Die Träume eines Friseurstuhls

Als sich meine Mutter, wie jeden Morgen, bei einer Zigarette und einem Kaffeebecher voll Sperma mit der Zunge den milchigen Bart wegwischte und zu mir sagte, dass es jetzt, nach meinem 33. Geburtstag, vielleicht doch an der Zeit sei, mir eine eigene Wohnung zu suchen, nickte ich ihr nur noch zustimmend zu. Ihre wahren Beweggründe waren mir durchaus bekannt, denn ihr Neuer und ich verstanden uns nicht allzu gut. Wenn sie mir latent-unterschwellig mit ihren angeblichen Hexenflüchen drohte, hatte dies schon gar keinen Effekt mehr auf mich. Sie war gar keine Hexe, nur ein verkommenes unbrauchbares Miststück. Das erst kürzlich von mir absolvierte Praktikum bei der Tatortreinigung hatte mir die Augen geöffnet für eine relative Normalrealität, die mir, im Dunstschleier der übersteigerten und ausschweifenden Perversionsdarbietungen in unserem Haushalt, beinahe schon abhanden gekommen war. Auch dass mein Großvater jahrzehntelang seine unterdurchschnittliche Clownsperformance auf Kindergeburtstagen feilbot, zwecks seines aus Erbmüll verursachten Zwangs, jungen Knaben ans unreife Leder zu gelangen, hatte sie in keiner Weise zu der Aussage berechtigt, wir seien die Nachkommen einer berühmten Schaustellerfamilie. Ihr dies alles ins Gesicht zu sagen, getraute ich mich dennoch nicht.

In diesem Moment trat auch schon Uwe ein. Er war Zauberer — das zumindest hatte er meiner Mutter erzählt. Nicht nur, dass er ihr Stecher war und mich indirekt oder auch direkt aus meiner gewohnten Geborgenheit drängte — zu allem Überfluss hatte er auch noch meine Schwester geschwängert (8. Monat).

„Na, du Nichtsnutz!“

„Fick dich … Uwe.“

Meine Abscheu ihm gegenüber war nahezu grenzenlos.

„Jungs, ich bitte euch. Reißt euch zusammen. Heute ist Apfelsinas großer Tag … und wir wollen doch alle … Macht euch lieber fertig, wir müssen gleich los.“ Ich denke, meine Mutter hätte vielleicht nicht immer so sehr darauf bedacht sein sollen, neutral zu bleiben.

Als ihr Manager hatte sich Uwe für Apfelsinas Auftritt fein rausgeputzt. Vor dem kleinen Club noch schwang er große Reden und machte auf wichtig.

Drinnen selbst war alles bis zum letzten Platz ausverkauft. Die Auftaktshow eines tabledancenden weiblichen Siamzwillingspaares verfehlte seine Wirkung nicht. Die Darbietung der Eternal-Anal-Creampie-Kombo aus Las Vegas hingegen, deren Höhepunkt die gleichzeitige Ejakulation zweier ausgewachsener Negerboys in dem überaus überraschend dehnbaren Rektum einer zierlichen Blondine bildete, hatte nicht ganz so viel Klasse, war aber durchaus ausreichend, um das Publikum in die gewünschte Stimmung zu versetzen.

Uwe trat auf die Bühne, hielt eine kleine erläuternde Ansprache und bat dann alle Männer, nacheinander zu ihm zu kommen, wo sie in ein extra für den heutigen Zweck konzipiertes Behältnis abspritzen sollten. Eine Schar barbusiger Assistentinnen gab ihr Bestes, die erzielte Menge in kürzester Zeit abzumelken.

Nach einer Stunde war es dann so weit. Die Lichter erloschen. Plötzlich, wie ein Blitzschlag, gingen die Scheinwerfer an und mitten auf der Bühne sah man meine hochschwangere Schwester – nackt in einem Gynäkologenstuhl. Dieser Anblick war für mich nichts Neues, dennoch war ich mit Stolz erfüllt, als ich bemerkte, dass die wunderbare Möse meiner Schwester alle in ihren Bann zog. Sie war sichtlich aufgeregt. Kurz darauf reichten ihr die Assistentinnen den mit einem Hebel versehenen Schlauch zum Mund. Erhöht, direkt neben ihr, befand sich das Plexiglas-Gefäß mit dem Sperma. Eckpfeiler des gesamten Kunstereignisses war der mit einem Penis (funktionstüchtig) gehörnte Liliputaner, der sie mit eben diesem Fabelglied während des Weltrekordversuchs (die Leute von Guinness waren auch da) penetrieren sollte. Schon ging es los.

In tiefen Zügen und mit vollen Backen gab meine Schwester ihr bestes, nicht einen einzigen Tropfen zu vergeuden. Das Sperma war knapp. Nur gerade so war es uns gelungen, genügend für einen Weltrekord zusammen zu bekommen. Der Zwerg schickte sich an, mit gesenktem Haupt wie ein Stier sein Kopfglied zu versenken. Die Handknöchel meiner Mutter waren vor lauter Aufregung schon ganz weiß.

Kurz vor dem Ende jedoch begann meine liebe Schwester zu husten und zu spucken. Gerade noch einem unausweichlichen Gefühl der Enttäuschung nahe, vernahm ich plötzlich ihre wilden Schreie. Auch der Pimmel-Stirn-Kleinwüchsige schaute immer wieder überfordert hin und her. Doch augenblicklich wurde jedem klar, welch Wunder der Natur sich dort direkt vor unseren Augen abspielte. Noch immer klebten meiner Schwester Unmengen von Sperma am Kinn, als sich ihr Muttermund sperrangelweit öffnete und auch bald schon der Kopf meines kleinen Neffens zu Tage trat. Meine Mutter, die schon gleich zu Anfang auf die Bühne geeilt war, hielt jetzt ihren ersten Enkel in den Händen und war sichtbar stolz. Auch ich ging auf die Bühne, küsste meine Schwester auf die Stirn und gratulierte meinem Schwagerstiefvater.


Ein Auszug aus: ERECTION PERFECTION

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So many Days in Waste

Erst weit nach Mittag machten wir die Augen auf. Es störte sie nicht einmal, dass sich der Müll in meinem Zimmer bis zum Hochbett stapelte.

Ich ging in die Küche und machte uns Kaffee. Sie hatte einen Tatterich und ich fragte mich, ob sie nur aufgeregt war — oder Alkoholikerin.

Am Nachmittag dann gingen wir in einen Garten, angeblich gemacht aus gelbem Gerstenbräu. Mit den vier Bier, die ich ihr hier spendierte, zeigte ich ihr meine Liebe. Ich hatte einen Kloß im Hals, als sie sich in meinen Schoß übergab. Wir betteten uns danach im Park.

Später mieteten wir uns ein kleines Boot am See. Während sie ruderte, begehrte ich sie so sehr. Mit einem kühlen Bier zur Hand, sah ich sie an und bastelte ihr in Gedanken Engelsflügel dran. Die Menschen bekundeten vom Ufer her ihre Bewunderung mit Applaus. Ich streckte ihnen die Zunge raus, derweil sah es in meiner Hose sehr nach harter Liebe aus.

Ihre Stimme klang ein bisschen wie die von Cher. Jetzt gerade aber blies sie mir einen auf der Toilette des Yachtvereins. Hinterher schenkte uns ein Kellner dort eine Flasche Schnaps, weil er ein alter Arbeitskollege von mir war. Es wurde dunkel.

Wir waren total besoffen und wunderschön.


Ein Auszug aus: ERECTION PERFECTION

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Vaginukles

 


Ich nahm gerade eine erholsame und revitalisierende Dusche in meinem neuen Fitnesscenter, als zwei Muskelberge eintraten. Ich spürte, wie ihre Blicke an meinem mageren Körper hafteten. Jetzt erst bemerkte ich, dass es gar keine Männer waren, sondern Frauen. Beide zogen sich aus. Jede einzelne Wölbung ihrer massiv-muskulösen Körper war sichtbar definiert. Ihre Bewegungen waren alles andere als filigran. Schon als die ersten Wassertropfen ihre Haut berührten, begannen sie miteinander rumzumachen. Dabei sahen sie aus wie Amateurwrestler.

Ich fühlte mich erinnert an die Catchfiguren, mit denen ich in meiner Kindheit gespielte hatte.

Mit der Miene eines sehr strengen Sportlehrers, forderten sie mich dazu auf, mitzumachen. Ich zögerte.

Die eine trug einen rotgefärbten Pottschnitt und die andere lange, wasserstoffblondierte Haare, die ihr bis zum Arsch reichten. Sie waren glattrasiert, doch selbst ihre Muschis sahen aus wie hydraulische Schrottpressen. Die Rote kam auf mich zu. Sie umfasste mein Glied mit solch heftigem Druck, dass ich davon Atembeschwerden bekam. Tief blickte sie mir aus ihrem kantigen Gesicht in die Augen und sagte mit rauer Stimme: „Du geile Uschi“. Ich gab ihr den Namen „zärtliche Muskula“.

„Meine Freundin heisst übrigens Aphrodieter“, sagte sie.

Ich reichte, als Zeichen der Wertschätzung, auch der Blonden meinen Schwanz. Sie missdeutete diese freundliche Geste und begann augenblicklich an meiner Wurstlaterne zu saugen, als gäbe es kein Morgen mehr. Ihr Muskelmund umschloss meinen Schwanz ganz — selbst die Eier klemmte sie sich zwischen die Backen. Ihr Sog war heftig und glich dem eines Industriestaubsaugers. Ich möge sie doch einmal richtig durchballern, forderte die Rote. Ich zögerte erneut. Da machte sie bereits einen Handstand und spreizte die Beine im Spagat. Die blonde Steroidenvenus packte mich und hob mich hoch wie eine Hantel.

Mit grauenhafter Präzision rammte sie meinen erigierten Schniedel unablässlich in die Fleischfalle der roten Amazone. Beide stöhnten rhythmisch, in wollüstiger Begierde auf. Als sie mich wieder aufgestellt hatte, schmetterte ich der Blonden, mit voller Wucht, meine Faust ins Quadratgesicht. Sie lächelte mitleidig.

So schnell, dass ich kaum wusste, wie mir geschah, hievte mich die Rote auch schon in die Luft. Sie steckte sich meinen Schwanz in den Rachen, wie eine geübte Schwertschluckerin, und drehte mich derweil über sich wie einen Propeller.

Die beiden nahmen mich hinterher im Stehen zwischen sich. Auf einmal hatte ich einen Finger im Arsch, während ich die heftig kontrahierende Rosette der Roten penetrierte.

Auch wenn die zwei mich nach dem Aktvollzug völlig ausgeschlachtet, verwirrt und mit einem latenten Gefühl des Benutztwordenseins zurückließen und ich fast eine halbe Stunde damit verbrachte, meine Tränen unter der Dusche zu verbergen, bin ich dennoch sehr stolz darauf, dass man mir nachsagt, ich sei ein sehr zärtlicher Liebhaber.


Ein Auszug aus: ERECTION PERFECTION

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Brett Pitty

Ein Nicht-Bericht:

INSIDE 0 – Null Einsicht  Die Zähne knirschen-schon-so-sehr. Doch will ich mehr. Ab aufs Klo. Nullniveau. Egal wo. Auch hier im Edelschuppen. Dem Wertmaßstab der Selbstachtung dementsprechend ungerecht. Doch wer das Koks nimmt – der ist des Kokses Knecht.

Wie schlecht. Mir = IST.  Lineschtyle geht es aufwärts. Raufwärts. Kurz wehrt’s. Weiter. Schon der eiserne Geschmack von Blut im Rachenschlund. ALLES. ABER ich will dennoch mehr. Mein Gewehr-Mund – taub, trocken, warm und wund.

Ich bin der Grund. Und ohne Sinn. Daher: SCHE??I?ß! AUF DIE scheißSICHERHEIT – Ich reg mich eh nicht auf – Hack, hacke mir erst mal die nächste auf – weiße Einspur – Mit Gravur – Sniff, sniff-es-weg – Wie gelungen – Doch in Wahrheit bin ich nicht mehr als der Qualm in meinen Lungen – Dauerkette. Zug um Zug.

com. dreh dich weg. Schräg hier drinnen. Ich sehne mich nach Bier in mir. Das Geld läuft aus. Aber dafür etwas anderes in mich hinein. Alles Übung. Sauf.Suff-Verein(t). Schwer kein Schwein zu sein. Aber was eben Ballast … Jetzt-bin-ich. Wirt der Euphorie. Ich geh. Noch ma’. Und sieh! – Ich zieh. Ich seh’s im Spiegel. Überall. Und steh’ über dem All. Tag: ich trag ihn in der Nacht noch besser – wie ein’ Anzug. Nur aber nicht mit Fassung und Fasson. Wie alle jungen Huskys bin ich am zieh’n. Und lass die ander’n schieben! Übertrieben. Ich bin ein Alpha und Genie. Ausdrucksstark, wenn auch leer. Daher …

Ich verabscheue – Dehn-Mangel – Die ZEIT BÜST EIN Unbewegt am Tresen. Koksdraufgänger umgeben mich. Nich’ wie ich. Posen sich gegenseitig – an und zu. Ich stoß sie aus meiner Wahrnehmung heraus. Sie hinterlassen keine Leerstellen – oder Lücken. Kontrolle. Check. Kragen hoch. Nasenspray auf Tasche. So’ne Sache. Wie viel Schi-Schi im Umlauf is’.   Edelnuttenmaterial zu Hauf. Auf nylonweichen langen Bein’. Alle samt – so unwürdig – aber, hergerichtet, ausstaffiert – De-evolutioniert. Kann man nicht immer – aber manchmal kann man doch so sein. Ich fühl’ mich fein. Und zwinker’ … nein ich blinzle nur. Eine Träne, schwer wie Teer. Woher?

Mein Gott … was bin ich … herrlich … übermasturbiert … oberflächlich … aber … abgeflacht … – jetzt zieh ich mir nochma’ ihre Brüste rein. Sie neben mir, kommt näher ran.

Cobra-Koks. My mind is ugly. – Sind die gemacht – frag ich – Ne.Also,ja – warnt sie – ABER real – meint sie – Mich geht langsam nichts mehr an – das mich – “B” – Trifft – Denk ich? – Treffer! Meine Unsicherheit – Aber – klar – Klarer – Clarisé – Ist ihr Name – Sie – Sie ist nur Hülle – Wie wir alle – Der Rest – Unsichtbar.  Dong-Dong – Dong.Dong – Langt – Flach, aber nach innen hin – Zu lange wach – Das kommt schon hin.

Und ICH – mittendrin. Voll-drauf. Seelenscherben – schaufle ich die Splitter auf?  Wie die Faust am Kinn. Mittel nehmen. Ist son’ Mittelding von mir. Aber ich bin nich’ drinn’ in mir. Fünf Bier schon. Voran geht’s weiter. Und der Rest kommt noch … nach. Hinterher. Nicht schwer. Ich fühl mich leicht. Und Leer. Er. Aber das bin ich – dort. Im Spiegel. Sieht immerzu gleich … und dann auch anders aus. Ich hol den Scheiß aus meiner Tasche. Sie mir währenddes – Alice war ihr Name? – den Hals ableckt. Dann das Ohr. Ich kneif ihr in die eine Brust. Sind echt nicht echt. Und sie nicht schön.

– MATT-Schick. Omega-Mama – Ich reiß die Fresse auseinander. Mund auf Mund. Zu. Dann auf. Ihr Zunge, lang und zu agil. „Wie viel?“, fragt sie. „Was?“, entgegne ich „…ich für dich ausgeben will?“, plärr ich, vor steroiden-egonomalem vollblind Aktionismus. Sie stiert mich wütend an. man-man-man. Mein Mundraum fühlt sich an, als hät’ ich Lepra. DIE AUFZUCHT AUFGESPART. PARALLEL-Prall.

Rausch-Nomade / ich lass sie dort verpeilt verweilen / mit Schlüppi zwischen den Knien / WHAT A QUEEN / Daddys braune Braut, war früher auch mal Mädchen / mit Träumen – oder so / doch was soll’s / wo bleibt ihr Stolz / und warum erkauf ich mir den meinen, durch den ihrigen Verlust / zu deep / mehr Drink /

ichtrinktrinktrinkundtrink. wo-wo-wieso wird mir nicht wohler. ich bestelle W. mit Cola drin. PLASTIKFLEISCHKONSUMENT. Wer brennt, der rennt / und rennt / und NICHTS das leuchtet – und ich denke über mich – wenn ich rein-komm irgendwo, sollte man prophylaktisch den Frauen hin und wieder mal den Schritt auswischen – zwischendurch.  :::::::::::::::D Wohin mit all der übertriebenen eigenen Liebe? Es wird nicht lang und länger. Sondern schneller. Wieder Klo … Ich schiebe. Die nächste Line wird mein sein. Wär ich Rapper. Aber das ist Koks – da-vor-mir. Und ich hasse mich. Und hasse weiter.

Nur gut wenn man ein echter Wrestler ist, wie ich. Der glaubt, die Realität sei nur gestellt.

Trystess

Immer waren es die gleichen paar Gestalten, an denselben Plätzen, an denen er gruß- und blickkontaktlos vorüberzog. Nach und nach füllten sich die Reihen. Die Spätschicht zeigte ihr feierabend-melancholisches Gesicht. Alle rochen nach Schweiß, Bratfett oder Benzin. Kein Lächeln war zu sehen, nur ausgeblichene und schlaftrunkene Gesichter, die, bei kurzer Sicht, sich selber in der Reflexion der Scheibe anstarrten oder der Welt dahinter gelangweilt beim Vorüberziehen zusahen. Nur kurz blickte Jabo auf, als sie in den Bus einstieg.

Auch von ihrem Tag war nicht mehr übrig, als ein langer Heimweg und ein leeres Zimmer, das halb-kalt auf sie wartete. Auf aufgequollenen Sohlen stemmte sie sich jetzt gegen das Schlenkern der Busmade, die sich durch die Großstadt fraß. Jeder noch freie Sitzplatz schien den eindeutigen Intimbereich des daneben Sitzenden zu verletzen, die, voller Ablehnung scheinbar, sie absichtlich zu ignorieren suchten und nicht einmal ihre Taschen beiseite nahmen. Einzig Jabos kurzer Blick, während er sich die verschwitzten Haare aus der Stirn strich, zeugte nicht von Widerstand.

Ihm sackte der Magen in die Hose, als sie sich setzte. Selbst der süßliche Schweißgeruch, hinter ihrem etwas zu strengen Parfüm, war angenehm. Ein Teil ihrer langen Haare legte sich ihm auf die Schulter.

„Entschuldigung!“, sagte sie, hinter ihren auf die Spange beißenden Zähnen, während sie sich die Haare zusammenflocht, ohne ihn dabei anzusehen. Er aber sagte nichts, blieb regungslos. Er wusste nicht, was dort gerade mit ihm geschah. Ihm wurde schwindelig. Wie schön sie war – auch wenn sie äußerlich nichts auszustrahlen schien. Sie schlug ihre Beine übereinander und legte den Kopf zur Seite. Jabo sah, wie dreckig seine Fingernägel waren und kratze sich nervös am Knie.

Er dachte nur noch an sie. Die Schenkel der beiden berührten sich in den Kurven, ihre Oberarme manchmal auch. Sie derweil schlief beinahe ein. Immerzu sackte ihr Kinn zur Brust, dann wieder schrak sie auf. Auch sie, wenn auch unbewusst, spürte Jabos Nähe, die ihr nicht unangenehm war, nur unerwartet und daher fremd. Sie rückte ein Stück zur Seite, dann schlief sie ein. Er aber litt und war glücklich zugleich. Die sonstige Leere in seinem Leben schien ihm plötzlich unerträglich. Doch hatte sich in ihm die Sehnsucht, ein Wunsch entfacht. Jabo schaute zu ihr und sah, wie ihre Wimpern zuckten. Vorbei an ihrer Nasenspitze, weil er sich schämte, sie zu lange zu beobachten, entgegnete ihm sein Spiegelbild, in der großen Scheibe gegenüber. Er sah verändert aus. Erneut der Blick zu ihr, doch fühlte er sich noch immer hässlich. Resigniert sank er in sich zusammen. Dieser Moment … wenn sie doch nur bleiben würde … bei ihm … für immer. Er träumte davon, einfach ihre Hand zu nehmen. Schon war er fast so weit, es auch zu tun. Der Bus aber stoppte abrupt. Der Fahrer fluchte und hupte. Kurz öffnete sie die Augen. Schon schlief sie wieder ein und lehnte sich dabei mit ihrem Kopf an seine Schulter. Glückseligkeit. Wie unendlich waren die Sekunden. Plötzlich griff sie nach seiner Hand, während ihm eine Träne über die Wange lief.

„Ich weiß nicht, warum – und wie. Aber ich kann hören, was du denkst“, sagte sie. „ … Ich weiß genau, wie du dich fühlst“.

Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange; erwischte dabei eine Träne. So dass der spröde Riss auf ihrer Unterlippe ein punktiertes Kribbeln dort hinterließ – und darum auch Jabos Zunge wieder und wieder an jene Stelle zurück glitt – wie aus Angst sie zu verlieren.

„Komm!“, sagte sie und sie stiegen aus. Es regnete. Sie aber lächelte. Gemeinsam, Hand in Hand, zogen sie entlang der langen, leeren Straße.

In diesem Moment ertönte ein schrilles Geräusch. Jabo erwachte. Gerade schoben sich die Bustüren zusammen. Er sah nur noch eine Silhouette, denn im Bus war es zu hell und draußen stockfinster.


BILD BY: CHRISTOPHER BALASSA

Rendezvous mit Mrs. Winehouse

Das Diva-Dilemmata

Sie war unschlagbar an der Bar und besinnungslos betrunken. Wie ich auch, als sie mir nah und näher kam, mit ihrem wild, weich-nassen Whisky-Lippenpaar. Doch ich rülpste – aus Versehen. Tiefzüglich rauchte ich noch gegen die enorme Übelkeit an, als sie verschwand.

Doch mit jazz-lässiger Geschmeidigkeit kam sie zurück und stürzte sich in meine Arme. Ihr Liebesschlund sog voller Leidenschaft den Qualm aus meinem Mund. Ich blickte ihr verschwommen in die Stecknadelpupillen und bot ihr eine meiner LSD-Pappen an.

„Bist du die ganze Zeit schon drauf?“, fragte sie darauf.
„… Ja, schon …“, nickte ich.
„Zum Glück“, stieß sie erleichtert hervor. Dann steckte sie mir einen weißen Bömmel in die Brusttasche, der so groß wie eine Murmel war. Sofort lief ich los und hackte mir eine Klodeckeldiagonale auf. Mehrfach schrie ich im Männerpissoir vor Schleimhautschmerz und übertriebener Begierde –Sehnsucht auch.
Danach – ließ uns nicht alleine nur die Liebe strahlen.

 

Rauschschmeißer

Woher auch immer, hatte sie sich Kautabak besorgt. Sie schmiss mir ein braunes Lächeln zu. Was sie aber kaute, war eine Camel-Zigarette – ohne Filter.

Wir torkelten danach in den Übergang (Nacht/Tag) hinaus. Denn die Bar hielt uns, und so auch wir sie, nicht länger aus. Hand in Hand – Richtung Highend-Zustand.
Sonnensaufgang.

Wir sahen goldenes Licht sich auf den hohen Häusern winden. Ich fühlte Schönheit. Alles um uns war im Fluss – und wir ein etwas wrackwackelige Kanu-Duo.
Ich nahm sie auf dem Fahrrad mit. Zunächst schlenkerstark, bis eine Art Trance eintrat. Ich spürte ihre Hand, die mir unters T-Shirt glitt. Hin und wieder sah ich in den Schaufenstern, wie ihr pechschwarzes Raabenhaar im Fahrtwind wehte. Das Leben zeigte seinen Happy-End-Charakter.

Sie von hinten schrie: „Fahr uns in die nächste Bar!“

 

Bar-Titania

Als alter Wahn-Veteran kannte ich natürlich, – selbstverständlich, hier und da das ein oder andere niemals versiegende Stammlokal für Speedfreaks und Gespenster. Hier erkannten sie mich – klar. Sie aber begrüßte man mit Küsschen.

Ihr Spermafängerpiercing glitzerte genauso wie ihr verschwitzter Teint, während sie gegen vier Hooligans ansang und sie danach auf aller kritischste Weise zu beleidigen begann, dass selbst ich mich schämte – ja ich, der Mann der Porno-Gravur und -Belletristik, das Unterschichten-Ass, ich, der Mr.-ich-schieß-nur-mit-stinkenden-Platzpatronen-Pazifist und so barbara-Diktator – hätte jetzt auch lieber Minigolf gespielt.

Denn sie schlug direkt als erste zu.

Und als einer der titanengroßen Glatzen-Gringos auf mich zukam, erklärte ich ihm schreckernüchtert sachlich, dass ich mich nicht mit ihm prügeln könne. Er sah grübelnd aus und kratzte sich. „Warum?“, fragte er und hob die Faust.

„Weil ich Tänzer bin …“, sagte ich „ … Ballet.“
Er zögerte tatsächlich. Und ich führte ihm ein paar frei erfundene Choreographien vor.
Bald saßen wir wieder alle ganz versöhnt und aufgereiht auf Hockern beieinander. Jeder redete sich in seinen Monolog hinein.
Ein Imperium der Wölfe.
Und Kokain – der Ego-Imperator.

 

Aus der Ich-Perspektive eines Statisten

Erst sagte sie, sie liebe mich, dann schmiss sie mit der Bierflasche nach mir. Mir wurde plötzlich klar, dass irgendwann ein Abschied unumgänglich war – der bereits bei der Begrüßung begann. So wie mit allem.

Ich sackte am Tresen zusammen, sah mein Bier an. Es wurde schal. Müde Tränen rannen mir über die Wangen.

Allmählich wünschte ich mir sogar ein wenig meiner Nüchternheit zurück. Weil sie jetzt keine Lust mehr hatte, jedes Mal aufs Klo zu rennen, steckte sie erst mir, dann sich einen dicken Bömmel-Klumpen in den Zinken. Die Wirkung kam verzögert und dementsprechend schlagartig. Ein Riss, der durch den Schädel zog.

 

Feuerleiter der Leidenschaft

Doch dann zog sie mich an sich und danach die ganze Vodkapulle an den Mund – wasserleicht wirkte bei ihr Schluck um Schluck. Nach einem zu übermütigen Versuch meinerseits, kotzte ich ihr ins Dekolletee. Es war wirklich nur ein bisschen. Doch sie mutierte zu einer tobsuchtswütenden Märtyrer-Bienenkönigin. Sie prügelte drauf los. Mein Schädel schlug am Tresen auf. Ich in meiner stummen Not, dachte eigentlich, man sehe rot – nicht schwarz. Der Blackout jetzt.

Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich alleine vor und einsam. Mit neutraler Anteilnahme stellte mir der vernarbte Mann hinter der Bar ein Bier vor die gefühlte Waschmaschinensicht. Gierig nuckelte ich an der frischen Bitterkeit. Etwas Licht, gelb und tagesschwanger, drang durch die aufgeplatzte Folie an der Fensterscheibe. Doch ich hielt stoisch an meiner Noch-einen-letzten-Drink-Mentalität fest. Bis plötzlich warme Klänge durch die eiserne Stille drangen.

Sie war noch nicht gegangen. Die Jukebox aus dem Hinterhalt. Sie sang jetzt nur für mich „House of the rising sun“ und sah mich dabei an. Lediglich auf Strumpfhose, tanzte sie wie ein Wellengang auf hoher See dabei. Die Frau war endboss, man!

Ich bestellte uns Whisky-Cola, während sie mit „Purple Rain“ begann.

 

Das Sagro-Phargo Szenario

Wir waren die letzten Lichter der verwehten Nacht. Doch der Tag, bereits erwacht, war warm und kratzig. Ich küsste sie und schwitzte. Ohne Umwege kam es prompt zu spontanem Beischlafverfahren – im Gebüsch.

Ich kam nicht einmal dazu, ihn vorher rauszuziehen.
Wieder auf dem Fahrrad fuhren wir johlend durch Frühschichtstraßen. Neben spieß-steifem Groll sammelten wir auch unzählige Schmunzler ein. Die Sonne jetzt im Nacken, in Richtung Hafen unterwegs.
Sie wurde sofort ohnmächtig, als sie zu gierig an meinem Haschpfeifchen zog. Ich legte ihr meinen Pulli unter den Kopf. Danach sprang ich ins Wasser. Unendlich frische Freude. Doch ich kollabierte fast. Nur knapp rettete ich mich bis ans Ufer. Dann legte ich mich neben sie. Wir schliefen ineinandergekeilt ein.
Als ich mit akutem Sonnenbrand aus meiner Bierbewusstlosigkeit erwachte, war sie verschwunden.

FIN

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BILD by: Aina Pura Muela[.tumblr.com] 

A miserable kind of Creep

ich spüre den kalten windstoß. doch auch die hitze, die aus mir dringt. der raum ist voller menschen, die ich nicht kenne. und auch gar nicht erkennen kann. unmöglich, etwas im blick zu fassen, zu fokussieren. so, wie wenn das scharfstellen nicht funktioniert. alles entgleitet mir: gedanklich, visuell, akustisch. es wabert und zittert um mich herum. unsinnig, sich dagegen zu wehren — unmöglich sogar. ich kenne diesen zustand. nur weiß ich jetzt nicht mehr, woher er kommt. ich brauche zeit. nur ein bisschen zeit. ruhe — das ist alles. es war schon schlimmer. ganz sicher sogar. beruhig dich! bleib locker. alles easy. genau. das is´ es. durchatmen. das kribbeln im bauch. stillstand aber auch. alles blockiert. die unendlichkeit, sie schreit mir ins ohr. besoffene kunde. aber nur ein fremder. seine augen sind ganz ausgefranzt. was will er denn? er soll mit dem gequatsche aufhören. halt doch einfach die fresse, man! bitte, lass mich in ruh. aber die zunge gelähmt. warum nick ich denn? seine einsamkeit erdrückt mich. ich schau stur geradeaus. die zwei da drüben. sicher pärchen. länger schon. sieht man sofort. körpersprache. er am labern unentwegt. sie hört gar nicht hin. genervt. sie dreht sich von ihm weg. sie schaut zu mir. in die augen. aber nicht mich sieht sie. sondern ihre angst. ihren zustand. ihre zukunft. zweifel? jeder hat bedürfnisse. ich sauge ihre gedanken auf — ohne sie zu kennen. sie werden die meinen. komm zu mir baby. setz dich in mich rein. aber er, ihr stecher, er merkt ja gar nichts mehr. die pupillen — tiefe finsternis, geblichen weiß umkranzt. drogenresultat. kaum ein zwinkern mehr. tak tak tak. seine worte im endlos-takt. kein zusammenhang. das seh ich schon, wie sich seine lippen wellen. sprechgestank. schlickschaum, der sich ihm am mundrand sammelt. käsekruste. aber woher? woher bin ich denn gekommen? nach der arbeit in die bar. dann wird alles nur noch unklar. und klarer war auch da. zu viel von allem scheinbar. man müsste mal was machen. aber mir ist schwindelig. am glühen innerlich. impulse. wahrhaftige gefühle gibt es nicht. zwänge, leiden, erziehung. wildes ich. der ausschuss dann in träumen. was die doch alles können. ok, mein junge, irgendwann hört das auch wieder auf. so lang hier einfach sitzen bleiben. scheiße ich will rauchen. kann ich reden überhaupt? die anderen merken eh nix. tun sie nie. nur einbildung. keiner schaut in dich hinein. verborgen und stumm sind die gedanken. der typ neben mir plötzlich, hört auf zu lallen. sinkt in sich zusammen. er murmelt wortlos etwas vor sich hin — vom scheitern, scheint mir. er hält seine bierpulle so, als sei es sein leblos schlapper schwanz, den er da grad anschaut. ich muss hier weg. stoß mir den kopf. scheinbar dachboden — das hier. schritt auf schritt. wie auf wolken. langsam komm ich voran. ich — oder er mich, rempelt an. kein streit. nur entsetzen. beiderseits. der typ ist drauf. wie ich halt auch. aber von was anderem. man siehts. die poren weit geöffnet und die adern schlagen ihm die stirn entlang. japsend wie ein überfressenes dackelvieh. unter dem flaumigen bart die pickeschicht. ich mag ihn nicht. von anfang an. da wird er munter. auf einmal bier in meiner hand. wir stoßen an. ob ich nicht der und der sei. weiß ich nicht, sag ich. die dort vorne, die da lächelt. bekannt — vielleicht. irgendwie. wie wir uns jetzt vor uns sehen und stehen. sie schwankt. ich halt sie an. wie frech du bist. das stimmt. und du — besoffen halt. hab ich das laut gesagt? vorbei an ihr. ich setz mich in die küche. weil auch … ich kann nicht mehr. aufschlag now. 68 die euphorie vorbei. wenigstens ist hier die mucke gut. die crowd da oben tobt. und stampft. zu technoarsenal, das aus den boxen knallt. methodisch widerlich. ich spüre drang. das urinal aber besetzt. die schlange lang und redselig. und wir, ich schau — mindestens im sechsten. kein weg am stück — für mich. in diesem zustand jetzt. gefangenschaft. ich piss ins waschbecken und keiner merkts. wieder sitzen. besser ist´s.

Wenn wir Fleisch sind

Selbstauflösung ist ein schleichender Prozess. Der lebende Beweis — zu meiner Rechten. Der Typ. Ich schau ihn an. Voll das Gemüse. Abgekackt, aber total. Ich erkenn´ dich Bruder, keine Sorge. Aber heute keine Lust auf Schwermut. Blech-und-brechleierndes Gelaber. Lieber setzt ich mich zum Automaten; spiel `ne Runde. Die vielen bunten Licht und das bisschen Aussicht auf klein-wenig Glück; die einzige vielleicht…

Hoffnung.

Hoffnung.

Doch nicht.

Futsch!

Doch pfuschen ist menschlich — denk ich.

Wieder am Tresen, trink ich vom letzten Geld weiter fleißig flüssig-(en) Trost. Doch plötzlich zwei Schnaps vor mir. Und der Blick der Kellnerin. Ein Abendmahl. Ein Untergang. So viel Sehnsucht ohne Sinn, auf beiden Seiten. Sonst immer tut sie, als sei sie eiskalt und unnahbar. Die Steinfrau aus Eis-Beton. Und nun auf einmal dieser ganz zärtliche, fast wehmütige Gesichtsausdruck.

— bist ja voll das Kätzchen

sag ich.

Wir stoßen an. Doppelschnaps. Ekelhaft. Aber geht trotzdem. Und wird besser mit der Zeit — so, wie mit allem. Vielleicht auch nicht. Wahrscheinlich ist es lediglich meine Gleichgültigkeit. Stumpfsinn — und die ausbleibende Gegenwart; das Gegenteil der einzigen Chance.

Eben.

Hauptsache ist, sich auch mal ´n bisschen locker machen. Und siehe da, sitzt sie schon direkt neben mir.

— komm, wir rauchen erst ma´ eine … Schatz!

— wie manipulativ du bist, ekelhaft

sag ich.

Gefällt ihr gut. Auch wenn sie´s nicht gerne zeigt. So als müsste ich mir jetzt besonders viel Mühe geben — so auf die Art halt.

Aber wer bin ich denn — denk ich — mich zu echauffieren? Seelisch behindert sind wir doch alle irgendwie.

— sag ma´… stehst du eigentlich auf mich?

frag ich, sichtlich unerwartet.

Wir fallen einander in die Augen. Wer kann am längsten ohne wegzuschauen.

— krass! Aber ich muss trotzdem wieder an die Arbeit.  

sagt sie, schon im Gehen. Und fügt hinzu:

— und außerdem … warum sind´en deine Pupillen nun schon wieder so groß? Irgendwie trau ich dir nicht.

D´accord.

Vielleicht auch besser so.

 

so barbara  

— Im verkacken bin ich King —

Der Auflösungsvorgang

So ist´s annehmbar. Die Bar, ach ja. Als wären wir alle hier bereits, auf Hockern schon zur Welt gekommen. Ein Lebenslauf auf Bierdeckeln. Ich stolpre rein.

Und nicke an.

Meine latent angestaute Wut verwischt, verwächst zu Asche. Augenblicklich. Qualmblau steigt mein Atem auf.

Da stiefelt Ruben von Alberti rein — wie immer auf Sandalen. Kommt jeden Tag. Quatscht, als wäre er lediglich Gehirn. Fast ein lyrisch[-er Freistil-/Freestyle-Impro]-Proto-Proleten-Typ, doch fällt er immer wieder auf seine eigene Rhetorik rein, metaebene Metaphorik, die er selber nicht begreift.

— du schon wieder

sagt er zu mir, bereits zu nah.

— wasch dich lieber

sag ich.

Was bin ich denn(?) — Emotionsmüllkippe — frag ich mich. Und doch, dabei genau so liegengeblieben, wie all die anderen; ich weiß. Di-Ai-Wai. Ei-NO. Notwendig greift meine Hand nun zur Glasaußenwand. Schon fühl-ich-mich-unendlicher. Leichter.

— wer nich´ in´ne Bar geht, kann auch nicht ehrlich sein

sagt er.

— stimmt

besänftige ich ihn, bestätigend.

Er bietet mir sein Feuerzeug. Ich nehm´ mein eigenes. Will gar nicht wissen, was das über mich sagt. Die Wahrheit ist selten fair — aber ich, bin durch mit ihr. Kurz noch `nen Kurzen in den Magen stauen. Dann mach ich meine Runde. Geht auch schnell. Nur ein bisschen verloren, unter nahen Fremden und fremden Fremden, stiller Teilhaber, Latenz-Freunden sein. Und bleiben, bis ich los muss. Mehr will ich gar nicht.

Doch schon taumelt der Nächste auf mich zu. Und ich tu´ — nichts, das als Einladung durchginge. Doch er — er mit seinem Hundeblick. Sucht mich. Trümmer-Thorben. Und findet [mich; leider].

Jetzt Rauch im Auge. Verqualmte Sicht. Wie ein Wahlross stützt, und schwappt er sich auf den Tisch (drauf), ab. Und japst. Immer wieder blickt er auf zu mir. Dann wieder sinkt sein Schwabbelkinn gen Brustbein. Sein Kopf bewegt und dreht sich angestrengt, die Augen rollen scheinbar doppelt so schnell in ihrer Hohlraumhöhle mit; so als robbe er, mental, einem Gedanken, einem einzigen schlaggebenden, einmalig, endgültig erlösenden Wort[-Anfang] entgegen. Schau an! Der kann gar nicht(s) mehr.

Sein gegelt grau-weiß meliertes Haar, der Muschimund-Bart fein säuberlich gestutzt — und auch die beige Lederjacke betont nur seinen Milchkaffeecharakter. Er ringt, er kämpft mit sich. Sein eigenes Unvermögen wirkt selbst auf mich beschämend, Mitleid erregend und sogar irgendwie beleidigend.

Wie unfair von mir ihn nicht zu mögen. Vielleicht. Doch kein bisschen geh ich auf ihn ein. Meine Ignoranz sollte ihm eigentlich steinhart entgegen wehen. Will er mir doch, aus irgendeinem Grund nur seine Verbundenheit kundtun. Seine Prankenhand greift mir plötzlich in den Nacken. Besonders auf so was reagiere ich schlimm; allergisch und bleibe trotzdem stumm. Tatsächlich purzeln ihm nun süffige Verbalfetzen aus dem Gaumenraum. Worte kaum.

— verpiss dich!

sag ich, indem ich mich wortlos von ihm wegdrehe.

Und suche mir danach — NATÜRLICH, die aller dunkelste und einsamste Ecke im Lokal. Doch auch das nützt nichts.

Retorten-Robert „der Leberfleck“ — kommt auf mich zu stolziert. Mit breitem, überamasturbiertem Gang, und einem freifallendem Gesicht, so als hätte er seit Tagen nicht mehr geblinzelt. Der Wichser. Aber hier, zwischen Kippchen, Bier und Bob Dylan fühlt er sich daheim. Kann ich verstehen. Doch ausgerechnet mich musste er sich jetzt zu seinem Leidensteilhaber imaginieren.

Dafür rauch ich, als Entschädigung, immerhin nur noch aus seiner Schachtel, selbst wenn ich auch eigene hab. Rache- und Rauchausgleich. Ein Karma-Hinundher. Doch irgendwann zieht mich der Abgrund, seines Mundgeruchs, auch mit hinab. Liebe ist nur etwas für zwei Fremde. Wir kennen uns. Sorry. Fällt er vom Hocker, echt? — denk ich fragend. Und helf´ ihm nicht auf. Seine wehmütigen Laute, immer leiser. Bis sie verstummen und er endgültig einschläft — unterm Tisch, zwischen meinen Beinen, wie ein Hund. Ein Grund, und endlich auch einmal Gelegenheit, richtig allein zu sein.

Mit Rauch und Alkohol stopfe ich die Leere in mir aus. Vielleicht. Eiskalte Eitelkeit.

Der da drüben. Kommt jetzt auch. Mit grinsender Hacke im Gesicht. Na toll!

Ein wandelndes Charakterloch, das sich unentwegt, halbherzig hinter seiner billigen, gestellten, debilen Sozialkompatibilität versteckt. Und sich unablässig mit der Zunge über die kahle Stelle zwischen Bart und Lippe leckt. Die Amöbe schlägt zurück. Stück für Stück dringt er in meine Ich-Hygiene ein. Doch ich bin zu faul zum Schreien.

— du bist so unnötig

lediglich, nuschle ich.

Er aber schluckt schon Luft um rethorikal auszuholen. Wie ich ihn verachte. Typus: gescheitert, modern mit seiner zugleich staubtrockenen Beamtenlässigkeit — mit Ring im Ohr und chronischer Gehirnfraktur. Keine echte Barnatur. Nur Zwischensäufer. Atmung ohne Grund. Kommt lediglich ein Mal im Monat, wenn Zahltag ist. Durch drei Kinder alimentgefrustet, obwohl er eigentlich stockschwul ist. Und es sich nüchtern niemals eingesteht. Aber nach jedem Wochenende vom Kettenrosettenlecken kriegt er Herpes am Kinn. Geschickt kaschiert er die Leerstelle seiner Persönlichkeit durch großspuriges Geschwafel. Weder Sinn noch Stil darin — nur aufgesetzt. Und immer gehts um Muschis. Jetzt aber schlägt er mit geballter Banalität zu und will mir was von seinem Aquarium erzählen.

Ich asche ihm ins Bier und sag

— das war kein Versehen

— macht nichts

erwidert er und holt uns sogar zwei neue.

Generell eh — aber ihm vor Allem verweigere ich die überbewertet und gänzlich überflüssige floskelnde Geste des Anstoßens. Allmählich wird ihm der Arm lahm. Er zieht zurück. Peinlich berührt mich sein Versuch zu schmollen.

— wir glauben zu wissen, was andere denken — und sind dann beleidigt wegen unserer eigenen Gedanken

halt ich ihm genüsslich vor. Während er indes eine überforderte Grimassenmaske /Fluppe zieht.

Ich asche ihm erneut ins Bier …


BILD by: Christopher Balassa                

Die Schlickschaum-Trilogie…geht weiter, der 2. Teil KOMMT!! bald

DER AUTOR sitzt wieder an seiner SM/Maschine und schreibt/*tppt* sich die Wurstfinger blutig. Der Nachfolger von EP /www.erectionperfection.de/ ist also in der Mache.

Wenigstens wichst er jetzt wieder weniger, laut eigener Aussage.

Hier, zur Erinnerung. Feinste Pornobelletristik.

 

Die ganze Story, auch hier zu lesen etc.

https://engelschmidt.com/2015/12/06/end-hemd/

oder

via VIDEOS 

oder

http://www.ERECTIONPERFECTION.de

oder

via EP / youtube Channel