Rot-braune-Rotem


Immer wieder bekomme ich einen Ständer, wenn ich an sie denke. Schon als sie mich vom Rastplatz abholte, küsste sie mich sogleich und griff mir in den Schritt. Immerzu nannte sie mich ihren „schönen Fremden“. Nicht nur, dass sie hieß wie eine Wüstenblume, sie roch auch wie eine solche. Allein die Stelle hinter ihrem Ohr faszinierte mich so sehr, dass mir beinahe weißer Fortpflanzungssirup in den Schlüppi tropfte.

Ich saß noch immer auf dem Sofa und trank Milch, als sie sich direkt vor mir aufbaute und begann, sich langsam auszuziehen. Jede ihrer Bewegungen war wie ein Tanz. Da stand sie – nackt und wunderbar. Sie war meine Exodus-Anführerin aus geillosen Gefilden. Ihr Anblick verhieß mir ewiglich exotische Ekstase. Gemäß meiner Exzessbegabung waren alle meine Einwände haltlos und auch ich entledigte mich alsbald aller unserer gemischtrassigen, vereinigungsdurstentgegenstehenden, Sexualtransaktion behindernden Kleidungsstücke. Bereits jetzt schien es mir, als trage sie rings um sich unsichtbare, explosionsgenoppte Brustnippeltentakelarme, die jeder einzelnen Zelle meines Körpers einen elektrischen Schlag versetzten. Ihres Musenlappens andächtig geworden, überkam mich ein schier maßloser Wille zur Verausgabung. Denn zwischen ihren Beinen, da trug sie die fulminant-fluoreszierend-lusttriefendste Oase dieses Wirklichkeitsgrades. Ich spürte eine Begabung an mir wachsen, die ich direkt in ihr verpflanzte. Bei jedem erneuten Eindrangvergnügen, feucht und nass-heiß, wie das Fruchtfleisch einer mikrowellenerwärmten Melone, nickten mir ihre (mir meine) Milchfreunde zustimmend zu. Mein Glied war schiebsam(en) und ihre Inbrunst nicht liegezahm.

Ich wurde der Wahrhaftigkeit ihres Körpers aus allen Perspektiven — selbst kopfüber, wenn ich mich so recht entsinne — ansichtig. Das Koitusereignis vollzog sich im Nahbereich des Paradiesischen. Egal wie oder was, alles an ihr war mir nur der Beweis ihrer sexuellen Übermenschlichkeit. Meine feierliche, ritualbedingte Überreichung von Erbmaterial war nicht weniger als eine Reise in den Ur-Uterus.

Ein existenzvollendeter XXXL-Supergausamenerguss, ein rückwärtsgewandter, transzendentaler Orgasmus – zurück zu den Nerven, den Trieben, zu Gott und dem, was nach seinem Liebestropfen kommt. Der allmächtige Vater selbst gab mir einen Cumshot. Ich hatte Angst, dass das, was ich in sie reinschoss, vielleicht eine Gebärmutterprellung verursachen könnte. Bereitwillig nahm sie es in sich auf. Es machte ihre Augen glitzernd. Leider, wie sich herausstellte, war sie 2000 Jahre alt und ein Dämon. Ein zweites Zusammentreffen schien daher ausgeschlossen.

Ob sie wohl auch manchmal an mich denkt?


Ein Auszug aus: ERECTION PERFECTION

Mehr unter: http://erectionperfection.de/

Advertisements

[der] BAR-Titan

Fast jeden Abend ging ich in die wunderbare „1-Euro-Bar“, auch wenn es hier nicht ein einziges Getränk für 1€ gab.
Sabine, die Kellnerin, hoffte wie immer, mich abzufüllen. Und dann auf ihren überaus starken Armen nach Hause tragen zu können. Ich glaube, es war nur dieses eine Mal — ich selber konnte es kaum, nur aus schwammigen Sufffetzen, rekonstruieren, aber es genügte völlig, um zu wissen, dass ich keine weitere ihrer Pflaumenverköstigungen bedurfte. Daher erklärte ich ihr, dass ich Kopfweh habe und bestellte einen doppelten Tequila. Nach geraumen Suffergang fragte ich mich, wo wohl der Drei-Liter-Dieter sei. Pädo-Peter, für den eine 75Cent Tüte Lollis eine ganze Packung voller Spaß bedeutete, klärte mich schwer röchelnd auf. Bei Liter 3-n-halb sei der Dieter ausgerastet, habe sein Weizenglas am Tresen zerschlagen und es ihm, dem Peter, dann in den Hals gerammt. Das erklärte zumindest seinen dicken, wundtriefenden Verband. Meine letzten Zweifel eliminierte Wasser-Wolle, der zwar gut verdiente, aber sein Leben hasste und, warum auch immer, jeden Abend zum Wasser saufen und schweigen hierher kam, mir jetzt gegenüber saß und bestätigend nickte.

Um keine weiteren Fragen zu stellen und der Enge meines Hirns zu entkommen, bestellte ich mehr Tequila und noch ein paar Nüsschen dazu. Weil auch der Harnröhrenbrand mir immer wieder in die Gedanken kniff, suchte ich den Herrenwaschraum auf. Mein Spiegelbild sah aus wie Sülze ohne Remoulade. Ich tat, was ich in solchen Fällen immer tat, griff nach meinem Kamm und kämmte mir die Sorgen durch die Haare. Auf dem Weg zurück fragte ich mich, ob ich manchmal vielleicht nur deshalb aufs Klo gehe, weil ich hoffe, dass, wenn ich wieder komme, irgendetwas grundlegend anders geworden ist. Noch immer hatte ich nicht genügend Schnaps intus, um diese Theorie ganz abzudenken. Mein Stammplatz am Tresen war bereits besetzt. Da Ulle, auch nach seinem Unfall, selbst mit nur einem Arm, noch immer stärker war als ich, setzte ich mich zu dem arbeitslosen Trinkerpärchen an Tisch 1. Ganz ins Schweigen vertieft, hatten sich die beiden alternierend nichts zu sagen. Ein wenig beneidete ich sie, weil sie wie Salz und Pfeffer waren — grundverschieden, doch immer beieinander. Ihre vorwurfsvolle Wortabstinenz machte es mir jedoch schwer, hier weiter im Saufeinklang zu existieren. Anscheinend wurde ich zunehmend melancholisch, weil ich irgendwie an Liebe dachte und setzte mich notgedrungen neben ́s Klo. Mit bereits schweren Augenlidern scannte ich den Raum. Alles erschien mir albern und banal, aber bis zur Perfektion zugespitzt. Hier erwuchsen Klischees über Alkoholiker zur Wirklichkeit. Meine eigene Anwesenheit erachtete ich, durch genügend Ausreden unterfüttert, als unhinterfragbar gesetzt, schon weil ich teils ohne die Elternkomponente einer Mutter aufgewachsen und daher, fast ausschließlich, in Kneipen groß geworden bin. Welche Gründe auch immer die anderen jetzt hierher zu treiben schien — wir alle hielten suffgebetlich eine Einsamkeitsversammlung. Leider, wie es schien, war ich mein einziger Freund beim Alleinsein. Nur mit großer Not und immensem Aufwand, gelang es mir, den Vorsprung meiner Intelligenz wieder einzuholen. Da Alkohol schon das entscheidende Faktum meiner Zeugung war, führte ich diese scheinbar elementare Kette einfach fort. Zwei doppelte Tequila -— mittlerweile ließ ich auch schon die Zitronen weg. Am allerbesten ist man manchmal, wenn man am fertigsten ist. Am Tisch neben mir stapelte gerade Unraven-Robin, ein ecstasyverformter, redetalentierter Technoide, seine endlos fließenden Wortbrocken zu einem Turm der Nichtigkeiten aufeinander. Er sah bedeutend älter aus, als all die anderen hier. Es schien gar nicht allzu lange her zu sein, dass der massive Uppercut der Zeit ihn beinahe schon über Nacht hatte greisen lassen, so als hätte er sich bereits mitten in der Verwesung noch einmal halbherzig der Lieblichkeit des Seins besonnen. Offensichtlich wagte er einen unmöglichen Sprung in die Vergangenheit. Er war einer der hinterbliebenen Veterane seiner Drogen- und-Rave-Generation, mit bereits ausfallendem grauen Haar und Batikstirnband. Der Kollege zu seiner Rechten blieb schon rundenlang völlig regungslos. Er erinnerte mich an das ausgestopfte Frettchen hinter der Bar. Zurecht wohl nannten sie mich hier den Vor-Verurteiler.

Stavos Schusskundi setzte sich zu mir und entriss mich glücklicherweise meinem misanthropischen Gehirnkarussell. Was ein liebenswürdiger Haufen Mensch er doch war. Weil er behauptete von Kaufhauspuppen vergewaltigt worden zu sein, hatten sie ihm einen Jagdschein (inkl. Rente) ausgestellt. Er hatte immer viel Zeit und verkaufte mir seine Psychopharmaka. Die Weiber machte er sich immer während seiner Kurzaufenthalte in diversen Klapsen klar, und da mich der Penetrationsverlauf meiner Freunde schon immer interessiert hat, überließ ich ihm das Reden.

Durch den kleinen Spalt eines geöffneten Fensters verschaffte sich eine weiß-rot gestreifte Katze Einlass. Teils erfolgreich suchte sie den Boden nach übrig gebliebenen Essensresten ab. Anscheinend jedoch lag ihr eigentliches Hauptaugenmerk auf den unzähligen Bierpfützen, an denen sie sich einen ordentlichen Rausch besorgte. Schwankend, aber immer noch elegant, sprang sie auf den Tresen und räumte dort nacheinander alle Gläser ab — mit voller Absicht, ich konnte es in ihren aufblitzenden schadenfrohen Augen sehen. Weil alle schon so besoffen waren, erfolgten die Reaktionen nur zögerlich. Aufgeschreckt rannte sie jetzt durch die Bar, machte jedoch vor unsrem Tisch kurz halt. Mir war, als ob sie mir zuzwinkere und dabei lächele. Dieser Ausdruck — ich kannte ihn genau. Nicht nur ihr ganzes Wesen und die listige Partie um ihre Augen, sondern auch die Farbe ihres Fells — alles erinnerte mich an einen verstorbenen Saufkumpanen, der ebenfalls hier zechansässig war. Bei einer günstigen Gelegenheit verschwand sie blitzschnell durch die Eingangstür. Es bestand kein Zweifel … sie war die Reinkarnation vom Bollo Lupawsky, der vor einem Jahr zu lange ins Licht geblickt hatte (LKW). Scheinbar kommen sie alle zurück, auch wenn jeder nur alleine sein Ende finden kann. Wie beruhigend war es, ihn wieder unter uns zu wissen.

Jetzt wurde mir die ganze Situation ein wenig zu stavoslastig, welcher sich nicht ein einziges Mal hatte unterbrechen lassen. Ich verabschiedete mich mit einem Rülpser und ging zur Theke.
Neben mir knutschte gerade eine alte Frau mit solariumverbrannter Lederhaut und ausgeblichenem Blondschlampenhaar mit einem Typen rum, der auf keinen Fall älter als 19 hatte sein können. Erst später erkannte ich sie an ihrem Todesfäulnis übertünchenden Nutten-Parfum. Es war die Englischlehrerin Miss Stück, wegen der man unser kleines Etablissement mancherorts auch Absaug-Bar nannte. Die beiden waren vollends vertieft in ihre Zungenschlagekstase. Mir war ganz elendig. Dieses Mal bestellte ich mir nur einen einfachen Tequila — und ein Bier.

Erst als ich mir ein bisschen auf die Hose gekotzt hatte, erwachte ich aus meiner ein-Mann-geselligen Tresenlauschposition. Ein bisschen befummelte ich noch Miss Stücks Hintern, aber auch das war ohne Reiz. Alles war sinnlos bis zum Kern. Hörig ergab ich mich meinem Alkoholismus. Drei Tequila später machte alles wieder einen Sinn. Die Countrymusic stand meiner Seele in diesem Augenblick ganz ausgezeichnet.

„Wir sind wie Trucker … nur ohne Truck — und ohne Job.“ Wie oft schon hatte Armin mir in solch finstren Stunden beigestanden. Sein Geruch störte mich nicht.
„Was bleibt dann noch?“, fragte ich. „Das kann ich dir genau sagen: ́n ausgewachsener Bierdurst, ́n Bierbauch und ein gesunder Appetit auf Hack!“, sagte er. „Na ja — das Töten gehört zum Leben, wie das Atmen“, dabei schob er mir einen Schnaps vors Kinn. Weil er von Beruf Metzger war, war ich mir nicht ganz sicher, ob er damit Lebewesen oder Gehirnzellen meinte. Gemeinsam gaben wir uns dem Abgrund hin. Ich fragte mich ernsthaft, ob wohl gelebtes Glück = Leidenschaft ist.

Die Gespräche rings um uns wurden zunehmend lauter und zeugten nur noch vom vorherrschenden geistigen Bankrott. Alles erschien mir auf einmal fatal falsch. Es gab nur eine Lösung. Ich bestellte …

Vollkontaktkuscheln

Schon liegen wir in ihrem Bett. Ich schäle sie aus ihrer Kleidung raus. Das Event. Doch etwas zwischen uns, rau und trocken, wie Zement. Es klemmt. Was jetzt? Der nächste Schritt ist ohne Untergrund. Ich reibe meine Lippen noch immer an den ihren wund. Wie ein Abgrund reißen ihr jetzt die Pupillen auf. Der Höhepunkt. Die Hoch-Passion; so plötzlich verebbt. Irgendwie — ist die Sehnsucht leblos, schal, die ihr auf der Zunge steckt. Außer dem leicht säuerlichen Alkoholdunst, dringt noch etwas anderes, sehr unschönes, aus ihrem Mund.

— ich hab ́nen Freund, weißt du? Ich glaub das ist nicht gut für mich —

Ach(!), ders hier Der Klassiker.

Ich hab ́s kommen sehn.
Ich stehe auf, zieh mich an. Mein Blick ihr abgewandt, dringt durch das Fenster, dorthin wo es sonnig auf den Dächer scheint. Doch hier, in ihrer Wohnung, wird es kalt. Und immerzu kälter nur.

— ach, und jetzt gehst du?!
fragt sie das ernsthaft(?); und so vorwurfsvoll.
Ich besinne mich. Sanft reißt mir die Hutschnur durch.

— was bin ich denn?
frag ich, rein rhetorisch. Denn: Fick dich! — denke ich bereits, in Wirklichkeit.

— ́ne scheiß LEIDENSCHAFTSTANKSTELLE, hm?

Keine Antwort darauf.

Darauf der Abgang.

Bye, bye.

 

#so barbara


Bild by: Christopher Balassa

Der Hurensohn

Emotionslos versickerte der Höhepunkt in ihrem Mund. Wir badeten danach und aßen; kaum ein Wort währenddessen. Ich fühlte mich weder schlecht, noch besser. Alle Emotionen schienen im Rausch verebbt. Meine leere Ecstasyeinstellung allein — nötigte mich geradezu — dazu zu Recht wohl fand ich mich, wieder draußen — allein. Der Winterhimmel stand offen und die Luft war klar. Die Straßen leer. Ich konnte meinen Atem sehen. Die Nacht war bitterkalt und wurde vom blauen Blut des Mondes mit Licht durchströmt. Mein Schatten, den er mir vorweg warf, wirkte missmutig und krumm. Auf dem Weg zum nächsten Keller — Samstag sein. Alle behielten ihre Jacken an. Ein paar Heizstrahler hier und da. Warum war ich überhaupt gekommen? Die anderen, lediglich ich selber nicht — schienen mir erbärmlich. Ein Gedanke, den man direkt bereut, sobald er ausgesprochen ist. Ich setzte mich. Meine Nerven waren zugespitzt. Heut war mir nicht nach Drahtseilakt. Hinter mir ging es um: nackte Aussicht — oder nicht. Carlo hieß er, ich kannte ihn. Er war durchaus geschickt und flirtversiert, nur in seinem Versuch zu ambitioniert. Ich drehte mich um — und sah, dass sie es wert war. Schöne, weiße, glatte Haut und braunes Harr, etwas kindlich, wie sie das Pony über rechtem Lid trug, das sie fortblies hin und wieder. Ihr Körper, der — wow, gottgewollt enorm — und überaus sympathisch war. Weiterhin gut dabei, fragte Carlo sie nach ihrem Namen. — warte, ich hab noch was im Mund (sie schluckte) … Alexia Eigentlich nur für mich sagte ich: — aha! Ah-leck-sie-ja … hahah — ALTER sagte er. Was kann ich dafür. So schnell wie ich kann sonst halt keiner sein. Lucky Luke. Unlucky Me. — und laber´ mich jetzt bloß nich´ voll sagte ich, rein präventiv. Und überließ sie sich einander. Bis sie plötzlich neben mir im Sessel saß. Scheinbar unbeteiligt, doch gewollt nah. Sie lächelte. Ich nicht. Gesprächsneutral wie ich war, konnte mir die Konversationsflaute nur recht sein. Zumindest kamen wir klar. — aber du nimmst kein Droge, oder? — wenn du schon so ehrlich fragst … nein log ich. Sie erzählte. Irgendwas, auch von ihrer Beziehung. Alles leerte sich, während der Keller zunehmend auskühlte. Sie, ganz schmiegsam auf einmal. Mein Vorschlag: — Bar! Sie: — klar Das Taxi auf sie — die Drinks ebenso. Worum geht´s denn schon im Leben, dachte ich, mit Arsch an Heizung, Schluck um Schluck wieder lebendig. Es wurde warm; sehr bald schnapsstark und danach verschwommen — hab nicht mehr allzu viel mitbekommen, muss ich gestehen. DAS WISSEN UM ETWAS. Was macht das schon? Und wie blass kann ein Gedanke vorkommen, bevor er verschwindet. Doch … … ich erinnere mich noch — an das Loch … in ihrer Hose. Und wie ich da erst hin gaffte und dann rein griff. Weiche Haut, wie Porzellan. Ihre Gänsehaut hielt an; Kippe-Schnaps, Kippe-Schnaps dito. Ebenso. Plötzlich sah alles ausgekocht und farblos aus. Mir schwindelte. Ich kotzte fast. Eine weitere Frau, jetzt neben mir. Woher? Ich, in der Mitte, hatte nichts zu melden und blieb stumm. Die beiden klüngelten, um mich herum — an mir vorbei. Wohl so´n Lesbending, dachte ich. — du bist gar nicht cool genug für sie sagte die, die ich nicht mal mehr erkennen konnte. Ja. Ganz sicher — Lesbe; vielleicht beide. Auch egal, wir tranken weiter. Sonst auch — bleibt nichts. Im Vollrausch deplatziert, beschloss ich loszuziehen. — warte kurz. Ich schlaf bei dir sagte sie — draußen dann: — die Alte war echt nervig. … und voll scharf auf dich Ah! — es war Alexia. Wir gerieten nah und aneinander. Beide nackt. Aber sie ließ mich nicht. Kein Freund in Sicht … und dennoch. Wie ein Octopus hing ich an ihr, und versuchte einen Eindrang — durch den Torschlund ihrer Vulva-Wunde, hinein zu ihrem feucht und süßsüffigen Innengrund, vor dem ihre Hand den grimmigen Türstehen mimte, der beharrlich konsequent blieb und meinen stahlhartadrigen pulsierenden blaublutdurchbluteten Aal-Adligen, den Einritt verwehrte. Öl­faktorisch klang ihr Trieb, und stachelte somit umso mehr nur, den meinigen — an. Es roch bereits rings um uns herum nach haarlos, pinkfeinen schöner Ritze — die ich hin und wieder, durchaus von ihr gewollt und absichtlich, zu sehen bekam. Die Situation war nicht gerade überragend. Bis sie mir dann doch vor die Fingerflinte kam, erst der Zeige-, dann der Mittelfinger drin war — sie sich triefend, winden, winselnd vor mir rekelte, wie ein aufgebrachtes Meer dessen Wellen überschwappten und sie sich bis zum Rand der Matratze auf dem Rücken robbte, bis wir auf dem Boden lagen. O-mein-Gott. Ihre genüsslich, wehleidigen nur schwer unterdrückbaren Stöhnarien, während mein Pistolen-Daumen ihrem Anus näher kam. Ich platzte fast. Sie richtete sich sogar auf alle Viere. Doch ließ sie noch immer nicht richtig ran. Ich gab es auf. Fast schon im Schlaf, sagt sie: — dein Schwanz ist schön. Ich würd´ ihn gern … — mach ruhig lallte ich. Der Tag endete mit Licht.


BILD BY: Christopher Balass

hacktisch

Der Himmel glibschig. Die Sonne fast vertagt. Aufgeheizt stehen die Autos beieinander. Was zunächst Drang war, wird Verlangen. Ich nehme Wegbier zu mir. Und ziehe durch die Straßen. Ohne Aussicht. Denn über mir und überall nur schwebende Balkone. Und alle leer, wie meine Zähne löchrig, von Innen, sind — und das, so sehr, auch immer mehr. Aber mein Gang wird Tanz. Ich denke nicht an nichts — hinein ins Nirgendwo; bin irgendwo. Da ist ein blinder Fleck in meinem Herzen, den ich leider selber sehen kann. Aber ich bleib´ dran. Und lege auf.

Hinter dem, wo alles war, kommt nur noch Meer.


BILD BY: Christopher Balassa

Winterhimmel ohne Lichter, auch keines in der Nachbarschaft

Still und dunkel war ́s in meinem Zimmer. Plötzlich die O-beinigen Schritte. Bevor die Tür aufsprang. Kleiner als ich. Und oft verbittert. Mit ergrautem Haar. War sein Blick stets klar und nüchtern, meist. Und manchmal auch bösartig verkniffen. Jetzt vor allem stechend [nur] auf mich gerichtet. Ich kaute blauem Qualm und blies ihn zischend zwischen meinen Zähnen aus. Berührte er mich doch so wenig. Als sei ich noch immer völlig allein im Zimmer.

— so geht DAS nicht!

sagte er. Wie wahr. Es war noch nie gegangen.

— ich rede mit dir, mein Freund?!

wieder er.

Alles fühlte sich plötzlich so lächerlich unfair — und schwer zugleich an. Seine Silhouette vor dem grellen Flurlicht wirkte nur noch absurderer, je länger er schwieg. Ich ließ die Zigarette fallen und trat sie barfuß ohne Schmerzen auf dem billigen Laminat aus.

— das bin ich ganz sicher nicht,

sagte ich. Er kam einen Schritt näher. Ich war bereit; bereits verzweifelt und auf alles gefasst — sowieso, sah ihn an. Unser Kater kam und schlich ihm um die Beine; schnurrte.

— verpiss dich einfach!

sagte ich. Wie sehr es in ihm brodelte, und Kraft kostete, sich zusammenzureißen, sah ich, wusste ich längst. Aber das war noch mehr. Ein

Punkt, ein gewisser, an den wir gemeinsam noch nie angelangt warem; bishwer — das schrie ich weiter:

— hau ab, endlich!

Sein Blick; schier fassungslos, tat er noch einen Schritt näher auf mich zu. Noch einen, und noch einen…

Er hob den Arm an. Gerichtet, richtend, nur auf mich allein, [war] sein jähzornig, stechender Blick und die Karate-Schlagkante seiner Hand.

— na komm schon! Mach-es-einfach!

sagte ich, und bemerkte nicht sogleich, wie mir dabei die Tränen über die Wangen rann.

Der wütende Glanz auf seiner fassungslosen Stirn wucherte zu Schweiß an. Wässrig bissen seine Lippen, sich aufeinander, hatten niemanden sonst, im Kampf mit sich selber. Doch lief ihm etwas, irgendetwas, was auch immer es jetzt war,  so roh und  plötzlich — wie ein Riss. Der über sein Gesicht hinweg zog, kurz bevor er seinen Arm nun wieder sinken ließ. Und danach ging. Ich hätte schwören können — etwas hätte gerade passieren, knallen müssen, wie ein Peitschenschlag. Doch nichts; fast Stille.

Schon mitten im Türrahmen wieder jedoch drehte er sich noch einmal um. So langsam wie ich noch niemals jemanden hab sich wenden sehen, blieb er darauf dort stehen. Kurz verharrte er zunächst. Stumm. Dann:

— ich schäme mich für dich. Nur, damit du bescheid weißt!

Zwei in einem leeren Haus. Ohne je daheim zu sein.


BILD BY: Christopher Balassa

Lichtgeräusch

Ich spürte den kratzigen Teppich an meiner Wange und die über die zu kurze Nacht mit eingeatmeten Flusen auf meinen Zähnen, während sie sich über mir die Butter hin und her reichten, als wenn nichts wär ́. Umständlich krabbelte ich unterm Tisch hervor. Vollends verwahrlost, durcheinander und durchweg benommen; schien ich nicht nur, noch immer ziemlich besoffen zu sein — sondern musste mir selber wie ein Monstrum vorkommen. Alle lächelten mich aus, wie ich mich zu ihnen setzte. An den Frühstückstisch. Mein Teller blieb, appetitlos, leer. Statt zu essen, biss ich mir im Stillen, vor lauter Schamqual immer wieder auf die Zunge. Dazu lauwarmer Kaffee. Blutleer und zerrissen, zerrieselte ich hier zwischen ihnen. Im Gegensatz zu mir wirkte sogar der weiße Teller wie ein fanatischer Solarium-Monatsabonnent.

Von der Stimmung her, sehrsehr unangenehm, — wurde es draußen zugleich zunehmend schöner. Ach, wie schön.
Ich aber schluckte, schluckte immer wieder gegen den bereits entzündeten Trauerklops in meinem Halse an. Bereits Melancholie infiziert, blieb auch der Anteil meiner Nüchternheit weiterhin gering.

— du solltest duschen gehen!
sagte die Frau mit kuchen-rundem Gesicht und dem knaben-kurzen, braunen Haar. Die ich, halb im Scherz, und halb im Ernst manchmal: „Mum“ nannte.

Ein elendiger Endzustand — während ich jetzt nackt auf den kalten Fliesen im Badezimmer stand. Doch mein Bauchnabel blieb nicht das einzige Loch in meinem Magen. Oder in mir. Ich kotzte in die Wanne und fummelte danach, die noch immer erstaunlich unverdauten Stückchen Dönerfleisch aus dem Abfluss.

Fürchterlich vertraut wendete ich mir selbst den Rücken vor dem Spiegel zu und stieg danach unter die Dusche. Bald gelangweilt von dem fast schmerzhaft ausbleibenden Höhepunkt meiner erfolglosen Masturbation, unter dem heiß-kalt alternierenden Wasserfallstrahl, gelang es mir letztendlich irgendwann doch, nahezu unter Qualen, mir den sicherlich promillestarken Schubberkleks aus der halbschlaffen Fleischtube zu schütteln — ohne dabei ohnmächtig zu werden. Was für ein Glück ich doch hab.

Anlaässlich der Konfirmation, der kleinsten Schwester meines besten Freundes, zog auch ich mir im Anschluss einen Anzug an.

Auf dem Weg zur Kirche wurden die mir geltenden Blicke nun doch eindeutig vorwurfsstärker. Dezent bat man mich, etwas distanziert vom Rest der Familie, im oberen Teil der Kirche Platz zu nehmen. Im Schiffchen. Durchaus dankbar schlief ich direkt ein. Mein grenzkomatöser Zustand- innerer-Lähmung hielt weiterhin an.

Unter der mir unbemerkten gebliebenen Obhut Gottes, schlief ich wie ein Baby. Und schnarchte, hörbar für alle. In die Schweigeminute hinein, (wie ich später erfuhr).

Ich war also das Nichts im Ganzen. Und erwachte zwischen bereits leeren Reihen; zunächst froh; und dennoch enttäuscht zugleich. Niemand schien mich zu vermissen.

Ich schlenderte durch die kleine, leise Stadt, in der ich aufgewachsen war — die verwunschen, trist und verlassen und mittlerweile auch zunehmend heruntergekommen da stand, wie sie offenbar schon immer da stand. Nur angestrichener. Vieles war schief.Doch ich traf nichts und niemanden, den ich erkennen wollte.
Bis ich E.´s Elternhaus erreichte. Nur ihretwegen war ich gekommen. Stimmt! Früher manchmal, saßen wir hier, wie zwei Menschen; zwischen all der Stille. Und wenn sie wieder einmal nicht zur verabredeten Zeit erschienen war und unauffindbar blieb, für Tage, richtete ich knirschend meinen Blick in Richtung ihres Fensters. So wie jetzt. Genau so…
Aus den aufgeplatzten Holz-Wunden der Fassade tröpfelte langsam der aller letzte Rest Blut-Lack (aus). Blassblau schien die Zeit zu verbrennen. Im Ganzen und im Stillen; nur für sich. Wie eine alte Katze. Die auf den Fliesen in der ungeheizten Küche stirbt. Kurios. Ich klingelte. Doch niemand öffnete.

Gegenüber, vor der ewigen: _ A N K S T E L L E

— trank ich mir zwei schnelle Bier und schwitzte durch die Augen. Die End-Täuschung der Rebellion. Die Vergangenheit war plötzlich nicht mehr, als eine zusätzlich, nervige Erinnerung an und in die Zukunft— schien mir. Wie auch immer…

… ich verabschiedete mich. Von was genau, weiß ich selbst heute nicht. Dann zog ich weiter und ging zum konfernalen Nachgelage.

Der große Saal fühlte sich schon direkt beim Eintreten fürchterlich unbequem an. Ich war einer der Letzten. Alle sahen mich an. Ich setzte mich auf meinen Platz — mein Name gestanzt in geschwungen, goldenen Lettern auf einem Tischkärtchen, stand ganz am Ende der U-Formation. Direkt bei den Kindern saß ich. Mittendrin wurde mir eins klar — dass meine Anwesenheit, seitens der Familie, lediglich noch einer gewissen höflichen Sentimentalität geschuldet, und ich lediglich geduldet worden war — bis jetzt, wo ich kein Teil mehr; von irgendwas hier war. So offiziell, dass selbst ich es mitbekam. Der Wein schmeckte nicht. Und der Platz neben mir — blieb leer. Wie mein Magen. Ich kotzte unter den Tisch. Und erwischte dabei ein kleines Kind, das dort gespielt hatte. Auch seine Tränen sah man vor lauter Kotze nicht.

so barbara


BILD BY: Christopher Balassa

In einer Reihe

Es war der schlimmste Tag, den ich je erlebt habe. Es regnete, Tropfen so dick, häufig, zahlreich und dicht. Mehr Wasser als Luft. Ein Bach, ein Wasserfall, diese Worte würden dem nicht gerecht. Unbeschreiblich. Mein Körper, meine Uniform, alles war nass und dass schon so lange, als wäre es nie anders gewesen. Der kalte Wind, der in immer heftigeren Etappen meine Hülle streifte. Ich zitterte, mein Körper war in ständiger Bewegung, dabei stand ich. Jeden Muskel spannte ich bis aufs Äußerste an, ich musste. Mein Blick war getrübt. Denn der Damm der Augenbrauen hielt dem Meer nicht mehr stand. Häufiges Blinzeln wäre mein Untergang gewesen. Der Ausbilder würde es merken, so wie er alles merkte, alles wusste. Wie durch eine Scheibe sah ich bald die nassen Perlen an meiner Netzhaut entlanglaufen. Ich war versteinert. Standhaft wie ein Baum, unbeugsam, dabei fühlte ich so wenig. Vor mir sah ich die kurzgeschorenen Nacken einiger Kameraden. Schier endlos liefen sie, in Reihe, rechts und links meines Blickes entlang. Der Kopf durfte nicht gewendet werden, es war streng verboten, weder nach oben, unten, rechts, links, jedes Nicken, jedes Zucken würde geahndet werden. Das war meine einzige Furcht. Etwas zu tun, das streng untersagt war. Die Strafe wäre mein Untergang, ich würde einfach zerbrechen, liegen bleiben, im selben Matsch, in dem ich immer mehr einsank, der meine schweren Stiefel nun immer mehr umschloss, ja regelrecht an ihnen empor kroch. Genau in diesem Schlamm würde ich dann versinken, eins mit ihm werden, man würde keinen Unterschied erkennen. Leichte Vergehen, so etwas gab es eigentlich gar nicht, Vergehen blieb immer Vergehen, also solche, die milder geahndet wurden und zwar nur weil der Ausbilder gerade in diesem Fall milde war, wurden mit Liegestützen bestraft, für alle. Die Liegestütze für Nachlässigkeiten der anderen waren schon lange unmöglich, dennoch machte man sie, auch wenn man nicht wusste wie. Aber das alles war nichts im Gegensatz zu den Liegestützen, die man selber verschuldet hatte. Die Qual war unerträglich, die Schmach, der Selbsthass, hier und jetzt – es würde mich zerstören, brechen, nach wenigen Sekunden würde ich zu Erde werden, noch mehr zu Dreck. Zwar hatte ich das Glück, eine derartige Last noch nicht auf meinen Schultern verspürt zu haben, aber ich würde dem nicht standhalten, nicht jetzt, in diesem Moment, und überhaupt. Wir standen in einer Reihe, auch wenn ich sie nicht sah, ich wusste sie waren da, rechts und links von mir. Dasselbe vor mir, dasselbe hinter mir, überall. Wir waren eins, noch viel mehr als das. Die schrillende Stimme des Ausbilders kam nun allmählich immer näher. Sie war jetzt das einzig vertraute in meinem Leben. Ich kannte sie viel besser als meine eigene. So merkwürdig es auch klingen mag, sie gab mir Kraft. Sie erweckte in mir Furcht, viel größer als alles, was ich mir je vorstellen könnte. Auf diese Stimme war alles eingestellt, mein Wesen, mein Leben, meine Aufmerksamkeit. Ohne sie war ich hilflos. Jede Faser meines Körpers durchdrang sie, alles begann sich zu fokussieren.

>>Ihr Unwürdigen! Nichts habt ihr, gar nichts. Ich allein bin alles. Ich bin eure Mutter, euer Gewissen, euer Gott. Aber — ich bin auch euer größter Feind. Dass ihr Taugenichtse es euch merkt. Zwei Sachen könnt ihr auf dieser Welt machen; kämpfen und überleben. Und ich — nur ich sage euch, was von beiden ihr zu tun oder zu lassen habt. Habt ihr das verstanden?!<<

Keiner aber sagte etwas.
>>Habt ihr verstanden!!!!<<
>>Jawohl!<< drang es nun von allen Seiten. Was war nur aus mir, aus uns allen, geworden?


BILD BY: Christopher Balassa

Unermesslich hässlich


 …ist die menschliche Seele — eines Schweins

9.30 Uhr:
Meine Mutter liegt im Koma. Seit einer Stunde schon hört mein Vater nicht mehr mit dem Flennen auf. Stumm kratze ich an der Tapete, bis mir der Nagel bricht.
Die Schwester sieht ungezwungen aus.
Eine tätowierte Flamme schlägt aus ihrer Bluse.
Mein gegelt gestellter Charme bleibt wirkungslos.
Ich frage sie nach guten Drogen. Doch sie lächelt nicht einmal.
Ich gehe.

10.38 Uhr:
Ich bin betrunken. Die Leute in der Kneipe mögen mich nicht. Beim Bezahlen gebe ich zu viel — und bekomme nichts wieder. Den Rest schmeiße ich in die Maschine.
Gewinn: 10.40 €
Ich sage, ich bin gleich zurück.
Und bedauere meine Lüge nicht.

10.46 Uhr:
Auf der Straße überreiche ich einem Penner die 10€ und verhandle das Nicht- Ableben meiner Mutter aus.
Er scheint nicht allzu allmächtig zu sein. Oder vielleicht weiß er, dass ich noch 40 Cent in meiner Tasche hab. Ich solle lieber zu Gitarren-Joschi gehen, schlägt er mir vor.

10.51 Uhr:
Im Kaufhaus stören mich die Spiegel.
Meine Einsamkeit sieht nüchtern aus. Ich klaue einen Schal, den meine Mutter niemals tragen wird.

11.32 Uhr:
Auf der Arbeit schauen sie mich komisch an. Niemand scheint mich mehr zu kennen. Ein großer Mann bringt mich zur Tür.
In der Straße machen mir die Menschen Angst. Ich verstecke mich in einem Garten. Hier mache ich den Kindern Angst. Aber der Vater lädt mich zum Grillen ein.
Eine Stunde später schlafe ich mit seiner Frau.

13.07 Uhr:
Im Altersheim wird renoviert und meine Oma ist gut drauf. Wie immer verwechselt sie mich. Ich halte ihre Hand und ihr Kopf ruht an meiner Brust. Manchmal weiß sie, wer ich bin.

Die Pflegerin behauptet das Gegenteil und schmeißt mich raus.

13.57 Uhr.
Noch einmal gehe ich ins Krankenhaus und suche mir ein freies Bett. Dort schlafe ich zum ersten Mal (richtig) aus.
Als ich erwache, ist mein Essen bereits kalt.
In den Gängen bin ich ein Fremder unter vielen. Ein dicker Arzt zieht mich zur Seite und sagte, es sei sehr ernst.
Draußen bemerke ich, dass ich meine Mutter gar nicht besucht hab.
Und es eh das falsche Krankenhaus war.

15.14 Uhr:
Mit den Toten zu reden ist gar nicht so leicht, bemerke ich, wie ich auf dem Friedhof steh. Mein Perfektionismus bringt mich hier nicht weiter — ganz im Gegenteil.
Eine alte schwule Dame versucht es mit einem Gespräch. Ihren Rendezvousvorschlag schlage ich aus, weil ihr Hund mir widerlich scheint. Ich halte es nicht länger aus. Irgendwie bin ich gut drauf und gehe aus.
Das Kino ist fast leer. Also kann ich onanieren.

18:54 Uhr
Weil die Kellnerin so störrisch ist, bekommt sie einen Klaps von mir. Endlich passiert mal was. Ich werde plötzlich ganz ruhig. Die Schläge tuen gut.
In der Notaufnahme erkenne ich die Schwester wieder. Aber — ihre Tätowierung ist verschwunden. Ich besteche den Arzt mit einem Kuss, um Morphium zu bekommen.

Später. Mein Vater ist schon gegangen. Dafür ist mein Bruder da. Er erzählt mir von seinem Leguan. Vielleicht ist er noch schwuler, als ich glaube. Meine Mutter weigert sich noch immer mir zuzuhören.

Ich verstehe sie. Alle in unserer Familie reden zu viel. Dass ich so viel nehme liegt nicht an ihr, versuche ich ihr zu beweisen. Sie weiß, dass ich marode bin.

20:30 Uhr
Die Bar riecht wie ein Stall.
Ich mochte Alkoholiker schon immer. Die verstehen ihr Geschäft.
Auch Gitarren-Joschi kann mir nicht helfen, weil er Uwe heißt — sagt er. Ich zweifele.

23:59 Uhr
Auf der anderen Straßenseite sehe ich meine Ex-Frau (mit ihrem neuen Ex). Nur ein Panzer konnte so lieben.
Mitten in der Kreuzung begegnet mir ein LKW.
Ich blicke ins Licht.
Er ist ein bisschen härter als ich — denke ich.
Meine Mutter sieht zu —
und erwacht.

∞:∞
Vielleicht warte ich hier auf sie.

A******* B******

Kaum war die Nacht erwacht, kam sie vorbei.
Wir betranken uns und rauchten, während die Balkontür offen stand, durch die die laue Sommernacht machmal den weit entfernten Aufschrei eines Güterwagons, bis zu uns, aufs Sofa trug, auf dem wir lächelnd saßen und uns ineinander sehnten. Denn hinter den dünnen Wände hörten wir die Nachbarn, wie sie schrieen, fickten und im Fernsehen lebten. Egal wie asozial es war — wenn sie da war, war es egal. Irgendwie ein Königreich, die paar Quadratmeter, ausreichend; gefüllt, geballt mit blauen Qualm. Das unantastbare Gefühl der Richtigkeit, obwohl wir beide müde waren, von der Arbeit und uns allmählich ausgewrungen, abgewürgt und monoton die Augen rieben und zugleich bleich im Spiegel wiedererschienen, umgeben, bedrängt und eingeengt von all der Armut, wie alle hier, und uns dennoch fanden. Die paar wertvollen, uns aus dem Alltag rausreißenden, rettenden Sekunden. Mehr war es nicht. Und (es) reichte (mir schon); wo mein Blick über ihren Nacken kroch. Und wie sie roch.
 Bis wir dann eindösten auf der Matratze, angezogen; ruhelos. Und mehr, kaum im Schlaf, legte ich manchmal sogar noch meinen Arm um sie.


Bild by: Nschotschi Haslinger