lesen will, was gut ist — muss wissen, wie man sich durch Glut frisst.

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