Für mich war sie — die Braut, die dich raushaut, selbst wenn du mal wieder zu lang in die Sonne geschaut hast 

   (Bild: Aina Pura Muela)

Und jetzt:

Ein Raum voller Menschen. Und dann ausgerechnet auch noch du darin. Ich seh´ zu, dass ich dich nicht allzu anseh´. OK. Versteh´. Ich denke, so haben wir uns das vorgestellt, damals, als wir nackt im Bett lagen — und lachten, über uns. Und dann fickten. Noch ein Mal. Und noch ein Mal … bis es vorbei war — irgendwann.

Dachte ich …

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Susej

Die Straßen bargen Ruhe in sich. Ausnahmsweise. Verschlossen, hinter erleuchteten Fenstern; das dort — galt nicht für mich, dachte ich. War auch so.

Die zwei Araber hinter der Falaffel-Theke sahen mich verstohlen, beinah schon mit grausamen Mitleid an. Zu unrecht, hoffte ich. Scheiß daruf! — dachte ich. Doch lachte nicht. Kam Heim, aß und hörte Pink Floyd. Irgendwann war es soweit. Bar.

Veto, hinterm Tresen, hob die Hand und grüßte. Ich setzte mich. Und staunte. Der Raum bewegte sich. Ich lächelte vorsichtig. Nur für mich. Ein Freund kam. Ein weiterer hinzu. Wir freuten uns. Tranken und sprachen. Lachten. Es war alles so einfach. Heilig. Ein Ort der Gelassenheit und Gnade. Jeder durfte her-kommen. Jesus käme auch. Warum auch nicht. Man weiß ja nie.

Pinke Weihnacht.

Youth Acid.

Vielleicht sind wir nur die Art, wie die Sterne sich selbst angucken

Es war Kolibris Geburtstag. Wir saßen ausgelassen und zunehmend besoffen beieinander. Dann kamen drei dazu, die nicht dazugehörten. Sie wirkten sichtlich überfordert, und hatten sich  dem Bar-Terrain offenbar nur aus Schaulust zugewandt. Ihre Ansicht, dass wir die Freaks seien — spiegelte sich ebenso umgekehrt in unserer Ansicht ihrer uns entgegneten Widerschaft wieder. Eine Wissenschaft für sich. Die Tresen-Metaphysik. Doch sämtliche Realitäten, in- und extern, sind in gläsernen Quanten abtrinkbar. Und wenn die Bar die Matrix wäre — dann wäre ich: ARAGORN.

Doch der Kolibri, und heute Boss, sagte:

— sorry, das is´ reserviert!

 Die drei schauten zugleich gelähmt und irgendwie entsetzt drein.

— dafür wirst du in der Hölle schmoren! Auf Ewig verdammt, bierdurstig, in einer Bar —  hilflos, von einem Hocker zum Nächsten ziehen … während es FÜR DICH immer nur die gleiche, eine Antwort geben wird: RE_SER_VIERT!

stachelte ich ihn ganz liebevoll an.

— homie, hat sich zwischen uns, zwischendurch, da was geändert, das ich nicht mitbekommen hab` — oder so?

— ja! Alles. Über Nacht,  

scherzte ich.

— du hast doch nicht mal gepennt, man

stieß er zurück. Und hatte mich, weil er Recht hatte. Haha, wir lachten.

Sittenfrei — zieh die Titten blank

What next?

„Die Willensfreiheit besteht darin, daß zukünftige Handlungen jetzt nicht gewusst werden können.“

— Wittgensetin  

(Tractatus  logico-philosophicus, § 5.1362)

Selbst wenn ich die Wahl hätte …

… würde ich ein Köter bleiben.tumblr_inline_nm1hn5NPXm1tr4o9b_500

Ich ziehe durch die Straßen. Voller Sehnsucht, die nicht schweigt. Freiheit und Lebendigkeit. Auch wenn der Hunger mich nun treibt. Es sind die Sternstunden — der Vergänglichkeit. Und der Schmutz, der mir den Glanz verleiht. Selbst hässlich bin ich ein schönes Kind, das im Rinnstein seine Lieder singt. Dem die Sonne winkt; der Wind mitnimmt. Den die Nacht aufnimmt und bettet.

An der Straßenecke stehen … und sehen:

Die anderen sind anders — und in Sicherheit. Ich bin bereit, aber ein anderer, seitdem ich weiß, dass das Leben nichts verspricht und nie versprochen hat. Und nichts preisgibt, außer dem, was ich mir nehme.

Die Steppenwolf-Metapher. Die Street-Dog-Mythology. Entfremdung, die in jedem Menschen einen Ton anstimmt, der einsam klingt und verlassen in uns nachhallt.

Deshalb jaule ich nachts einfach den Mond an.

Und ziehe weiter.

Seelenfleisch

Where is the real shit?-6

Ziemlich Braindead.

Fast Kotelett.

Nicht nur die wichs-gelbe Paste aus dem Tiefkühlschrank war aufgebraucht — sondern die Reserven meiner Nasenschleimhaut, wie Nerven ebenso. Dazu der Alkoholkonsum der letzten Wochen, der mich scheinbar saufgeweicht — sowie verkommen und mit einem Hang zur Sentimentalität zurückgelassen hatte.

 

The Speed-Age. “Mieser Misery”. Voll-frontal, doch schleichend: Unausweichbar.

Um-mich-herum: Bass-blasende Techno-Blasphemie. Boxenpropaganda. Dauertakt. Ausgeschmackt wie — lecker!Korn + Fanta.

Und ich war noch nicht ma´ richtig unterwegs — aber auf dem Weg dahin. Die Pille rinn. Dazu mein bedauerlicher, wie auch vergeblicher Versuch, das alles sitzend zu überstehen — was so konsistent und authentisch, an dieser Stelle, wie ein veganes Mettbrötchen war. Mir wurde zunehmend unausgeglichen zumute, wie ich sie alle im Gleichschritt stampfen sah:

Unkraut aus dem Bassrinnstein. Wie schön es doch gedeiht. WIR SIND DEM UNTERGANG GEWEIHT. Was hat uns entzweit?

Als ich noch ein Kind war gab es kein Bio — nur Gemüse.

end-Schicht

(Bild: nicht von ihr, aber auf ihrer Seite „principio de la humanity“ by Aina Puramuela)

N´ dicker Kopf.
— Der schlimme Schädel —
wie der Aufprall
auf Asphalt.
Schlaglöcher
fressen – mich – auf.
Nicht nur theoretisch —
Technostrich.
Da ist nur
kein “ich”
in mir.
Die blut-rot
unterlaufene
Trinkersonne
geht auf.
Über mir.
Und unter —
durch mich.
Das Problem:
ich kann nur noch
verschwommen seh´n.
Ein gewisser Teil
davon, ist
Rauch-im-Auge —
keine Tränen.
An der Wand steht
“bleib niemals stehen”.
Ich bleibe steh´n
um es zu lesen.
Da gibt´s nur kein
Versehen.
Sollt´ ich
mich schämen?

Schabenfreude

Direkt wie immer — mein: Imperium der Gelassenheit. Nach der Arbeit nach Hause kommen. Ich wagte noch immer, mich in Sicherheit zu wähnen. Und jetzt …

Gebt euch den. Und trinkt einen auf mich: Ihr Ernst?

Sie stand im Flur. Neben ihr die Koffer. MEINE Koffer. Und zwar gepackt. Ich hatte noch immer nicht geatmet, mich nicht gesammelt und nicht kloß-geschluckt — da begann sie schon zu flennen. Ihr Monolog hinterher war feinster, finsterster Kitsch.

Bämm!

Volle Breitseite. Uppercut. K.O. Ein Satz — ein ganz bestimmter, unter den unzähligen, hatte sich in meinem Gehörgang festgehakt.

— sag das nochmal, sagte ich.

Aber sie sagte nichts. Sie starrte nur. Ich starrte zurück. Mein Glück angeschissen, zerrissen, Stück um Stück. Was zuvor geschah?:

— mach dir keine Sorgen um mich. Du weißt — ich liebe das Leben,

ihr wortwörtlicher Wortlaut. Unmöglich. Ich stand zwar, lag aber wie erschossen in meiner Hülle. Glatter Blattschuss — mit SCHLAGERARSENAL! Als wäre das Leben ein scheiß Chanson. Willkommen auf der Beerdigung der Zurechnungsfähigkeit. Hier gibt´s nichts mehr zu lachen. Der totale Endabstieg — meiner scheinbar.

Nein! … ganz offenbar  Mal ganz davon abgesehen, dass das hier eigentlich mal meine Bude war, und die SIE mit zugezogen — vergessen wir auch all die Opfer, die ich für sie auf- und dargebracht hatte, wie: mit dem Rauchen aufzuhören, dem Fleischessen; dann sogar den Führerschein zu machen, einen Putzplan überhaupt anzuerkennen UND einzuhalten, die Poster abzuhängen, einen Plasmafernseher zu kaufen, mit dem morgendlichen Joggen anzufangen — dann noch meine immens geschmälerte Frequentierung der mir so essentiell geliebten Barbesuche, ja-fuck-man, ich fuhr mittlerweile sogar mit einem Sturzhelm Fahrrad (und schämte mich nicht-ma´ dafür) — und dann das mit dem ganzen Nippes, in der Bude, überall. Gardinen, ja sogar Gardinen. Was soll´s. Das Fitnesscenter-Pärchen-Jahresabo — egal. Die Yoga-Kurse … drauf geschissen. Der AIDA-Urlaub, was-soll´s. Wenigstens konnte ich den ganzen Tag besoffen sein. Ich wollte und konnte ihr auch nicht einmal übelnehmen — das ich mich hatte dressieren und abrichten lassen. Pussypeitsche.

Ich also stand noch immer da, in meinem Jack-Wolfskin-Annorak (die Pärchenversion, na klar) und schwitzte wie bekloppt. Was so sehr in mir brodelte und ich vielleicht hatte sagen wollen, endete lediglich in einem idiotenähnlich, offen stehenden Mund. Und sie? Sie zupfte das kleine Tischdeckchen auf dem Schuhschrank zurecht. Der ganze Moment dauerte schon zu lange an. Das Schweigen dröhnte fürchterlich durch den schmalen Flur. Ihr Gesicht sah aus, als sei es aus Wachs. Plötzlich hustete jemand im Wohnzimmer.

— das ist nicht-dein-ernst?!

sagte ich und schaute nach. Völlig gelassen saß der Typ da und trank MEIN Feierabendbierchen.

— wie steht´s?

fragte er.  Wieder zurück im Flur, sah ich vor Wut nur noch weiße Sternchen überall. Ich hätte beide verprügeln — und dann rausschmeißen sollen. Stattdessen nahm ich meinen so schön ordentlich gepackten Koffer — VERKACKT! — und ging einfach. Regungslos stand ich für ein paar Minuten noch immer im dunklen Treppenhaus. Bis es summte und unten jemand das Licht einschaltete. Der Pizzajunge — von MEINEM Lieblingslieferservice, kam mir entgegen und tat, als ob er mich nicht kenne. Ganz sicher war er für die beiden dort oben nur gekommen. Das nahm ich einfach an und fing an, mich über mich selber aufzuregen. Was für ein erbärmlicher Mottentanz das alles war. Ich tat das einzig richtige, das jetzt noch blieb — und lief in die nächstbeste Bar.

Wenigstens blieb mir die Scharbenfreude. Denn mit Sicherheit hatte sie ihm immer noch nicht gesagt, dass sie eigentlich mal ein Mann war.

Anti_Liegestütz

Direkt beim ersten Zungenkuss — in die Buxe gewichst. Shit. Zwei Tage später. Im Bett:

Braune Make-up-Schlicke in ihren Mundfalten. Abgewürgt. Verreckt. Nichts wie weg — war mein Gedanke. Und WOW! Jetzt halt dich fest. Ich stand ja auch gar nicht auf sie. Nicht so richtig, zumindest. Die Sache mit dem Begreifen — (du erinnerst dich). Woher soll man es auch vorherwissen? Und wie beschissen war´s jetzt, sich hier wieder rauszuwinden. Schicksals-Rodeo. #Selbstbetrug-no1# — den ich aus eigener Tasche zahlen sollte, musste, woher(?) — ich trug nur Boxershorts. Und umso länger ich sie jetzt ansah, desto weniger entsprach sie meinen Vorstellungen; scheinbar — so blieb mir nur noch dieser eine … merkwürdige Einfall. Ich lachte schon. Und sie fragte:

– was is´?

– … wie wär´s, … also, wie wär´s, wenn wir Stripverstecken spielen?

Sie schaute mich groß an. Und so auf die Schnelle fiel mir auf: der Ablauf war vage und zu ungenau — unklar, bis hierhin aber genial. So aber, und so auch weiter, tat ich einfach weiter fasziniert, fixiert auf meinen Einfall.

– pass auf! Du bleibst so wie du bist. Und versteckst dich hier … irgendwo. Im Haus … und ich … ich zieh mich wieder an … (Pause) … damit´s überhaupt losgehen kann. Und ich fang dann an zu zählen. Und für alle zehn Sekunden, die ich dich nicht finden kann, zieh ich ein Teil wieder aus … ?

Völlig unsinnig, klar — aber ich war schon so begeistert und bereits angezogen, dass ihr außer mitzumachen gar nichts übrig blieb. Also, sie zog los und die Tür hinter sich zu, während ich mich, in Sicherheit wähnend davon schlich. Kurz vor der Tür stand plötzlich ihre kleine Schwester vor mir.

– wo willst du hin? fragte sie.

– äh …

– ich weiß, was du vorhast!

– blödsinn! sagte ich.

Und ging — ich rannte. Denn mit der Schwester war auch der Vater unerwartet früh nach Haus gekommen, den ich jetzt, bis auf die Straße, schreien hörte. Meiner saß wie immer, wenn ich Heim kam in seinem Sessel und schaute erpicht Fernsehen …

listen to your bart

(Bild: shit fire)

so viele

leben

hab ich

schon

verloren

und jedes

mal

schau ich

wieder

in den morgen

als wüsste

ich

nicht

woher

er gekomm´

nur

die nacht

die ich

noch

halbwegs so

begreife

die aber

nicht

ausreicht

um alle

stellen

auszufüllen

und

sich leise

nur

über die

haut

legt

schicht um

schicht —

und mir

dann

auch noch

das

streichholz bricht

und

in meinem schoß

liegen bleibt

und weiter

brennt

und brennt

bis ich

nach hause

komme

schwarz und

leer

so sehr bis

der

tod …

ich meine

der tag

mich weckt

und ich hät…

hätt´ alles

sagen

alles

haben können —

nur nicht meer

davorn