Der Hurensohn

Emotionslos versickerte der Höhepunkt in ihrem Mund. Wir badeten danach und aßen; kaum ein Wort währenddessen. Ich fühlte mich weder schlecht, noch besser. Alle Emotionen schienen im Rausch verebbt. Meine leere Ecstasyeinstellung allein — nötigte mich geradezu — dazu zu Recht wohl fand ich mich, wieder draußen — allein. Der Winterhimmel stand offen und die Luft war klar. Die Straßen leer. Ich konnte meinen Atem sehen. Die Nacht war bitterkalt und wurde vom blauen Blut des Mondes mit Licht durchströmt. Mein Schatten, den er mir vorweg warf, wirkte missmutig und krumm. Auf dem Weg zum nächsten Keller — Samstag sein. Alle behielten ihre Jacken an. Ein paar Heizstrahler hier und da. Warum war ich überhaupt gekommen? Die anderen, lediglich ich selber nicht — schienen mir erbärmlich. Ein Gedanke, den man direkt bereut, sobald er ausgesprochen ist. Ich setzte mich. Meine Nerven waren zugespitzt. Heut war mir nicht nach Drahtseilakt. Hinter mir ging es um: nackte Aussicht — oder nicht. Carlo hieß er, ich kannte ihn. Er war durchaus geschickt und flirtversiert, nur in seinem Versuch zu ambitioniert. Ich drehte mich um — und sah, dass sie es wert war. Schöne, weiße, glatte Haut und braunes Harr, etwas kindlich, wie sie das Pony über rechtem Lid trug, das sie fortblies hin und wieder. Ihr Körper, der — wow, gottgewollt enorm — und überaus sympathisch war. Weiterhin gut dabei, fragte Carlo sie nach ihrem Namen. — warte, ich hab noch was im Mund (sie schluckte) … Alexia Eigentlich nur für mich sagte ich: — aha! Ah-leck-sie-ja … hahah — ALTER sagte er. Was kann ich dafür. So schnell wie ich kann sonst halt keiner sein. Lucky Luke. Unlucky Me. — und laber´ mich jetzt bloß nich´ voll sagte ich, rein präventiv. Und überließ sie sich einander. Bis sie plötzlich neben mir im Sessel saß. Scheinbar unbeteiligt, doch gewollt nah. Sie lächelte. Ich nicht. Gesprächsneutral wie ich war, konnte mir die Konversationsflaute nur recht sein. Zumindest kamen wir klar. — aber du nimmst kein Droge, oder? — wenn du schon so ehrlich fragst … nein log ich. Sie erzählte. Irgendwas, auch von ihrer Beziehung. Alles leerte sich, während der Keller zunehmend auskühlte. Sie, ganz schmiegsam auf einmal. Mein Vorschlag: — Bar! Sie: — klar Das Taxi auf sie — die Drinks ebenso. Worum geht´s denn schon im Leben, dachte ich, mit Arsch an Heizung, Schluck um Schluck wieder lebendig. Es wurde warm; sehr bald schnapsstark und danach verschwommen — hab nicht mehr allzu viel mitbekommen, muss ich gestehen. DAS WISSEN UM ETWAS. Was macht das schon? Und wie blass kann ein Gedanke vorkommen, bevor er verschwindet. Doch … … ich erinnere mich noch — an das Loch … in ihrer Hose. Und wie ich da erst hin gaffte und dann rein griff. Weiche Haut, wie Porzellan. Ihre Gänsehaut hielt an; Kippe-Schnaps, Kippe-Schnaps dito. Ebenso. Plötzlich sah alles ausgekocht und farblos aus. Mir schwindelte. Ich kotzte fast. Eine weitere Frau, jetzt neben mir. Woher? Ich, in der Mitte, hatte nichts zu melden und blieb stumm. Die beiden klüngelten, um mich herum — an mir vorbei. Wohl so´n Lesbending, dachte ich. — du bist gar nicht cool genug für sie sagte die, die ich nicht mal mehr erkennen konnte. Ja. Ganz sicher — Lesbe; vielleicht beide. Auch egal, wir tranken weiter. Sonst auch — bleibt nichts. Im Vollrausch deplatziert, beschloss ich loszuziehen. — warte kurz. Ich schlaf bei dir sagte sie — draußen dann: — die Alte war echt nervig. … und voll scharf auf dich Ah! — es war Alexia. Wir gerieten nah und aneinander. Beide nackt. Aber sie ließ mich nicht. Kein Freund in Sicht … und dennoch. Wie ein Octopus hing ich an ihr, und versuchte einen Eindrang — durch den Torschlund ihrer Vulva-Wunde, hinein zu ihrem feucht und süßsüffigen Innengrund, vor dem ihre Hand den grimmigen Türstehen mimte, der beharrlich konsequent blieb und meinen stahlhartadrigen pulsierenden blaublutdurchbluteten Aal-Adligen, den Einritt verwehrte. Öl­faktorisch klang ihr Trieb, und stachelte somit umso mehr nur, den meinigen — an. Es roch bereits rings um uns herum nach haarlos, pinkfeinen schöner Ritze — die ich hin und wieder, durchaus von ihr gewollt und absichtlich, zu sehen bekam. Die Situation war nicht gerade überragend. Bis sie mir dann doch vor die Fingerflinte kam, erst der Zeige-, dann der Mittelfinger drin war — sie sich triefend, winden, winselnd vor mir rekelte, wie ein aufgebrachtes Meer dessen Wellen überschwappten und sie sich bis zum Rand der Matratze auf dem Rücken robbte, bis wir auf dem Boden lagen. O-mein-Gott. Ihre genüsslich, wehleidigen nur schwer unterdrückbaren Stöhnarien, während mein Pistolen-Daumen ihrem Anus näher kam. Ich platzte fast. Sie richtete sich sogar auf alle Viere. Doch ließ sie noch immer nicht richtig ran. Ich gab es auf. Fast schon im Schlaf, sagt sie: — dein Schwanz ist schön. Ich würd´ ihn gern … — mach ruhig lallte ich. Der Tag endete mit Licht.


BILD BY: Christopher Balass

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In einer Reihe

Es war der schlimmste Tag, den ich je erlebt habe. Es regnete, Tropfen so dick, häufig, zahlreich und dicht. Mehr Wasser als Luft. Ein Bach, ein Wasserfall, diese Worte würden dem nicht gerecht. Unbeschreiblich. Mein Körper, meine Uniform, alles war nass und dass schon so lange, als wäre es nie anders gewesen. Der kalte Wind, der in immer heftigeren Etappen meine Hülle streifte. Ich zitterte, mein Körper war in ständiger Bewegung, dabei stand ich. Jeden Muskel spannte ich bis aufs Äußerste an, ich musste. Mein Blick war getrübt. Denn der Damm der Augenbrauen hielt dem Meer nicht mehr stand. Häufiges Blinzeln wäre mein Untergang gewesen. Der Ausbilder würde es merken, so wie er alles merkte, alles wusste. Wie durch eine Scheibe sah ich bald die nassen Perlen an meiner Netzhaut entlanglaufen. Ich war versteinert. Standhaft wie ein Baum, unbeugsam, dabei fühlte ich so wenig. Vor mir sah ich die kurzgeschorenen Nacken einiger Kameraden. Schier endlos liefen sie, in Reihe, rechts und links meines Blickes entlang. Der Kopf durfte nicht gewendet werden, es war streng verboten, weder nach oben, unten, rechts, links, jedes Nicken, jedes Zucken würde geahndet werden. Das war meine einzige Furcht. Etwas zu tun, das streng untersagt war. Die Strafe wäre mein Untergang, ich würde einfach zerbrechen, liegen bleiben, im selben Matsch, in dem ich immer mehr einsank, der meine schweren Stiefel nun immer mehr umschloss, ja regelrecht an ihnen empor kroch. Genau in diesem Schlamm würde ich dann versinken, eins mit ihm werden, man würde keinen Unterschied erkennen. Leichte Vergehen, so etwas gab es eigentlich gar nicht, Vergehen blieb immer Vergehen, also solche, die milder geahndet wurden und zwar nur weil der Ausbilder gerade in diesem Fall milde war, wurden mit Liegestützen bestraft, für alle. Die Liegestütze für Nachlässigkeiten der anderen waren schon lange unmöglich, dennoch machte man sie, auch wenn man nicht wusste wie. Aber das alles war nichts im Gegensatz zu den Liegestützen, die man selber verschuldet hatte. Die Qual war unerträglich, die Schmach, der Selbsthass, hier und jetzt – es würde mich zerstören, brechen, nach wenigen Sekunden würde ich zu Erde werden, noch mehr zu Dreck. Zwar hatte ich das Glück, eine derartige Last noch nicht auf meinen Schultern verspürt zu haben, aber ich würde dem nicht standhalten, nicht jetzt, in diesem Moment, und überhaupt. Wir standen in einer Reihe, auch wenn ich sie nicht sah, ich wusste sie waren da, rechts und links von mir. Dasselbe vor mir, dasselbe hinter mir, überall. Wir waren eins, noch viel mehr als das. Die schrillende Stimme des Ausbilders kam nun allmählich immer näher. Sie war jetzt das einzig vertraute in meinem Leben. Ich kannte sie viel besser als meine eigene. So merkwürdig es auch klingen mag, sie gab mir Kraft. Sie erweckte in mir Furcht, viel größer als alles, was ich mir je vorstellen könnte. Auf diese Stimme war alles eingestellt, mein Wesen, mein Leben, meine Aufmerksamkeit. Ohne sie war ich hilflos. Jede Faser meines Körpers durchdrang sie, alles begann sich zu fokussieren.

>>Ihr Unwürdigen! Nichts habt ihr, gar nichts. Ich allein bin alles. Ich bin eure Mutter, euer Gewissen, euer Gott. Aber — ich bin auch euer größter Feind. Dass ihr Taugenichtse es euch merkt. Zwei Sachen könnt ihr auf dieser Welt machen; kämpfen und überleben. Und ich — nur ich sage euch, was von beiden ihr zu tun oder zu lassen habt. Habt ihr das verstanden?!<<

Keiner aber sagte etwas.
>>Habt ihr verstanden!!!!<<
>>Jawohl!<< drang es nun von allen Seiten. Was war nur aus mir, aus uns allen, geworden?


BILD BY: Christopher Balassa

Raucherschwein

Ich rede nicht mit Frauen, die im Nichtraucherbereich sitzen.

So — und nicht anders sollte das sein. Scheiß drauf! Scheiß auf ihr vorwurfsvolles Husten. Die Guten erkennst du an der Glut und den vergilbten Fingerkuppen. Wenn jemand sagt: “Hier bitte nicht rauchen. Mach die Kippe aus!” — ja dann musst du ihnen ins Gesicht spucken. Rauchen ist keine — schlechte Angewohnheit — sondern schlichtweg Überzeugung. Ein Lifestyle. Solange du rauchst, weißt du, dass du am Leben bist. Und wer lässt sich das schon freiwillig nehmen?!

Einfach die Sorgen von der Leine lassen und sieh zu, wie der blaue Qualm in Richtung Decke schwebt. Eine Schwade der Erlösung und Gelassenheit. Wenn der Filter an den Lippen klebt, fühl ich mich besänftigt, wie ein Kind, das in der Wiege liegt. Lehn dich zurück. Life is good.

“IT´S JUST A RIDE ” — Bill Hicks bill-hicks-4

Warum (fast alle) alles immer so unglaublich ernst nehmen!? Warum nicht eine Initiative gründen — für mehr Rauchen und weniger Kriege. Ich wäre dabei. Einfach die aufoktroyierten und allmählich abgetragenen Feindbilder, der vermeintlich Gerechten, in ihr Gegenteil umkehren, um sie somit auszuhebeln. Die anti-militante Kopf-über-Tyrannei. Die Diktatur der Freiheit und Individualität. JA — die RAUCHERPARTEI. Ich wäre ihr erster Vorsitzender. Denn ich bin nicht mehr bereit, das Böse in der unschuldigen Schönheit zu suchen — sondern in denen zu entdecken, die sie uns stehlen wollen. Wie viele Menschen sterben jährlich an gebrochenem Herzen — oder Einsamkeit. Isolation und Fremdheit trennen uns voneinander. Nicht die Glasscheibe in der Bar. Oder der viel zu volle Aschenbecher, der zwischen uns steht. Wie immer haben wir die Wahl — uns an die Illusion der Unsterblichkeit zu ketten oder der ungeschminkten Realität ins Auge zu sehen. Das Leben sollte nicht im Abfluss der Angst versickern, sondern sich im Lichte der Gegebenheiten bräunen — und mit einem Lächeln zu Ende gehen.

FAKT: Die PR-Maschine der Bio-Industrie arbeitet auf dem selben Level und Niveau, wie die von Marlboro. Bist du oft enttäuscht, weil du zu fett bist oder hässlich — kein guter Mensch? Frag dich mal — warum. Woher das kommt. Die Bilder, die dich in Dauerfrequenz beschießen, deinen Geist und dein Gewissen einlullen wollen, wollen dir nur das Dogma einer Scheinwelt in die Seele streichen, wie Nutella aufs Brot. Sie würden dich auch “echte” Scheiße fressen lassen, wenn sie dürften. Alles um die Marge des Gewinnvolumens zu erhöhen und zu steigern. Wer raucht, weiß wenigstens was er tut und kennt die Konsequenzen. Wer Kaffee oder Schokolade kauft, muss auf Siegel bauen, denen sie verlernt haben zu misstrauen. Die Hörigkeit an die Glaubhaftigkeit gutmenschlicher Produktpaletten, schmeckt irgendwie nach Wahnsinn und Besessenheit. Kauf dir das Gewissen rein!

Ein Plädoyer gegen Pseudo-Gesundheitseiferei einer Gesellschaft, die krank ist bis ins Mark. Wenn wir der bereits absterbende Ast am Baum sind — gibts da nix mehr von Ratiopharm. Sagt hinterher nicht — ich hätte es euch nicht gesagt.

Manchmal hasse ich es sogar, immer recht zu haben.

Ich rauch mir erst mal eine.


Bild by: Cora Sprengel

Sittenfrei — zieh die Titten blank

What next?

„Die Willensfreiheit besteht darin, daß zukünftige Handlungen jetzt nicht gewusst werden können.“

— Wittgensetin  

(Tractatus  logico-philosophicus, § 5.1362)