DIE PFOÖRTNER GEHEN, DIE KUNST BLEIBT

Pförtner ist nicht nur ein Beruf — es ist eine Lebenseinstellung; gar eine Brufung und Prüfung auf´s Schicksals zugleich.

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Dasitzen, Leute reinwinken, Passierscheine ausfüllen lassen. Die wohl größte mögliche Nutzlosigkeit. Wie kann man acht stunden (pro Werktag) nur mit sich allein verbringen ohne verrückt zu werden? Monotonie, Vergänglichkeit und ja — auch manchmal Verzweiflung. Aber dabei bleibt es nicht; ganz im Gegenteil. Jetzt kommen sie einfach daher, diese Pförtner, und machen aus der Not eine Tugend und eine neue Kunstsparte auf — [die] Pförtnerkunst.

Aus extrem routinierter Langeweile entstand das Konzept der konzeptlosen Kunst. Die beiden Organisatoren und Kunstgenies Bernhard und Sven bezeichnen ihre Kunst als „extrem nichtig“, aber wer genauer hinschaut, wird in einer Bewusstseinserweiterungsexplosion erfahren, dass das nicht ganz stimmt. Angefangen hat alles als Spaßprojekt, dann wurde es immer intensiver, es wurde zum Sinn (und Ernst somit); Inhalt und zur Ursache des Pförtnerdaseins. Es war der Versuch, dem Stumpfsinn etwas entgegenzusetzen, etwas Positives daraus zu machen:

„In seine eigene Welt abzutauchen“, sagt Sven, während er an seiner Zigarette zieht.

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Pfötner sind die, die im Film immer als Erste(r) sterben.

Sie sind nicht wichtig, erfüllen scheinbar keine „richtige“ Funktion, sind einfach nur die dauerroten Zahlen des Betriebs. Das mussten die beiden am eigenen Leib erfahren. Aber während sich andere von der Schwerelosigkeit ihres Jobs ficken ließen, fingen sie an kleine Projekte auszuarbeiten, Cut- ups, Collagen, expressive Drahtkunst und vieles, was dazwischen und darunter liegt.

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Einen Job machen – heißt es! Aber man definiert sich doch durch seinen Job, seine Aufgabe, das ist wichtig, für jeden. Ziele, Sinn, wir wollen doch nicht einfach nur machen, da sein, vergehen, und (alles) vorbei gehen lassen, nein (!), da ist noch etwas anderes, da muss noch etwas anderes sein…

Jeden Tag acht Stunden Pförtnerhaus-Alltag, immer die gleichen Leute: „Bitte den Passierschein ausfüllen“. Ist das erwachsen sein? Funktioniert so die Welt?

Die Frage haben die beiden Koryphäen Bernhard und Sven nie konkret gestellt, aber sie lieferten die Antwort. „Wie krass man drauf geschissen hat“, sagt Bernhard und auch er zieht lässig an seiner Zigarette. Skurril, absurd und voller Herz ist die Pförtnerkunst, ein Versuch der Resignation zu entfliehen. „Die Zeit verstreichen lassen und immer tiefer gehen“, interpretiert es Künstler-Sven.

Realität und Kunst bedingen sich gegenseitig, das wissen alle. Was hier im Pförtnerhäuschen erschaffen und kreiert wurde, welcher historische Grenzpfahl dort aufgestellt wurde, hat niemand der anderen Mitarbeiter realisiert. Am Pförtner vorbeifahren und winken, was wird der schon machen?! „Oh, sweet nuthin“ von Lou Reed ist ihre Hymne, das absolute Sinnbild für den absoluten Leerlaufberuf. „Man wird labil, weil man unterfordert ist“, sagt Bernhard und zieht schon wieder an seiner Zigarette.

Ohne bestimmte Zielrichtung schaffen sie Kunst, die einen einfach mitreißt — oder ist das etwa das Ziel? Da ist einfach alles drin, die totale Überladung. Die völlige Herrschaft der Unbedeutsamkeit.

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Kunst machen und trotzdem auch irgendwie keinen Stil haben. Alles ist möglich, wenn nichts mehr geht.


text: yves engelschmidt   fotos: sven j. kanclerski

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TOD DURCH TECHNO

Selbst aus der Toilette trinken hat Niveau —
im Gegensatz zu
Techno,

geht so:
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Hätte Techno einen Anspruch, wäre es der: anspruchslos zu sein.
Ein Ausdruck wie: Techno ist toll — entspricht dem Schriftzug “super-lecker” auf beschissenem Tiefkühlessen.
Durch Reduktion, immanent der Essenz beraubt. Monotonie, die die Crowd umhaut, im Club, dunkel und BUM-BUM, zu laut — und alle drauf. Keiner der auf Qualität baut. Wenn bereits ein leerer Rahmen an der Wand Kunst ist, kann wohl auch der Bass alleine stehen und als vollwertige(s) Musik(-instrument) durchgehen. Debilitantisch steril runterminimalisiert — degeneriert, eine Musikform ohne Überbau und Inhalt. Die Avantgarde-Spitze der Nichtigkeit wird zur Kultur erklärt.

Doch meine Aversion steht stellvertretend für die Überzeugung — dass, wäre Techno als Mensch zur Welt gekommen, hätte er ganz sicher sofort einen 100%-Schwerbehindertenausweis bekommen. Ähnelt er der Musik nur, im Verhältnis, wie eine Schaufensterpuppe einem Menschen gleicht.
Strebt plötzlich die Spitzenspezies nach Plastik-Sein? Wie kann das sein?
Vielleicht ist es der Schein-Anschein, ebenso wie eine Einkaufstüte, ohne den Kompostumweg der Ewigkeit zu frönen. Oder vielleicht ist der Beat, egal wie stumpf und debil er auch erscheint, nicht nur die Herzfrequenz unserer embryonischen Vor-Kindzeit — sondern der Pulsschlag der Maschine — zu der wir werden. Ein bereits eingeschlagener Weg, der vorhergezeichnet scheint.
Wenn ein Buch nur voller Punkte wäre, wäre das wie Techno. Oder Electro. Der Unterschied ist bedeutungslos. Denn Techno ist der Soundtrack, die Hymne — der De-Evolution. Die Deformation reicht bereits bis weit über eine Generation hinaus und dauert schon zu lange an.
Ich bin radikalisiert. Es ist genug. Techno untergräbt die Sozialkompetenz ganzer Völker mittlerweile. Denn schon immer erkennt man Marginalität, wie auch Minderwertigkeit an der enormen Popularität. Was bei vielen ankommt ist flach, angepasst und dadurch schlecht — entlarvt durch die offensichtliche Bereitschaft zur Gefälligkeit.
Die Meinungen sind nicht geteilt, sondern einseitig — wie Faschismus. Man darf sich gar nicht wundern. Techno bietet eine Scheinidentität, ohne eine einzige Aussage zu treffen. Für nichts und gegen gar nichts.
Alles supi!
Dancen!
Lass shoppen gehen!
Hauptsache bequem.
UNITY
RAVE NATION
RAVING SOCIETY
ELECTRIC-PARTY-TIME
BASE MILLENNIUM
tumblr_inline_nm1224zLcJ1tr4o9b_500Die Zeit ist um. Zu lange bereits stumm geblieben, werde ich derart daran biegen, bis einer von uns bricht. Entweder schreibt Techno die Geschichte … oder ICH.

Techno ist der Beweis unserer verwahrlosten Intelligenz, unserer Charakterblässe.
Ich meine, dass ich weiß wovon ich rede.
Ich war auf hunderten derartig Potenz vernichtenden, Niveau verleumdenden Versammlungen. Euphorie empfand ich nie, auch wenn ich bis zum Morgengrauen blieb. Alternativen gibt es kaum. Die Technotyrannei. Ich warte nur noch auf die Techno-Partei. Wenn die echten Instrumente auf dem Scheiterhaufen landen, wissen wir: es ist vorbei.
Dabei — kurz bevor das, was Musik ist endet: das ist Techno. Früher hieß es Metronom. “Electro-Dj” bedeutet daher nicht mehr, als der Typ zu sein, der das Ding an die Anlage anschließt.
Es ist so lächerlich. Und vielleicht verdienen wir es doch.
Das Kredo lautet:
Bass gab es schon immer.
Bass ist alles.
Und was wie Bass klingt — das ist Bass.
Bass ist Boss. Und Boss ist, wer Bass hat.
Die Erde — sie ist Bass.
Gott spricht zu uns — durch Bass.
Alles, was du spürst — Bass.
Alles, was du bist — Bass.
Noch halte ich die Stellung.
Schickt mir Geld für den Guerilla-Kampf.

In Bon Scott´s Sinne:
Wenn du nicht weißt, was zu tun bleibt …
ROCK ON

Techno-Résistance.

Raucherschwein

Ich rede nicht mit Frauen, die im Nichtraucherbereich sitzen.

So — und nicht anders sollte das sein. Scheiß drauf! Scheiß auf ihr vorwurfsvolles Husten. Die Guten erkennst du an der Glut und den vergilbten Fingerkuppen. Wenn jemand sagt: “Hier bitte nicht rauchen. Mach die Kippe aus!” — ja dann musst du ihnen ins Gesicht spucken. Rauchen ist keine — schlechte Angewohnheit — sondern schlichtweg Überzeugung. Ein Lifestyle. Solange du rauchst, weißt du, dass du am Leben bist. Und wer lässt sich das schon freiwillig nehmen?!

Einfach die Sorgen von der Leine lassen und sieh zu, wie der blaue Qualm in Richtung Decke schwebt. Eine Schwade der Erlösung und Gelassenheit. Wenn der Filter an den Lippen klebt, fühl ich mich besänftigt, wie ein Kind, das in der Wiege liegt. Lehn dich zurück. Life is good.

“IT´S JUST A RIDE ” — Bill Hicks bill-hicks-4

Warum (fast alle) alles immer so unglaublich ernst nehmen!? Warum nicht eine Initiative gründen — für mehr Rauchen und weniger Kriege. Ich wäre dabei. Einfach die aufoktroyierten und allmählich abgetragenen Feindbilder, der vermeintlich Gerechten, in ihr Gegenteil umkehren, um sie somit auszuhebeln. Die anti-militante Kopf-über-Tyrannei. Die Diktatur der Freiheit und Individualität. JA — die RAUCHERPARTEI. Ich wäre ihr erster Vorsitzender. Denn ich bin nicht mehr bereit, das Böse in der unschuldigen Schönheit zu suchen — sondern in denen zu entdecken, die sie uns stehlen wollen. Wie viele Menschen sterben jährlich an gebrochenem Herzen — oder Einsamkeit. Isolation und Fremdheit trennen uns voneinander. Nicht die Glasscheibe in der Bar. Oder der viel zu volle Aschenbecher, der zwischen uns steht. Wie immer haben wir die Wahl — uns an die Illusion der Unsterblichkeit zu ketten oder der ungeschminkten Realität ins Auge zu sehen. Das Leben sollte nicht im Abfluss der Angst versickern, sondern sich im Lichte der Gegebenheiten bräunen — und mit einem Lächeln zu Ende gehen.

FAKT: Die PR-Maschine der Bio-Industrie arbeitet auf dem selben Level und Niveau, wie die von Marlboro. Bist du oft enttäuscht, weil du zu fett bist oder hässlich — kein guter Mensch? Frag dich mal — warum. Woher das kommt. Die Bilder, die dich in Dauerfrequenz beschießen, deinen Geist und dein Gewissen einlullen wollen, wollen dir nur das Dogma einer Scheinwelt in die Seele streichen, wie Nutella aufs Brot. Sie würden dich auch “echte” Scheiße fressen lassen, wenn sie dürften. Alles um die Marge des Gewinnvolumens zu erhöhen und zu steigern. Wer raucht, weiß wenigstens was er tut und kennt die Konsequenzen. Wer Kaffee oder Schokolade kauft, muss auf Siegel bauen, denen sie verlernt haben zu misstrauen. Die Hörigkeit an die Glaubhaftigkeit gutmenschlicher Produktpaletten, schmeckt irgendwie nach Wahnsinn und Besessenheit. Kauf dir das Gewissen rein!

Ein Plädoyer gegen Pseudo-Gesundheitseiferei einer Gesellschaft, die krank ist bis ins Mark. Wenn wir der bereits absterbende Ast am Baum sind — gibts da nix mehr von Ratiopharm. Sagt hinterher nicht — ich hätte es euch nicht gesagt.

Manchmal hasse ich es sogar, immer recht zu haben.

Ich rauch mir erst mal eine.


Bild by: Cora Sprengel

— Vendetta Vaginalis —

Text: Iuana Fugg

Man vermutet so einiges —
eigentlich fast alles irgendwie, nachdem man auch nur blind drauf los ein paar Passagen im beinahe berüchtigten B(anal)-Buch — Erection Perfection überschlagen hat. Aber es reicht. Bei Weitem sogar…
Und wer sich danach tatsächlich noch, wie ich (leider), dazu bereit erklärt, das ganze „Werk“ voller, nicht mehr als prä-pubertären Ekelergüssen — und diese dann auch noch über sich ergießen, reinschießen, und cum-shotten zu lassen — wird sich zwischendurch immer mal wieder fragen: warum?(tue- ich-mir-das-eigentlich-an?…) und:
wie nötig muss man es haben, oder einfach nur verkokst oder verkorkst sein — damit man sich frei-willig! mental derart missbrauchen, durchficken und Zitat: „wurstruten-wütend (in sich) … wüten (zu) lassen“, um direkt darauf auch noch von Major Cunt weiterhin: „…mit seiner Schleimeichelpalme verdroschen und saftig pimmelgepeitscht, wie ebenso schwanzfiletiert zu werden“.
Ich bitte Sie!

Das Ganze ist doch einfach nur peinlich und lediglich bemitleidenswert. So voller chauvinistisch kompensatorischer, typischer Männerklischee(Ängste), dass es beinah schon schmerzt, wie durchschaubar es ist.
Das vergeudete Papier für jene Fallus&Vaginal&Anal-Trivialica — tarnt sich unter dem Deckmantel tritbrettfahrerischer Pseudo-„Kunst“. Aber ist lediglich: anti-feministische Propaganda und dazu endlos-enthemmt, idiotische Verblendung.

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Schlichtweg und unleidlich billig. Penetrative, wie auch provozierende Schundliteratur — mehr wird man in „EP“ nicht finden. Glauben Sie mir.

Und was für eine schrecklich rückschrittliche und Minderwertigkeitskomplex-gesteuerte Art Mann muss dieser fragwürdige „Autor“ Yves E. wohl sein? — fragte ich mich unweigerlich während der „Lektüre“. Was muss er so massiv über-kompensieren, indem er andere dermaßen erniedrigt? Schlimm genug: gewinnt der Autor sogar zunehmend an Anerkennung und Popularität — durch besagte Korpulier-Epilepsie. Anstatt ignoriert und boykottiert zu werden, wie es ihm und insbesondere seinem „Werk“ EP zustände … meines Erachtens nach.

Außer aus rein politischer Verantwortung, insbesondere für mich als post- feministischer Neo-Femi-Nazi-Aktivistin und Vize-Vorsitzender (des Prima- Vaginalia Rhein-Main e.V.) — gebietet es sich doch schon allein aus Anstand, denke ich, derartig verwerflich- und auch gefährliches Gedankengut dementsprechend: völlig zu ignorieren, wie auch demonstrativ zu missachten — um somit vor allem am aller effektivsten jenen effekthascherischen, schlichtweg inszenierten, polemisch proletischen Chauvinismus entsprechender Maßen zu BOY-kottieren.

Und nachhaltigen Widerstand zu leisten — dies sollte der Imperativ aller selbstbestimmten und unterdrückungsübersättigten Frauen dieser Tage sein. EP ist so schlimm, dass selbst A. Hitlers „neues“ Buch — Mein Kampf, an Perversität und Aufforderung zur Hetze (passiv, wie auch aktiv) kaum mithalten kann.


Mehr dazu auf …

pink shot or not?

Autor VS. Verleger

Zur Frage der Vulva-Frontalaufnahme —
Ein Streit, ausgetragen in Form zweier Essays. Erschienen im aktuellen  
Giddyheft.

Und wer sich jetzt fragt — was zur Hölle eigentlich ein PINK SHOT ist?

pink shot = Foto einer geöffneten Vulva.
(aus: wikipedia.org)

I. Der Autor

Auf einmal da — pink und nah.
Gemeint ist die Frontalaufnahme. Der fotografische Einblick ins Zentrum der Lust, die Draufsicht, in die innen nasse Falte. Süßer Mittelpunkt. Ewig feuchter Stern des Begehrens.
Mein Verleger scheint dagegen — fotografisch, mein ich.

Muschiparanoia, aber Pornorap geht klar. Aha. Es herrscht Uneinigkeit. Kein Mangel aber an Meinungen. Und hier herrscht meine:

Ich meine — magazintechnisch ist die Wirklichkeit kaum realer darstellbar. Die ganze Frau, pur, echt und unverschnörkelt, mit Mängeln oder nicht — klar; und deutlich, als ob sie da vor dir liegt, mit geöffneten Beinen — und du nur noch einen Schritt auf sie zu tun musst.

Und jetzt der Rückzieher!? Lieber wieder Decke drüber, getreu dem Motto: gehört sich nicht — so ungefähr? Als müsse eine Frau sich des Begehrens erst bewähren, durch entsprechend entbehrende Zurückhaltung und mysteriös anmutende Verschlossenheit. Wie eine Schatzkarte, deren Glod-Kammer der Empfängnis ohne eigenes Zutun und Eroberung unerreicht und unaufspürbar bleibt.

Zum Glück ist die Realität da durchaus ambivalenter. Denn wahre Tigerinnen im Dschungel des Beischlafs sind meist keine Jungfrauen mehr. Voll frontal zu sein ist ebenso der Frauen Recht.
Also — der Pink Shot ist hot. Vor allem echt.

Und weil ich hier gar nicht über den Geschmack streiten will. Der bleibt jedem selber, selbst wenn er schlecht erscheint. Klar, sehen manche Muschis aus wie Aliens, und für die meisten werden sie das wohl immer bleiben; obwohl sie Ursprung, so wie Ein- und Ausfahrt ins Leben sind.

An dieser Stelle breche ich den Gedanken besser ab. Unnötige Scham.
Ich der Titan der Porno-Belletristik — ich find ́s mutig (von euch). Weiter so.

von Yves E. 

II. Der Verleger 

Die Frontalaufnahme … und der Wunsch nach ein wenig Privatsphäre für die Darsteller. 

Mein Verhältnis zur Pornografie ist ein altes und gespaltenes. Es begann, als Mädchen zwar gerade interessant, aber – zumindest von mir – noch nicht angefasst wurden. Da wirkliche Pornos zu diesem Zeitpunkt außer Reichweite lagen, beschränkte sich meine Erfahrung in Sachen bewegter, erotischer Bilder auf im Nachtprogramm laufenden Filmchen der Sender VOX oder Kabel1. Als kleiner Junge im familiären Umfeld war der Genuss solcher Streifen aber komplizierter, als man es sich in Zeiten des Internets vorstellen kann:

Zunächst musste man das generelle Fernsehprogramm ausstehen. Heute undenkbar, aber man zappte den vollen Abend herum, nur um dann mitten in der Nacht das sehen zu können, was man sich vorgenommen hatte. Dazu kam, dass ich kein eigenes Zimmer mit Fernseher hatte, als Ort der erotischen Enddeckung blieb also nur das familiäre Wohnzimmer. Und das war eben nur leer, wenn der Rest der Familie bereits schlafen gegangen war. Dass es irgendwann ins Bett geht war jedoch nur bei meiner Familie sicher; wenn man Pech hatte landeten die Protagonisten des erwarteten Films, trotz „Erotik“ Markierung in der Fernsehzeitung, gar nicht auf der Matratze. Und selbst wenn: Zu dem Fahrstuhlsound der Neunziger, gerne mit etwas Saxophon, wurde die Szene nach spätestens 10 Sekunden der Darstellung des eigentlichen Liebesakts ausgefadet … Nie sah ich ein primäres Geschlechtsteil, selten waren die Protagonisten bei Ihrer Darstellung völlig nackt und immer war die Kamera mehr oder weniger in der Totalen. Jung, wie ich war, haben mir diese 10 Sekunden dann aber meist trotzdem gereicht.

Echte Pornos stellte ich mir dann so ähnlich vor, nur eben optimierter: Keine schlecht synchronisierten B-Movies vorab, keine unberechenbare Story, die man zwischen den Szenen mit offener Hose durchstehen musste und vor allem kein verdammtes Ausfaden! Die echte Darstellung von Menschen, die tatsächlich miteinander schlafen und nicht bloß die Bewegungen durchführen, aber Ihre Unterwäsche noch tragen.

Den ersten Porno bekam ich dann im Rahmen eines Videoabends mit Freunden aus der Schulklasse zu Gesicht. Wenn ich mich recht erinnere war das auch der einzige Moment, an dem ich einen solchen Film je mit Gesellschaft geschaut habe.
Nach eigener Aussage hatte noch niemand ähnliches gesehen; wir, oder zumindest die Jungs, erwarteten den Moment also mit gespannter Vorfreude. Nach dem ersten, regulären Film, es muss also so halb neun gewesen sein, wurde dann der Porno in den Recorder geschoben. Das war es nun also, hier und jetzt würden wir alle lernen, wie man Liebe macht. Wie erwartet gab es keine Story, hier hatte ich noch richtig gelegen. Die Fahrstuhlmusik blieb aus – kein Problem, der Kerl war schmierig und übergewichtig – nun gut, die Protagonistin war deutlich älter als erwartet – schon ärgerlich. Aber wirklich erschreckt hat mich nur die Scenenwahl. Beim ersten Reinstecken hatte mich die Nahaufnahme nicht verwundert, ich war ja schließlich interessiert. Dass die Kamera dann aber fast ausschließlich in dieser Position verweilte hätte ich dagegen nicht gedacht. Anstelle von Sex sah ich einen über den gesamten Röhrenfernseher ragenden Schwanz in einer unglaublichen Geschwindigkeit in eine Muschi hämmern. Beim Stellungswechsel ging die Kamera kurz in die Totale, nur um dann, sobald die beiden Darsteller wieder vereint waren, wieder in die Nahaufnahme zu wechseln. Schwanz hämmert in Muschi, nun aber von oben nach unten. Ich war schockiert.
Das, was ich hier zu Gesicht bekam, war noch viel schlimmer, als die vorher mühsam erkämpften Filmchen im Nachtprogramm. Das war Krieg zwischen den Beinen, eine Großaufnahme primärer Geschlechtsteile, ineinander verkeilt und sich gegenseitig verformend. Und auch wenn mich in dem Alter schon der durchscheinende BH einer Klassenkameradin zur Ekstase gebracht hatte: Eine Erektion war völlig undenkbar.

Diese Erfahrung scheint mich sehr geprägt zu haben, denn auch viele Jahre und eigene Erfahrungen später, tendiere ich heute noch zum Softporno. Dabei ist es gleich, ob Foto oder Film. Ich möchte keine Nahaufnahmen des Aktes sehen, sondern Körper. Ich möchte bei erotischer Fotografie keine gespreizten Beine sehen, sondern ein hübsches Gesicht, schöne Formen und zumindest ein kleines bisschen Geschick des Fotografen. Nichts lässt meine Achtung vor der abgelichteten Person schneller schrumpfen, als eine gespreizte Muschi im Fokus. Der Pinkshot ist der Inbegriff des Stumpfsinns, der Sieg des Triebs und die Reduktion eines Menschen auf sein Geschlecht. Jede Frau hat eine Vagina, aber diese ist nicht ihr ausschlaggebendes Körperteil und es gibt eine Unmenge an Dingen, die mich mehr anmachen.

Im Prinzip wünsche ich mir die Pornografie ein wenig wie die nächtlichen Filmchen. Klar, wenn ich jetzt wirklich Porno haben möchte, dann will ich da keine an den Haaren herbeigezogene Story, und ganz sicher habe ich keinen Bock mehr in ständiger Angst des Erwischtwerdens zu onanieren. Aber wenigstens haben diese Filme genug offen gelassen, um dann voller Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen auf eigene Entdeckungsreisen zu gehen.

von Max B.

BILD: CHRISTOPHER BALASSA 

Die Ausgeburt der Inkosequenz

Aus dem SV-Interview — mit Yves E.

Erection Perfection — ist ein überaus schmutziges Buch, das im wahrsten Sinne sogar < > spaltet. Rhetorisch, wie auch Inhaltlich. Moralische Penetration. „Ohne Kondom“, sagte ein ehemaliger Freund, der sich vom Autor abgewandt und endgültig getrennt hat. Wie so viele.

Und so viel sei einmal vorweg gesagt: das Interview mit dem Jungstar der Literatur war äußerst anstrengend und unangenehm. Und wäre der Mühe kaum wert — wäre da nicht, diese eine Sache bei rausgekommen.

So hatte man uns ebenso bereits vorgewarnt. Doch wir von, Sportvortze wagten trotzdem das Interview mit Autor, Profi-Provokateure und Literatur- Untermstrich-Stresser Yves E.
Der unlängst in einem Interview, über die eigene Person sagte: „Ich bin ein Unterschichten Untermensch, mit mehr Wortschatz, wie der, wo Goethe hatte“.

Nur am Rande sei erwähnt, dass er aus Hannover kommend — (eigentlich) perfektes Hochdeutsch sprechen sollte.
Man durfte gespannt sein.


SV: Herr Engelschmidt. Guten Tag erst einmal. Und vielen Dank für diese Interview. Sie geben ja gerne welche, doch keiner will — etwas mit Ihnen zu tun haben, sagt sich mancher Orts, mancher ja sogar. Und das auch immer häufiger. Offenbar gelten Sie als schwierig. Glauben Sie denn, dass — zu Recht auch?

YE: Gibt kein Kommentar. Sieht leerblicklich zurück. Womöglich, so drängt sich allmählich, wie auch zunehmend die Vermutung auf — ist er high. Oder ziemlich besoffen; mindestens.

SV: Ok. Ähm… stimmt es was man sagt, dass …

YE: NEIN!

SV: Was?!

YE:  (k.K.)

(steht für: kein Kommentar — wird verhäuft vorkommen)

SV: Macht Ihnen ihre eigen Arroganz denn überhaupt noch spaß? Oder langweilen sie sich, über sich selbst manchmal.

YE: (k.K)

SV: Ich seh ́ schon … Vielleicht hatten wir einen zu schwierigen, oder gar falschen Start und u.U. sollte ich es … etwas anderes angehen — oder nicht!? Stimmt. Sie haben vielleicht ganz recht …
Wie geht ́s ihnen denn heute so — Herr Engelschmidt?

YE: Nächste Frage!

SV:prplx
(= perplex)

……
………
Dann etwas später:

SV: …selbsternannt; und tituliert habe Sie sich als — „…der Gott der Porno-Belletristik“.

Wie kommen sie auf so etwas? Und gibt es dafür denn dementsprechend (aus ihrer Sicht natürlich) auch plausible, nachvollziehbare Gründe?

YE: Stirb!

SV: Wollen sie mich verarschen ?

YE: (k.K.)

SV: Na guuhht…! Mh. darf ich Sie mal etwas eher persönliches Fragen?

YE:

SV: …wissen Sie, ich mach es einfach. Denn ich glaube, ich kenne die Antwort ja eh schon. Aber… OK. Woher nehmen sie eigentlich ihre Inspiration?

YE: Kegelbahn

SV: Ihr ernst?

YE: (k.K.)

SV: Versteh!

YE: Nein.

SV: Was nein?!

YE: (k.K.)

SV: Na fein. Wundern sie sich denn überhaupt, warum sie immer so viel ärger haben, mit z.B. dem feministischen Konglomerat Bottrop „Fema Faszina…?

YE: VAGINA!

SV: …bitte?! Hab ich da…

YE: (k.K.)

SV: …oder das man sie letztlich erst, aus dem aktuellen „Autorenbuch der zeitgenössischen Literatur“ gestrichen hat — fallen ihnen da Gründe ein.

YE: Nein.

SV: Ich meine — selbst ihr eigener Verlag, deutete hin und wieder auf einige Nicht-Übereinstimmungen mit ihnen und ihrem „Verhalten“ hin. Sprich konkrete Distanzierungen, bis dahin sei es sogar zum Rausschmiss einiger ihrer erfundenen Figuren aus dem Verlags-Kanon gekommen. So soll es sogar Unterlassungsklagen geben. Sie dürften nicht einmal mehr bis auf hundert Meter in die Nähe ihres Verlagsbüros Büros kommen? Stimmt das?

YE: Gut das sie das Fragen ………………… Wie war noch mal die nächste Frage?

SV: Sind sie tatsächlich so dermaßen bankrott, trotz so enormer Verkaufszahlen, jetzt auch weithin international?

YE: Wie viel bekomm ́ ich eigentlich für dieses Interview?

SV: …Nichts! Denn…äh…sie haben uns eingeladen — sprich…

YE: steht auf und geht.


 

Leider zu spät, wie sich nun zeigt. Denn mittlerweile ist seine Mutter schon ins Lokal gekommen. IHN ABZUHOLEN!!!!!!
Eine rüstige Frau, mit kurzem braunen Haar und klarem, bestimmend, aber freundlichem Blick. Sie reicht mir die Hand. Sie wirkt normal sogar. Wir plaudern. Über ihr „Mäuselchen“ und ob er sich denn benommen hätte.

YE: Oh, Mutter!

Hört sich das schön an.
Herr Engelschmidt sieht jetzt ziemlich eingeschnappt aus, als ich mit seiner Mutter Nummern tausche. Danach werde ich durch das große Schaufenster Zeuge, wie Frau Mutter ihrem so erwachsenen, großmäuligen „Spätzchen“, mitten auf der Straße, vor allen Gästen des Cafés, die mittlerweile auch hinaussehen — mit Stofftaschentuch und Spucke die Mundwinkel auswischt. Normalerweise … — aber in diesem FALL, finde ich das nicht einmal stellvertretend schrecklich. Sondern sehr, sehr angebracht. Und muss auch laut lachen, wie ich Yves E. plötzlich weinen sehe.
Herrlich — ist doch die Gerechtigkeit.

Interview mit einem Problem

Probenlospole

aka

„Dummer Junge mit Knarre“


Auch genannt…168181_167990129914440_5720797_n
Siggi Lokalhasst. Der keine Kneipenlokalität verpasst. Oder Witz auslässt. Brutal. Er säuft und säuft — alles, was nicht fest am Tisch klebt. Den Aschenbecher erkennt er lediglich noch daran, dass er nach Filter stinkt und qualmt, sonst würde er…

Ebenso, brauch ́ man sich nicht alles merken, was er sagt. Manches aber lohnt sehr.
„Wife-beater?!“, fragt er mich, ohne zu fragen. Und bestellt. Zwei, vielleicht vier Glas davon. Mit Sicherheit kann man das nicht mehr erkenne, von meinem Drehplatz aus.

Lau, lauf, lauf raus, denk ich mir, kurz darauf beim Pissen, speedbedingt ist die Harnröhre verengt; und weil hinter mir einer mit mir zu reden versucht. Ist das mein Blut — oder nur Klostein, da im Steh-Pissoire? Egal. Heftig, halbwegs zielgenau strull ich den Plastikfußball jetzt voll ins Netz. „Bäm! Und-der-Mann-hat-kein-Abi“, schrei ich. Feierlich zelebriere ich — mich. Und gerate dabei dem anderen mit meinem Strahl als Knie.

„Na fein!“, sagt er, zippt zu — und holt weit nach hinten aus, als wenn er einen Ball wirft. Da geht die Tür auf. Siggi. Redet unendlich. Und rettet mich damit. Bald sitz ich mit beiden am Tresen.
Wie gesagt —

Wer glaubt, er könne sich mit einem Polen, mal so richtig mit Vodka versohlen, der muss hoffen, Russe, Finne oder wenigstens Slowene zu sein. Obwohl uns der kulturimplantierte Bier+Wurst-Habitus, wie auch Charakter eint — trennt uns doch die Schluckkraft. Ganz zu schweigen vom Durchhaltevermögen. Oder dem Schwarzgeld — direkt vom Bau wech. Umgemünzt zu golden, gelber Flüssigkeit.

Doch der Drink vor mir, der besagte — doppelte (oder quattro), sieht in seinem fancy Becher eher aus, wie ein Papagei, der sich im Mixer verfangen hat.
„Du Sergi…?“, nuschle ich, und versuch derweil die Frage nicht zu vergessen „…sag mal — warum eigentlich Wifebeater?“

„Na ist doch klar“, mein Gott freut er sich.
„Ja und? Sach ́ an, man“, fordere ich rülpsend ein.
„Na wenn du dir drei von den Dingern reinhaust … bei dir reicht gl(oa)b ich beinah … also, da reicht ja schon einer … also wenn du dir die reingefahren hast — hast du am nächsten Morgen so `nen Schädel, dass du erstmal deine Alte verdrischst. Deshalb“
„Macht Sinn“, sag ich, ins Glas hinein. Der Boden scheint derweil näher zu kommen.
Mein Gott…

Danach sah ich mich zum ersten Mal, und auch halbwegs bewusst, seit Längerem wieder mal im Tresenrückspiegel zurückschauen. Grütze DELUXE. Hack am Hals. Glückwunsch!
Wie zum Teufel — und warum war die Hälfte meines Schädels, inkl. Braue, so schlampig wegrasiert? Wie lange ging die Schose schon? Und wie kann ich es zu Ende bringen — ohne zumindest dabei draufzugehen.

Bequem versuche ja ich manchmal bestimmte Dinge, Ansichten und Anreden zu übergehen. Ausblendungsverfahren. Sinn-Blockade. Nur Alk, fatal, kommt durchs Futteralportal. Alles andere ist Rest. Da draußen. „Die Anderen“. Nur, das was übrig bleibt, und stehend, tresengelehnt Sorgen vor sich herschiebt. Austausch. Vom Bier, das reinkommt, und dem, was eben Problem war und wieder werden wollte sogar — einfach im Rückrad zurück lässt. Lass knirschen. Und die Bäuche blähen. Wer soll das alles nur verstehen?

Mein Blickwinkel, in jenem Moment: die Voll-Sentimentale. Da gibts doch was, vom Tresen. Oder nicht?. Denk ich?
„Lass heiraten“, sagt eine zu Seek&Destroy Sergius, die die ganze Zeit neben uns saß.

„Ich hab ne Band“, sagt er „In der spiel nur ich. DUMMER JUNGE MIT KNARRE. So heißt die.“
Und ich sag: „Serreg! Ich glaub ich muss………!“

Um ehrlich zu sein — ist mir diese Mal das „Interview mit einem Polen“ irgendwo zwischen den Zeilen abhanden gegangen.

Siggi Barlust ruft auch schon ständig bei mir an, um das nächste (interview) zu vereinbaren. „Wie war das(?) noch mal — geht ein Pole an `ner Bar vorbei…hehe…“, sagt er.
Ich lege auf.

Die ENDBOSS CREW schlägt zu — Vol. II

Gelsen wird wieder aus — Erection Perfection.