Das Dasein eines Kellners

Stumm sitzt er auf der Bettkante und schaut an sich hinab. Er riecht noch einmal an seinem Zeigefinger: riecht sauer — riecht, wie zu lange offen gebliebener Wein, denkt er. Dann die Klospülung hinter ihm, sprüht bachspülend aus. Sein Blick geradeaus, an die fleckige weiße Wand.

„Das war nett“, sagt sie, während sie zurück aufs Bett krabbelt, „… gut mein ich“. Er spürt den leichten Druck ihrer feuchten Lippen auf seinem noch schweißnassen Nacken. Beinahe erschreckt er.

Sie dabei sagt: „Ich würde gerne wissen, was bei dir im Kopf abgeht, wenn du so dasitzt“

„Gar nichts … denk ich, wenn ich so, grad — wenn du ́s genau wissen … willst!?“, entgegnet er schwer.

„Ich würd ́ dich gerne mal malen. Genau so, wie du dreinschaust, wenn du dir unbeobachtet vorkommst“

„Warum?“

„Weiß nicht. Warum nicht?! Weil es noch intim-mehr wär‘ als — das hier“

„Du malst?“

Mit einem Satz sitzt sie aber bereits fast-breitbeinig … fast — und fasst dabei ihr rundes Gesäß muldend im ledernen Sessel ihm gegenüber ein.

„Eigentlich nicht“, sagt sie.

Er streift ihren Blick von sich ab; indem er sein Gesicht von ihr abwendet, und sie somit, bis zur Undeutlichkeit verschwommen an der äußersten Grenze seines Blickfeldes aussetzt. Sie raucht sich bequem; und langsam dazu. Träge dreht er sich ihr nun doch zu. Der Blick auf sie, sieht nur: schöne Beine, mit den etwas zu sperrigen Waden. Allmählich schleicht sich der Blick nach oben — stoppt aber. Im Schoß. Stöbert hinein. Wer könnte schon behaupten, kein Spanner zu sein. Und wer sich nicht hin und wieder wünschen, dabei auch erwischt zu werden.

Doch inzwischen kann er — in ihre Schenkel hineinsehen. Und auch sie, sie scannt ihn, obwohl es so aussieht, als schaue sie lediglich einem fixen, feigen, ausreitenden Gedanken nach. Mit offenem Mund, aus dem langsam geballt der Rauch aufsteigt. Sie lächelt.

Nervös benesselt er darauf die Matratze, zerrt am Zipfel der dünnen Decke.

„Was ist los?“ fragt sie.

„Ich weiß nicht“

„Hm“

„Kann ich auch eine — bitte?“

„Du rauchst?“, entgegnet sie — so langgezogen, dass ihm davon elendig wird. Schnippisch zischt er: „Gib einfach eine!“

Ihre Schmoll-Lippen tun ihm beinah weh.
Qualvolles Zögern, dann erst reicht sie ihm die Zigarettenschachtel. Ohne ihn auch nur einen „Augenblick“ aus genau eben jenem zu entlassen.
Es folgt der Hustenanfall, der sein Gesicht so lächerlich entstellt. Sie prustet unfreiwillig ein Kichern heraus.

„Ich weiß, ich bin albern, manchmal“, sagt er verstummend hustend, und zustimmend gleichzeitig.
Fürchterliches Schweigen folgt; dennoch.

„Ich find ́s süß, wenn du dich so jung aufführst“

Noch mehr peinliche Pause. Wieder widerlich. So etwas beherrscht alles.

„Was soll das heißen?“, fragt er.

Sein kalter Blick zielt auf ihre äußere Hülle, trifft aber direkt hinein. Dort jedoch, wo seine Stimme sich anpirscht und beständig versucht hineinzubohren — regt sich äußerlich nichts. Gar nichts.

„Ich wollte ja nur … es tut mir leid. War nicht so gemeint, aber…“, sagt sie.

„Weißt du…?“

„Was!?“

„Alles, was vor einem aber kommt — ist reine Lüge. Ich brauch was zum reinaschen“, sagt er.

Hastig drückt er jetzt die nicht einmal halb-gerauchte Zigarette aus.

„Du gehst?“, stellt sie die enttäuschte Frage, die mehr wie eine Feststellung klingt.

„Meine Frau, weißt du“.

„Mh-hm“

Er flüchtet vor ihrem Schweigen. Legt beim Rausgehen noch ein paar zer- knüllte Scheine in die blaue IKEA Glasschale, neben der Tür.

Tief atmet er die kühle Luft ein; draußen — und seufzt sie langsam wieder hinaus. Erst nach ein paar Schritten bemerkt er, wie orientierungslos er doch ist. Die Straße fremd. Die ganze Gegend.

„Du blödes Arschloch!“

Er blickt hinauf.

„Dafür hältst du mich. Du-blöder-alter-Wichser!“

Es rieselt wertvolles, buntes Papier vom Balkon. Landet und verweht allmählich.

Bevor er sich wieder aus seinem Versteck im Gestrüpp hervortraut, vergehen bestimmt zehn Minuten. Jedes Bücken beim Aufsammeln der weit verstreut herumfliegenden bunten Fetzen, schmerzt nicht nur im Rücken.


Bild by: Christopher Balassa

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Nie, wo Niveau war

Quasi grad mal erst auseinander raus; verschwitztglitschig — nachnackt, noch im Nachrausch, bewahren er (R.) und sie sich den Gesichtsausdruck indischer Gottheiten bei; und dösen. Inmitten der monotonen Nest-Stille rings um sie herum, vertilgen sie leichtsinnig die geborgte Gewissheit der Geborgenheit und Ruhe, während sich der Wind lässig an die Wand anlehnt; von außen, aber nur flüsternd, ungehört zu ihnen und den Ziegeln spricht. Unerhört gleichgültig, getragen, entbunden und weit entfernt von der restlichen Realität, völlig seelenruhig, (fast)glücklich, im Stillen und noch klamm im Schritt, liegen sie jetzt immer noch im Bett, im Ehebett, halb zugedeckt, halb aufgerichtet. Und rauchen. Nur R. raucht, um genau zu sein.
Nach (dem ganzen) in- und auf-, berühren sich nur noch ihre Oberarme. Die zögerlich angewinkelten Knie unter der Decke schon nicht mehr. Sie liegt links, wie immer. Doch plötzlich entledigt er sich verbal, prä-coital:

>kommt nicht bald auch … dein Mann wieder zurück?<

Ihre Blicke flüchten geradeaus, nur nicht zueinander.

SIE: ($•(   (so)
&
ER: )= |     so.

Zugleich entweicht gleichgültig gleichförmig weich-geformter Rauch aus seinem Mund. Sie greift ihm die Zigarette aus den langen Fingern, die er sich dabei an der halb abgerauchten Glutspitze ansengt.
Sie, sie schmunzelt leichthin spöttisch … kaum erkennbar. Da bläst sie schon selbst Ringe aus. Aber ärgert sich dennoch, denn — der Filter schmeckt fürchterlich, nass und angesabbert-durchgeweicht, hinterlässt er einen ätzend lippen-mitten-bitteren Nachgeschmack.

Nur so nebenbei — setzt sie jetzt dennoch ihr „…Baby-bleib doch — bitte…bleib-doch-noch-Babe!“-Gesicht auf und zieht ihn am Kinn dann zu sich, nah an sich, und sagt, scheinbar kaum überrascht, zum Einklang mit sich — und Ausgleich, zu ihm:

>…sicher verwechselst du mich nur mit irgendeiner — deiner tausend anderen<

Aber sie küsst ihm darauf dennoch zärtlich auf die Wange (sauer-süßerer denn je) —

>Glaub ich nicht<

sagt sofort und entgegnend er — Weißzahn-bewaffnet.

>Wie meinst du das? Was-stimmt-denn-bloß-nicht-mit-dir, Junge?<

sagt sie, deutlich bewegter — aufblickenden Aufblitzens, mit aufgedonnertem Augenlidaufschlag, und seziert ihn weiterhin aufs-aller- Genaueste, mit ihren Katzenaugen-Blicken und Wimpernmessern. Und sie ist so dermaßen vehement in ihrer Gegenwehr, fürchterlich herrlich, und fast schon abartig energisch-engstirnig : einfach nur wundervoll; schön und beängstigend, nicht?
Da, jetzt lächelt er —
aber lächelt auch schon nicht mehr — wirklich; eher — wirkt sein festgefahren und offenbarendes grinsstarrendes Grimassengesicht- Schmunzeln sogar unmenschlich — beinah banal (auch hässlich … denk´ ich). So, als gehöre es gar nicht so recht dort in sein Gesicht hinein. Ein Fletschen, mit seinem schon-von-jeher-und-immerzu-zu-doll-aufgedrückt-beim-Zähneputzen-eh, und blass-hautfleischwund-, viel zu-blutfarbenem, blutzuckerkrankem mehr-Zahnfleisch-als-Zähne-Lächeln. „Jaws“, denk ich immer unweigerlich. Und dazu die lippenfeuchten, dünn- schmalen, symmetrischen, ungewöhnlich-ungeschwungenen Mund-Balken drumrum, die trocken und rissig sind. Er ist — durstig, vom Lecken. Er leckt sich über die Lippen — salzig. Auch sein Charakterzustand: manifestiert und parabolisiert an seinem Kinn, als glänzend-fettiges Kindermuschi- & Arschloch-Kinn-Grübchen; fast sein einziges mimikalisches Wiedererkennungsmerkmal.

Wie erwähnt: nie wo Niveau war, war er zu finden. Und wenn man mich fragt — war R. eh, jeher ein Typ, der vom Typ her eher typlos schien. Ein schier indizierter Scheincharakter, mit fata-morgana-lichem Persönlichkeits- Indifferentum.

So retouresk — kommt er sich allmählich ebenso entblößt vor. Und ausgiebig-ausgießend sagt er daher, teerschwer — zurückschlagend:

>die einzige, der hier wohl was verwechselst — bist du(!), denk´  ich. Nämlich mich mit deinem Mann; offenbar … aber egal — legal : immerhin. Aber — lass-gut-sein …<

Weiterhin herrscht Stille. Und die stille Göttin darin:

> …      … <

> …    … <

> …  … <

> … … <

>……<

>…<

><

Beinah sieht man ́s ja;
und überall im Zimmer — ist ein animoröses Klima vernehmbar. Gleich- selbst R. ja selber — ein Sensibelchen ist und war … ist ́s irgendwie umso mehr schade um ihn; bezüglich ihr jedoch … empfind` ich das nicht so!

Ich glaube — sie mag und verehrt ihn beinahe nur deshalb so sehr, weil sie ja auch manchmal so gerne mehr wäre (aber nicht kann … doch!…könnte…). Jetzt aber (nicht mehr); sagt sie: (nichts … mehr) — und dann, dass er ein Arschloch ist; und noch schlimmer als ich:

>ein-deu-tig< — bestimmt.

Vielleicht stimmt das sogar irgendwie; nur
— sieht sie dabei … mich nicht, dabei — bin ich : doch der, der gerade durch den Türspalt späht …

Seit einer Woche bereits tue ich jeden Morgen bloß so, als ob ich zur Arbeit gehe. Und schleiche mich stattdessen später wieder in mein eigenes Haus zurück, durch die Kellertür oder die offen gelassene Garage.
Meine Empfindungen?
Allein um wahrhaftig, leibanwesend(-lich) und schmerznachvollziehbar, neidklar und radikal spürbar dabei sein zu können; wie … meine Frau — sich mit ihrem Stecher&lover-boy in unserem Ehebett trifft — klar! … ist-es-wert. Absolut! Ja.
Auch wenn er um so vieles jünger ist als ich.
Und ihr Stiefsohn … ei-gent-lich.
Und Ja(!), das alte Jagdgewehr in meiner Hand ist geladen; und scharf gemacht. Das garantier ich dir.
Glasmensch, glaub mir…

———————

YEAH! Papa is back!
It ́s D-Day. DOOMs-DAY of Donnerstag.

„Du bist doch total bescheuert, man …“

Die Dessenzen

Am Morgen danach —
sah Kleio hilflos und auch zunehmend verstört an ihm vorbei, von der Küche aus in das geräumige Wohnzimmer — das voller raffinierter Accessoires und Bilder hing.
Wie in einer fürchterlichen Vision aber schien ihr, als ob die Wände und das gesamte Inventar dort bereits zu zerfließen begannen. Ein Alptraum. Romans Schweigen dazu wirkte beinah bedrohlich, ja brachial und gnadenlos. Die ganze Zeit über zerrte eine unbekannte Kraft Kleio in den Abgrund. Fast hätte sie ihn angeschrien, doch biss sie sich stattdessen auf die Zunge. Nur mit großer Mühe sammelte sie sich, und sah ihm direkt mitten ins Gesicht. Ebenso erstarrt, tat Roman das Gleiche.
Langsam, prüfend tastete sie sich blinzelnd voran: das Grübchen, die schmalen Lippen, die markanten Wangen und auch die braunen Augen. Alles war — wie es immer war. Doch Kleio schien, als sehe sie ihren eigenen Ehemann zum aller ersten Mal. Ja, tatsächlich — war es wahr!? Sie erkannte ihn nicht, nicht mehr. Er war ein anderer.
Jetzt stand er auf und ging ins Schlafzimmer, ins Bad und wieder ins Schlafzimmer. Die alltäglichen Geräusche der Routine kehrten wieder — nur eines nicht. „Kein Strom im Bad“, sagte er, während Kleio sofort sah, dass er unrasiert blieb.
Diesen Morgen gab er ihr keinen Kuss. Schon war er weg. Hysterisch rannte Kleio danach durch alle Zimmer. Sie setzte sich auf die Couch, aber nur kurz und ging dann zum Esstisch, rückte alle Stühle, die bereits in Reih und Glied standen, noch einmal zurecht. Als sie die Tischdecke auf dem Schrank zurechtzupfte, klappte eins der aufgestellten Bilder um. Sie sah etwas, das sie fast vergessen hatte.

Ein Foto der beiden, von früher — noch ganz am Anfang. Er trug lange Haare und einen vollen Bart und sie eine wehende, lockig braune Mähne und ein listiges Lächeln. Wie ein schlauer Fuchs sah sie aus und zeigte Zähne. Sie liebte ihn, weil er der Mann war, den ihr Vater hassen musste. Jedes Verbot, jeder Unwille seinerseits brachte sie ihm nur umso näher. Der offenkundige Protest einer jungen Studentin aus gutem Hause. Vielleicht hätte es ihr Vater besser wissen sollen.

Zuerst war es aufregend. Ein Abenteuer. Der junge Mann, der ständig lärmende Töne von sich gab, fast jeden kannte, immer wieder die Doktoren in der Vorlesung aus der Fassung brachte und dabei diesen ungewöhnlich klaren Blick behielt. Bis sie ihm endlich Hausverbot erteilen konnten, weil sie herausgefunden hatten, dass er gar nicht eingeschrieben war, und sich nur hier herumtrieb, um Ärger zu machen, wie sie meinten.

Doch Kleio ging mit ihm. Was ihr zunächst wie der größte Gewinn ihres Lebens erschien, erwies sich bald als größtmöglicher Verlust. Sie bekam kein Geld mehr von zu Hause und auch gearbeitet hatte sie zuvor noch nie. Sie versuchte es ein paar mal, blieb aber erfolglos. Roman machte weiter wie bisher, trieb sich herum, redete mit Fremden auf der Straße und ging abends in die Bars. Doch aus irgendeinem Grund war es ihr nicht möglich, sich von ihm zu lösen. Rein aus Starrsinn hielt sie weiter an ihm fest, selbst wenn die Situation schier ausweglos erschien. Sie wollte ihn formen, ihn besser machen und glaubte, dass es gehen würde, irgendwann. Nur widerwillig sah sie ein, dass sie am liebsten einen Mann aus Roman hatte machen wollen, der ohne weiteres als die Imitation ihres Vaters hätte gelten können. Das war die Wahrheit, die nun zunehmend aus der Tiefe ihres Herzens drang.

Jedoch, kein Kniff und Trick half, keine Bestechung, keine Atombombe der Weiblichkeit war ausreichend genug. Roman blieb der, der er war. Diese Leichtigkeit war nahezu beeindruckend, aber es fehlte Kleio einfach an Sicherheit. Und Zuversicht. Zukunft.

Die Unruhe ließ sie nicht einmal des Nachts in ruh. Meist spät und angetrunken kam Roman nach Hause, fiel wie ein Stein ins Bett und begann augenblicklich zu schlafen — und zu schnarchen. Kleio war erbost und frustriert über die Seelenruhe und Unbefangenheit, mit der er noch immer der, ihr doch als höchst gefährlich und prekär erscheinenden, Situation begegnete. Immer wieder auch nuschelte er, zwischen seinem Schnarchen, undeutliche Wortbrocken hervor.

„Halt doch endlich mal die Fresse!“, sagte sie, natürlich nur leise für sich, denn das Gestammel ging weiter „Und wenn du dich wenigstens mal rasieren würdest!“ Danach wendete sie sich zur anderen Seite, und versuchte hilflos einem ihr treulos gewordenen Schlaf hinterher zu jagen.

Doch am nächsten Morgen, als sie erwachte, weil Roman ihr einen leichten Kuss auf die Stirn gab, spürte sie es sofort. Der Bart war ab. Um seine Lippen war nichts außer glatter, weicher Haut. Verblüfft blickte sie ihn an. Ein ganz neuer Mensch. Sie fragte nicht weshalb oder warum, stand sofort auf und legte ihm die Arme um den Hals. Sie hielt ihn fest und rieb ihre Wange an den seinen, wie ein Kätzchen. Ein Neuanfang? Ein leichter Hoffnungsschimmer, mehr nur ein Hauch davon, begann in ihrer Seele Fuß zu fassen. Mehr als das geschah aber nicht. Sie wartete zwei Tage und machte leichte Andeutungen, die er augenscheinlich nicht begriff. Wieder war der Traum verpufft, sie lag wach und er schnarchte und stammelte weiter. Wie ein eisiger klarer Blitz schoss ihr plötzlich ein Gedanke durch den Kopf. Nur um es zu testen, sagte sie, nachdem er gerade eingeschlafen zu sein schien „Lass dir morgen von mir doch mal die Haare schneiden!“

Und am nächsten Morgen, wieder erwacht durch einen Kuss auf die Stirn, stand er da, mit einer Schere in seiner Hand.

Für den nächsten Schritt aber bedurfte es mehr Planung, mehr Weitsicht und Kontrolle. Diese besaß sie scheinbar. Kleio ließ wieder ein paar Tage vergehen, auch wenn es ihr schwer fiel. Doch der Morgen kam. Auch diese Nacht hatte sie kein Auge zugetan, aber nicht aus Kummer oder Ärger, es war lediglich Nervosität. Wie ein Trainer vor dem Spiel, ging sie alle Taktiken und Züge immer wieder in ihrem Geiste durch. Alle Eventualitäten waren eingeplant. Kleio fühlte sich geradezu erhaben.
Den Anzug und die Schuhe hatte sie bereits gekauft, den Termin, sich als seine persönliche Assistentin ausgebend, war bereits vereinbart. Als Roman in der Nacht wieder etwas von sich gab, näherte sie sich seinem Ohr und gab ihm zärtlich alle nötigen Instruktionen. Pünktlich stand er auf, wusch sich, rasierte sich, schlüpfte in den Anzug und machte sich auf den Weg. Kleio begleitete ihn, um auch wirklich sicher zu gehen, dass alles wie geplant ablief. Und das tat es auch.

Als die beiden genau eine Stunde später aus dem riesigen verglasten Gebäude der Versicherung traten, hatte Roman einen neuen, hoch bezahlten Job. Auch wenn alle Dokumente und Zeugnisse gefälscht waren — dafür interessierte sich von nun an niemand mehr.

Fleißig und gehörig folgte er dem neuen Strang in seinem Leben. Immer wieder indoktrinierte sie ihn in den Nächten, aber auch das nur mehr aus Gewohnheit. Im Grunde war es überflüssig, bis auf einige kleine richtungsweisende Korrekturen. Innerhalb von drei Jahren war alles abgehakt und erreicht: das Auto, das Haus, das immer praller werdende Konto und ein paar nützliche, aber notwendige Versicherungen. Selbst der Vater konnte wieder zu Besuch kommen und war befriedigt.

Kleio musste sich um nichts mehr kümmern, war entledigt jedweder Sorge und konzentrierte sich ganz auf die Ausgestaltung ihrer selbst, ihres Hauses und des Gatten. Was für eine Hochzeit und was für eine Zukunft! Kein Wunsch blieb ihr je unerfüllt und auch jede Art von Streit gehörte innerhalb einer Nacht der Vergangenheit an.

Das einzige, was noch fehlte war ein Kind. Aber Kleio hatte eine ganz konkrete Vorstellung. Einfach schwanger zu werden, das wäre kein Problem gewesen. Das reichte ihr aber nicht, es sollte, es musste perfekt werden. Sein Wunsch, sein Traum hatte es zu sein. Nicht sie, sondern er hätte es als erster ansprechen sollen und das nicht auf Kommando, sozusagen, sondern ganz aus sich selbst heraus. Aber wie war das zu machen, fragte sie sich unentwegt.

Eine neue, viel weiter reichende Herangehensweise war unabdinglich. Der Begriff „Manipulation“ war ihr selbst niemals in den Sinn gekommen. Für sie war das alles nicht mehr, als die Hilfestellung einer fürsorglichen und um das Wohl ihres Mannes besorgten Frau.

Nun aber diesen Wunsch in ihren Partner zu implantieren, erforderte seinerseits geradezu einen wahren Schöpfungsakt vor dem Schöpfungsakt. Sie gab die Anweisungen und er führte sie aus — so war es bisher gelaufen. Kleio war weit davon entfernt, die hochkomplexen Mechanismen dahinter zu begreifen. Wie schwierig und unmöglich war es zu verstehen, was er selber dabei eigentlich dachte. Ihm schien die Arbeit doch Spaß zu machen, er war ja immer noch er selbst, sozusagen, nur im neuen Kontext.

Kleio konnte nur schwer die Aufregung verheimlichen, die sie bei der bloßen Vorstellung an das Gelingen ihres Planes empfand. Nun also musste sie lediglich, jedoch behutsam, einen Samen in seine Seele pflanzen. Mit ein wenig Geduld und Fürsorge würde dieser dann keimen, reifen und zu voller Blüte gelangen. So der Plan.

Jeden Abend, wenn er einschlief und wieder im Traum zu reden begann, legte Kleio ihm die nötigen Argumente nahe, gab dezente Hinweise und baute Brücken und Querverbindungen auf. Sehr bald schon hätte er von selber darauf kommen müssen.

Als Kleio wieder einmal freundlich, aber auch bestimmt, auf ihn einredete, erwachte Roman ganz plötzlich. Er riss die Augen weit auf und bemerkte, dass Kleio sich augenblicklich von ihm ab zur Seite wandte und so tat, als ob sie schlafe. Ihm war noch nie aufgefallen, dass sie in der Nacht redete. Verunsichert blickte er noch einmal zu Kleio, die tief und fest zu schlummern schien. Irgendetwas war hier gerade passiert, das war kein Traum, das spürte er ganz deutlich. Unklare Gedanken, auf die er sich keinen Reim zu machen wusste, die halbgar und verwischt sich zu einem unauflösbaren Knäuel verhedderten. Panik überkam ihn. Etwas Fremdes kämpfte in und mit ihm, um die Vorherrschaft seiner Gedankenwelt.

Am nächsten Morgen war er so durcheinander, dass er kaum noch sprechen konnte. Angekommen im Büro, überkam ihn ein weiterhin noch undefinierbares Gefühl. Er blickte sich um und ein unvorhergeahnter Ekel übermannte ihn. Irgendetwas dieses Horrors schien schon immer da gewesen zu sein. Hatte er so etwas schon einmal geträumt, schon einmal erlebt? Dieser Moment, der beinahe schon einer dennoch fragwürdigen und bedenklichen Erkenntnis glich, war neu, aber nicht fremd. Eigentlich arbeitete er doch nur, weil … Ja, warum eigentlich? Er sprach zwar mit den Kollegen, tagtäglich, dabei mochte er sie im Grunde nicht — die meisten wenig und ein paar noch weniger. Sein Job war banal und überflüssig, hinter allem stand nicht mehr als Abzocke und perverse Geldidiotie.

Ohne einen einzigen Abschluss an diesem Tag, das erste Mal in all den Jahren, machte er sich wieder auf den Weg nach Hause. Wie immer hatte seine Frau gekocht. Mit einem verkrampften Lächeln begrüßte sie ihn und legte ihre Arm so fest um ihn, dass er kurzzeitig kaum noch Luft bekam. „Wie war dein Tag?“, fragte sie mit einer Stimme, die nur noch ein dünner Faden war. Aber er antwortete nicht und setzte sich. Es vergingen einige eisige Minuten, ohne jegliches Wort. Immer mal wieder schien Kleio etwas tiefer einzuatmen, um etwas sagen zu wollen, doch sein an ihr aufprallender Blick hinderte sie daran.

„Ich werde vielleicht kündigen“

„Wa-has?“, und selbst ihre Augen schrien gleichzeitig mit auf. Ein tiefes Entsetzen stand ihr geradezu ins Gesicht gestanzt. Roman schaute ihr ganz genau und aufmerksam dabei zu. Die Angst war echt, aber die Überraschung nicht so groß, wie sie versuchte vorzugeben.

„Nein warte…“, sagte er. Kleios Mund stand noch immer offen — fassungslos. Nur ganz langsam wagte sie, wieder durch die Nase einzuatmen. Vielleicht hatte sie sich nur verhört oder etwas falsch verstanden „ … nicht vielleicht! Ich werde ganz sicher kündigen!“, fügte er hinzu.

Der Rest des Essens war für beide wohl die reinste Qual, aus gegenseitigen Beargwöhnungen.
Das darauf folgende Ritual blieb jedoch erhalten. Roman räumte den Tisch ab, während Kleio ins Badezimmer ging und Wasser in die Badewanne einließ. Mit Sicherheit saß sie bereits schon drinnen, Roman jedoch lief einfach weiter ruhelos umher. Auch hier wieder, im Wohnzimmer, hatte er dasselbe Gefühl, wie im Büro. Auf dem Schrank stand ein Bild. Er nahm es in die Hand: Kleio und er. Wie lange war das her? Wie war es damals eigentlich? Und heute? Heute war alles anders. Der Mann auf dem Bild war ihm vertraut. Aber er und jener waren nicht dieselben, waren an irgendeiner Stelle jeder einen anderen Weg gegangen. Sein eigener war eine Sackgasse, an dessen Ende dieses Haus stand, das im Grunde leer war, so leer wie er sich fühlte, wurde ihm jetzt klar.

Heute aber würde er nicht gemeinsam mit ihr baden gehen. Er wartete, bis er das Schwappen hörte. Dann ging auch er ins Bad. Kleio stand vor dem Spiegel und föhnte sich. Langsam zog er sich aus und legte sich in die Wanne. Das Wasser war dieses Mal lediglich lauwarm. Wie wild schleuderte Kleio indes den Föhn um ihre Haare. Von der Seite her sah er zwar nur ihre langen nassen Strähnen, aber im Spiegel ihr Gesicht. Es schien vor Wut und Bitterkeit zu zittern.

Er lehnte sich nach hinten und tauchte seinen Kopf unter, solange es ihm möglich war. Durch das trübe Wasser und die wellende Oberfläche erkannte er Kleios Bewegungen nur in Schemen. Warum ließ sie ihn nicht einfach in Ruhe?

Als er wieder auftauchte, wischte er sich das Wasser aus den Augen. Sie stand direkt vor der Wanne, mit ausgestreckter Hand, in ihrem Gesicht ein bis dahin noch nie gesehener Ausdruck von Verzweiflung und dem Blick einer unabdingbar zur Tat schreitenden Bestie. Da war kein Lächeln, keine Nähe, keine Wärme mehr. Die einst Obhut salbende Frau seiner Heimatstadt war in diesem Moment verschwunden, zurück blieb lediglich die eine Martyrium einfordernde Flamme der Enttäuschung und Enttäuschung. Roman spürte, wie eine beissende Kälte all seine Glieder, Gedärme und Gedanken zum Erliegen brachte — ein absolutes Nichts, ein Vakuum ohne Handlungsmöglichkeit. Hilflos war die Starre, in der verharrend er sich wiederfand. Rücksichtslos und grausam hatte die Realität ihn übermannt. Denn so hatte er es doch gesehen, auch wenn es eigentlich unmöglich war, derartiges überhaupt nur zu denken. Der Föhn in ihrer Hand war nicht bloß potentiell eine Gefahr. Roman blickte sofort in Richtung Steckdose, um die Reichweite des Kabels zu ermessen. Auf die kurze, aufwandslose Daumenbewegung Kleios, folgte der heiße, dumpfe Aufschrei. Beide blickten sich noch einmal tief in die Augen, Unaussprechliches sagend, versuchten sie Gewissheit über den anderen zu erlangen. Kleio ließ los.

Und gab somit die Antwort.
Als der Föhn das Wasser berührte, gab es einen Knall. Die Sicherung war rausgesprungen. Das gesamte Haus war sofort dunkel.
„Kleio?“, fragte er zitternd.
Doch er bekam keine Antwort mehr.

Manchmal, wenn ich stark husten muss, spür ich deinen Kuss auf meinen Lippen noch

Ich schau zu dir.
Auf dich — und dein Gesicht. Vielleicht hinein. Ein guter Platz, wär schön. In deinem Licht. Nicht wie die anderen, dahinten, schau … sie leben nicht — die tun nur so.
Wir kennen uns. Und du erkennst mich nicht. Ich bin es. Der Wolf. Hab nur die Ohren angelegt und meinen Schwanz versteckt. Trägst du denn dein Mützchen nicht. Aber dafür die Lippen. So laggressiv. Und rot. Mir ist … ich glaub — allmählich schwindelig.
Endlos weit — erschein ich dir. Nein, anders … Ich mein: Du mir. Auch sonst, ́ne Menge Ballast — der sich hinter meinem Rücken ballt. Und du davor. Ich mein, vor mir. Und Allem irgendwie. Ganz klar und deutlich, seh ich dich. Wie sonst — in meinem Traum, wenn du dich auf mich legst und dein Ohr an meinem Herzen ruht. Komisch. Alles andere ist dann = egal.
Und jetzt?
Hin und wieder mal erwisch ich dich. Du weißt doch, wenn du dann, ganz großartig und wunderbar — wie schön du bist — zu strahlen wagst und mir aus Scham scheinbar, sinnlos, diese Fragen stellst. Kategorisch bleib ich stumm. Und rede weiter.
Während der Qualm aus deinen Lippen weicht und sich im sickernden Lampenschein verrenkt — da frag ich dich: Liebst du mich?

Da schon wieder — ja, da is ́es doch, und steht (so) klar in deim Gesicht. Schicht um Schicht. Du spreizt die Wimpern auf und lachst. Lachst du mich aus? Dann siehst du, wie ich fühle und begreifst — das alles hinter und für alles steht, und dass das Versteckspiel keinen Spaß mehr macht. Du gehst zum Billardtisch. Ich weiß, dass du willst, dass ich dich sehen kann. Mal umgekehrt: kannst du denn sehen, wie ich immer mehr nach Innen lenk? Drei mal geht mir die Kippe aus, während ich dich sehnsuchtsüberladen ignorieren will. Alle andren schauen, hungrig, nur auf dich.

Ein blaues Band in deinem dunklen Haar. Dein weicher Blick, auf mich gerichtet, aus souveränen Augen. Dein Körper, wie ein Kreis der sich endlos um sich selber schlingt.
Nur immer wieder diese eine Sache, die nicht stimmt. Auch wenn du, jetzt wieder neben mir, dein Bein über meines schwingst und den Arm auf meine Schulter legst.

Die Bar und auch alles was mal war — ist wahr.
Unsere gemeinsame Zeit aber, sie stirbt allmählich aus, wird mir nun klar. Und was verhandeln wir da eigentlich, heimlich und verborgen vor den anderen, unter dem Tisch gerade aus?


Bild by: Nschotschi H.

Sandstand — unbekanntes Leben am Rande, von Allem

Ich lief all die sterilen Gänge entlang, weiße Fliesen an den Wänden und an der Decke, der Boden verdreckt und schmutzig. Ich wusste kaum, wohin ich ging; ich wusste es überhaupt nicht – ich lief einfach. Treppen führten nach oben, Treppen führten nach unten. Einzelne Stufen, die ich bezwingen musste, Stufen die sich von allein bewegten. Immerzu war mein Schritt so schnell, dass ich bald rannte. So viele Menschen, alle waren mir im Weg. Ich übersah sie, rempelte, schupste, bahnte mir meinen Weg. Manchmal sah ich ihre verfranzten Gesichter, hörte Stimmen der Empörung mir laut nachrufen. Ich hatte keine Zeit für sie. Sie waren mir egal, einfach unbedeutend. Ich sah keinen Zusammenhang zwischen ihnen und mir. Wenn ich kaum wusste, wohin ich ging, was hätten sie mir verraten können? Warum waren sie überhaupt da? Ihre Daseinsberechtigung erschien mir zweifelhaft, deshalb vergaß ich sie sogleich. Ich musste weiter. Rauf, runter, jetzt wusste ich wo ich war, die vielen Schilder und Wegweiser, die ich so lange übersehen hatte, deuteten es an — U-Bahnstation. Der Weg erschien mir nicht weit, ich wusste, dass ich hier richtig war. Wieder einmal lief ich Treppen hinunter. Die Schräge versperrte mir die Sicht, aber ich wusste es – hier! Hier war mein Ziel. Ihre Schuhe, ihre Beine, ihr Körper, ihr Gesicht; das war es! Meine Schritte wurden allmählich langsamer. Panik und Hektik verschwanden. Meine Unruhe war mir nun sogar ein wenig peinlich. Ich versuchte mich zu beruhigen. Ich atmete tief durch. Ohne zu überlegen, ob es richtig sei, lief ich auf sie zu, küsste sie. Sie erwiderte es. Es war selbstverständlich, richtig. Ich liebte sie.

Ich nahm meinen Kopf zurück, sah in ihr blasses zartes Gesicht, sie war schon immer blass, es machte sie auch schön. Die kurzen braunen Haare, die vor ihren blauen Augen hingen; ich schrie nach Hilfe mit meinem Blick. Doch sie? Sie war so ruhig und schön. Sie lachte sogar. Warum machte ich mir überhaupt Sorgen. Es war so selbstverständlich. Sie nahm meine Hand und wir gingen ein Stück. Wieder führten Treppen rauf und runter. Doch durch ihre Nähe schien der Weg nun klar. Ich musste mich nicht konzentrieren, nicht denken, nur mit ihr gehen. Dann blieb sie stehen und setzte sich. Kurz war ich verloren, schnell tat ich es ihr gleich, setzte mich, doch zwischen ihr und mir war nun ein kleiner Abstand. Sie jedoch zog mich an sich heran, hatte mich sehnsüchtig erwartet. Ich wusste nicht, was ich nun tun sollte, also küsste ich sie. Lang. Wieder konnte ich es kaum glauben und zog meinen Kopf zurück, um mich zu vergewissern, dass auch sie es war. Etwas stimmte nicht, das war mir klar. Also stand ich auf, versprach ihr gleich wiederzukommen. Wieder rannte ich all die Gänge entlang, ohne Ahnung und ohne Ziel. Ich bemerkte das Geräusch der Bahnen, die hielten und weiterfuhren, doch sah ich sie nicht, oder beachtete sie kaum.

Hier war ich falsch, auch wenn ich diesmal wirklich nicht mehr wusste, wo ich war oder was ich hier tat. Ich wollte zurück. Die Gänge waren noch immer voll von Menschen. Ich schlich mich an ihnen entlang, hatte Angst sie zu berühren. Alles hier war auf einmal fremd. Hier war ich noch nie.

Immer weiter ging ich geradeaus, wusste plötzlich sogar wieder, wo ich hinwollte. Ich öffnete die Tür zu einem kleinen abgetrennten Warteraum. Ich wusste, dass sie hier war. Im Raum selber war es stickig und laut. Ich sah wenig, hörte kaum. Doch da saß sie, mit dem Rücken mir zugewandt. Der Platz neben ihr war frei. Schnell eilte ich hin. Nun saß ich neben ihr. Wieder musste ich sie mit diesem entgeisterten und ungläubigen Blick anschauen. Doch ihr Gesicht strahlte noch immer dieselbe Ruhe aus wie vorher. Und nun küsste ich sie wieder. Kurz ergab es wieder Sinn.

Ein kleiner Junge, den ich kaum beschreiben kann, lief umher und machte einen unbeschreiblichen Lärm, trat und boxte die Menschen, die er traf, selbst jene, die mehr abwesend waren, so als ob sie kaum hier säßen, oder säßen wollten. Aus irgendeinem Grund erkannte ich, dass die Frau mir gegenüber seine Mutter war. Es muss der routinierte angenervte Blick gewesen sein. Ich wusste nicht weshalb; stand auf und sagte ihr, dass ich für vieles Verständnis habe, ihre Situation wohl kaum einschätzen könne, doch ich es als völlige Blödheit ihrerseits sehe, ein kleines Kind, wir ihren Sohn verkommen zu lassen. Nur weil sie, die Mutter, einfach zu dumm sei.

Zum Glück kümmern sich andere drum, wie immer, nicht wahr? Bei den letzten Sätzen zeigte sich zugleich ein provokantes Lächeln, das jedoch tatsächlich mehr hilflos als überlegen war. Ich hatte kaum ausgesprochen, da sah ich, wie der Mann neben ihr plötzlich aufstand. Sein Gesicht verriet endlosen Hass, der nun allein auf mich gerichtet war. Ich überlegte nicht lange und ergriff die Flucht. Mir war, als wolle er mich umbringen. Ich lief und lief. Noch im Laufen wurde mir klar, dass ich wieder zu ihr zurück musste. Der Mann, der mir so bedrohlich erschien, war mir nie gefolgt, oder hatte es nicht geschafft mir nahe zu kommen. Ich blieb stehen, besann mich, kehrte um. Wieder wusste ich genau wo ich hinmusste, also ging ich. Wieder fand ich sie auf einem Bahnsteig, wie immer. Ich ging auf sie zu und küsste sie. Ich hörte wie eine Bahn langsam einfuhr. Diesmal nahm sie den Kopf zurück. Ich weiß, sie wollte etwas sagen, doch…


 

Bild by: Christopher Balassa

Scheidenfleischschneidemaschine

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Da stand sie — und es war klar, dass sie nicht wusste, wer ich war. Ich überwand meine gestellte Schüchternheit, gab ihr den verlangensvollsten Blick, zu dem ich in der Lage war und bestellte uns beiden einen Drink.

Wir stießen an.

Sie war schon meine große Liebe, bevor ich überhaupt geboren war. Unsere Mütter waren Freundinnen.
Im Sandkasten spielten wir Mann und Frau. In der Grundschule hänselte man mich, wegen meiner allzu offensichtlichen Liebe und auch mein erster Samenerguss galt ganz alleine ihr.

Während sich meine Hässlichkeit von Jahr zu Jahr noch zu steigern schien, wurde aus ihr die wunderbarste Molekülansammlung dieser Galaxie. Pubertätsbedingt entfernten wir uns voneinander, was hieß: sie ließ mich, wie meine Eltern einst auch meinen geliebten Zwitter-York-shire-Terrier Pansenwaldo, auf der Raststätte der Bedeutungslosigkeit zurück.

Wie oft schrie ich, mit Tränen in den Augen und blasser Stimme, Alenias Namen in den Wind, wenn ich mir einsam auf der Müllhalde aus Fleischabfällen ihren Engelskörper nachbildete.

Als ich sie zum Abiball einlud, weigerte sie sich sogar, mich überhaupt zu kennen.
Später studierte ich Jura, um durch die Überlastung mei- ner Synapsen ihrem Dasein in meinem Geiste (und Herzen) ein Ende zu bereiten.

Eher ungewollt wurde ich vom Erfolg verfolgt. Mein Alenia-Wahn fadete allmählich aus.
Mit 32 Jahren war ich über alle Maße arbeitsbesessen, leistungsstramm und siegesverwöhnt. Frauen hielten mich für attraktiv. Wie ein Überfliegerkompass ragte mir eine dauerwährende Glückslatte aus der Hose. Der Erektionsgrad meiner Perfektion hatte Ausmaße einer Utopie. Selbst Gott musste sich hinten anstellen.

Leider jedoch hatte mein Charakter immense Einbußen erlitten.

Immer wenn ich einer Frau ins Gesicht schaute, stellte ich mir bereits vor, wie wohl mein spermagrauer Lustklecks zu ihrem Teint passen würde. Meine über die Jahre angestauten Minderwertigkeitskomplexe kompensierte ich mit der dauerhaften Degradierung billiger, geldaffiner Frauen, die ich durch begangene Taten im Bett auf das Niveau und Selbstachtungslevel crackdichter Zwangsprostituierter runterbrach.

Erst als Mutter Natur mir einen saftigen Nackenklatscher gab, stoppte der kokainbetriebene Größenwahnzug, der als Schriftzug meinen Namen trug.
Die Realität entzog mir den Nährboden für meine Eitelkeit. Ab jetzt führte ich ein bereits vorherbestimmtes, ausgangsloses Leben. Ich verschenkte all meinen Besitz und lebte von nun an auf der Straße.

Kurz vor dem Ende traf ich Alenia in besagter Bar.
Ich erzählte ihr, dass ich immer wieder von ihr träume, ohne sie darüber aufzuklären, wer ich sei. Natürlich war sie ein wenig verwirrt, doch ihrem Augenaufschlag entnahm ich Empfänglichkeit. Mental drang ich nicht nur in ihren Geist, sondern auch zwischen ihre Beine. Beruhigend legte ich ihr die Hand aufs Knie. Ganz leicht öffnete sich ihr Mund, als ich ihr das Wort „Liebe“ mit dem Zeigefinger auf den Schenkel schrieb. Kurz bevor sich unsere Lippen trafen, beließ ich es dabei, ihren Atem in meinem Bart zu spüren. Mein Plan ging auf. Ohne ein weiteres Wort zerrte sie mich in den Park.
Meine Sehnsucht wurde Wirklichkeit, als sich ihr haselnuss-brauner Krönungskörper vor mir auf dem Rasen rekelte, während ich sie fingerte. Schon öffneten ihre Lustkrallen meinen Hosenstall. Mit glänzenden Augen begann sie, meinen bereits knüppelharten Schwanz zu reiben, als meine Finger noch immer ihren nassen Schritt durchstrichen. Ich rückte auf und bald leckte und schlabberte sie an meinem Traumstab wie eine Königin. Jetzt bettete ich meine Zunge zwischen ihren Beinen. Die Erlösung lief mir bereits das Kinn entlang.

Meine Sinne waren jedoch schon am Weichen. Ich war ein vor Leidenschaft verglühender Komet. Vielleicht war dies mein finaler Akt. Das Ende war schon sehr nah. Ich konnte es spüren. Meiner letzten Tat verlangte es nach Unendlichkeit. Alles wurde zur Raserei. Erst riss ich ihr, dann mir die Kleider runter.

Ich täuschte einen Tittenfick an und kackte ihr dann auf den Bauch.

 

Kein Wunder, dass Frauen Veganer sein können — die kriegen ja ab und zu auch mal Fleisch rein

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„Ich wunsche euch viel-he Spa-hähs“, sagte er und zwinkerte. Als Kubaner vertrat er kulturbedingt die Vorstellung, dass eine zweigeschlechtliche Zusammenkunft automatisch ein sexuelles Resultat hervorbringe. Ich war da zwar ganz auf seiner Seite, jedoch, ebenfalls kulturverschuldet, nüchtern. Giselle, das Mädchen, das auf sein Haus und seinen behinderten Sohn aufpasste, während er mehrfach die Woche Salsatanzkurse besuchte, auf denen er Uschies in Lederhosen, dicker Schminkebeschichtung und garantierter Haarsprayüberdosis klarschoss, war die ehemalige Obermieze meines Jahrgangs. Kollateralfrust. Denn zur Schulzeit noch blieb ich völlig aussichtslos, aber nach schier zufälliger Begegnung in baresquem Milieu, war ich heute jedoch voller Zuversicht.

Sie wartete im Garten, war barfuß, trug nur eine Jogginghose und ein sehr knappes T-Shirt, unter dem ihre runden kleinen Möpschen als Traum zweier Kugelperfektionen wippten. Gerade streckte sie sich. Schon ihr Bauchnabel war unheilbringendes Lustrefugium; die Art, wie sie den Rücken bog, war katzenhaft. Aus Schönheit und Freude erstrahlte ihr Gesicht. Schon bei der Begrüßung presste sie ihren Rundungspalast ganz fest an mich. Sie schmunzelte, als ihr der Hartriegel in meiner Hose näher kam. Hätte sie ihn doch nur geküsst. Ihr Hintern, zwar nicht deutlich, aber ahnbar, blieb in wahnsinnbringender, hypnotischer, backenalternierender Schwungbewegung, als sie vor mir ging. Manche Frauen haben diesen Gang, der Vergewaltigung als plausible Option erscheinen lässt. Mir war danach, ihren ganzen Körper zu belecktasten. Gerne hätte ich mein expandierendes Glied in ihrer nassen Liebeslagune etabliert, um dann den Glitzeraal zwischen ihren Titten, wie einen Vulkan, zum Ausbruch zu bringen. Zunächst jedoch setzten wir uns nur und tranken etwas Kaltes. Der kleine Mongo (der gar nicht so klein war, sondern bereits 16) kam ums Gartenhaus geschlichen. Die aus Neid hervorgerufene Wut in seinen Augen war unverkennbar. Dem Spasti galt meine ganze Antipathie — und umgekehrt. Meine Augen wanderten zu Giselle, die ihm betüdelnd einen Sabberfaden vom Kinn wischte. Sie drückte ihm einen dieser langen Schläuche in die Hand, die bei kreisenden Bewegungen zischende „Uhu-Uhu-Uhu“-Laute produzieren. Sinnlos hielt er das Ding in seiner Hand und schaute leerblicklich in den Himmel.

„Ich zeig dir mal was“, sagte Giselle und in ihren Augen knisterte es bereits.
Sie ging auf die Knie, zog ihm die Hose runter, dann die Windel, und begann ihm einen zu blasen. In dem Moment, als ihr Mund seine Nudel umschloss, begann die Rotation des Uhu-Uhu-Schlauchs. Die Version meiner bis dahin geliebten Wirklichkeit machte einen überholungsbedürftigen Eindruck. Aller Realitätsfremde zum Trotz, war mein Blick kontinuierlich von ihrem herausgestreckten Arsch in Beschlag genommen. Die Umstände schienen denkbar günstig. Ich zog ihr die Hose aus.

Aus ihrer nassen Fleischwunde sprudelte der Saft bereits in solchen Strömen, dass es ihr schon in kleinen Bahnen die Haxen runterlief. Alles glitzerte im Sonnenlicht. Meine „Theorie des dunklen Fleisches“ erwies sich als weiterhin gültig: Frauen, deren Mösenfleischbelappung dunkler ist als deren umliegender Rest, tragen einen Sexdämon in sich. Mit einem Finger begann ich sie zu kitzeln. Sie arbeitete sich mir entgegen. Eh ich mich versah, war mein ganzer Finger in ihr drin, zwei Finger … ihr Arsch machte jubelnd kreisende Bewegungen. Mit meinen faszinierend feuchten Fingern, war auch der Weg in ihren Anus kein Problem. Zwischen ihrem saugenden Schmatzen vernahm ich die Klänge geilhafter Begeisterung. Ich leckte ihr den ganzen Spaltensektor aus, den braunen Salon, und biss ihr sogar in die Backe. In dieser Stellung waren wir die fast vollendete Adaption des „human centipides“. Meine ganze Schnute war voller Mösenextrakt. Ich musste ausgesehen haben wie ein wild gewordener, rosettenschlemmender Clown auf Crystal Meth. Es bestand Penetrationsdringlichkeit. Mein Zyklopenrotkäppchen fand seinen Weg ganz von allein. Ihre Muschi war wie Seide, feucht und schmiegsam, ich drehte sie und ihre Beine waren biegsam. Ich rückte auf. Zwischen ihren Titten hindurch arbeitete sich meine Eichel zu ihrem Mund.

Böse blickte mir der Mongo in die Augen, als ich meinen Sack teebeutelnd in ihr verschwinden ließ. Der Gerechtigkeit halber begann auch ich nun ihm einen runterzukauen. Das „Uhu-Uhu“ setzte wieder ein. Gleichzeitig, wie der von Gott Benachteiligte in meinem Mund, empfing auch Giselle selig die warme Dusche meiner Samenflut. Selbst in ihrem Haar waren die Reste akuter Befriedigung nachweislich. Erst jetzt sah ich, dass einer der Nachbarn am Zaun stand und geierte. Die Kamera in seiner Hand war ein Problem.

 

Schieb Creep — Deep Glied

 

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Eine Glut aus Spermawunsch rieselte ihr aus den Augen, während sie meinen lippennahen, vorpreschenden Hüften mit dem sanften Druck ihrer Hände versuchte Einhalt zu gebieten. Willens- und wissentlich überging ich ihren haltlosen Einwand. Mein fleischbewaffneter Blitzkriegeinfall in ihren Schlundstollen war in vollem Gange. Meine Partisanen-Samen-Ak erkämpfte sich die Vorherrschaft im marodegekoksten Zahnrefugium der Szeneschlampe. Als die Krönung meines nächtlichen Revierstreifzuges, bat der mittlerweile fast panische Ausdruck in ihrem Gesicht meiner Seemannssehnsucht einen herrlichen Unterschlupf. Ich wünschte mir, alle ihre Ex-Freunde hätten uns jetzt sehen können.

Schon auf der Party hatten wir uns gegenseitig, mit Bli-cken nur, geradezu abgeleckt. Ich sah sie umzingelt von einem Rudel Anzugträger — aber mir war klar, dass es nicht deren aftershavevergorene Placeboausstrahlung war, die sie so nervös machte, dass sie sich beinahe schon die Lippen blutig biss. Ganz zwanglos entfaltete ich meine gesamte Wirkung, indem ich lässig an der Bar rumstand. Sie kam direkt auf mich zu — und schon auch gingen wir gemeinsam, zum Entsetzen aller schön Scheinenden. Dass ihre Worte vor lauter Blödsinn nur so jubilierten, kam von dem Koks, das ich ihr gab, aber gar keines war, sondern Speed.

Ich wartete solange, bis sich der Inhalt ihres Redens, als auch der der Weinflasche, geleert hatte. Ihre devoten Verlautbarungen, während ich ihr in den schon von außen nassen Schlüpfer griff und ihr lustdurstiger Augenaufschlag, als ich ihr die Haare aus dem Gesicht strich, versetzten mich augenblicklich in den Rammelsaumodus. Nur knapp entkam ich meinem Drang, ihr alles Stoffliche vom Leib zu zerren. Stattdessen setzte ich mich mit einem Drink zur Hand in einen der Sessel.

Die kokosnuss-braune Konkubine war nicht ganz dumm und tat, schön langsam, wonach es mir verlangte und zog sich aus. Ihr Körper erhielt die ihm gebürtige hartbringende Aufmerksamkeit. Sie rekelte sich auf dem Boden und besorgte es sich selbst. Auch ich zog mir alles aus und wartete. Wie ein Panther auf der Jagd krabbelte sie zu mir. Erst rieb sie ihren Bauch, dann ihre Titten an meinem Schwanz. Den seelenlos toten, aber irgendwie auch geilen Glanzschranz in ihren Augen blendete ich einfach aus. Ihr Kopf senkte sich und ihr roter Fleischfallenmund umschloss mein hartes Pilzkopfinsekt. Sie schmatzte, saugte und war gierig wie ein ausgehungerter Schwarzkontinentaler. Meine Eier hätten ihr gar nicht haarig genug sein können, wie es schien. Ohne dass ich hätte Druck anwenden müssen, fand mein schiefer Turm ein wohliges Zuhaus in ihrem Hals.
„Ich will, dass du mich fickst!“ Gut, dass sie das sagte, denn Schlampen lecke ich nicht gern. Ihr Kopf lag bereits auf dem Boden, und ihren Backen, mit der schon ganz offensichtlich nassen Kerbe, war es gewiss sehr daran gelegen, meiner Kotelettbürste zu begegnen. Erst aber wischte ich ihr nur feuchte Glut mit meiner Schwanzspitze durch den Kamelfuß. Frauen neigen schnell zu sentimentaler Ungeduld, ist die Maschine erst einmal in voller Fahrt. Doch noch immer deutete ich Penetration nur zögerlich an. Ihr Lavatempel war schon so sehr am lecken, dass ich ernsthaft überlegte, vielleicht einen Topf zum Drunterstellen zu besorgen. Kurz bevor sich ihre Sehnsucht in Wut umschlug, erlöste ich sie. Ganz anders als erwartet, war die Globalität ihrer Prinzessinenmuschi auf lokale Schmiegsamkeit verengt. Der Rückschlag war enorm. Meine sich in ihr raffende und schaffende Gewalt war ihrer fickbitchernen Leidenschaft ein aufopfernder Amigo. Ich zog sie an den Haaren und ihre Schreie wurden Flüche.

Egal, welcher Dämon sie da gerade ritt — jetzt ritt sie mich. Gar nichts anderes als Hocke kam ihr in den Sinn. Ihr Hüftausschlag war sportlich elegant. Bei einem zu heftigen Versuch entflutschte mein Glied aus ihrer Muttermaschine mit einem lauten SCHMATZ! Doch schon war ihr Mund wieder voll mit ihrem eigenen Geschmack. Zum Kopf hin bat sie mir ihr Hinterteil. Meine Prinzipien hatten Pause. Ich schlürfte ihr die Muschel aus. Obsessionsgewunden aalte sich ihr schweißnasser Körper bald unter mir. Größenwahnsinnig machte ich mit meinem Fleischzepter absolutistische Herrschaftsansprüche in ihr geltend. SIE WAR MEIN AFRIKA. Im wilden Takt stampfte ich ihr meinen Höhepunktsmarsch ins Fleisch. Sie ging fortissimo — die Nachbarn klopften bereits an die Wand.

Das Finale ließ ich mir von ihr im Stehen abgewinnen. Bis zum letzten Tropfen bekam sie meine Mannesmacht zu Halse. Es musste in ihrem Rachen bereits zu stocken begonnen haben. Sie hörte gar nicht mehr auf damit.

End-Hemd

Gelesen wird aus Erection Perfection.


Immer mal wieder gibt meine Frau Gesellschaften. Ich benutze dieses antiquierte Wort nur deshalb, weil auch sie es benutzt. Durch Desinteresse und nahezu rigoroser Verachtung für alles philosophische und intelligenzeinfordernde, leichtsinnig beschränkt, gackeiferte sie ihr gesamtes Repertoire an gesellschaftsdienlichen Zuckergussnichtigkeiten runter. Unsere Gäste, einer meiner Kollegen aus der Uni und seine Frau, taten der Langeweile keinen Abbruch. Achtlos vergeudete man hier meine Zeit. Störrisch blieb ich schweigsam, so auch die Frau meines Kollegen. Den beiden anderen jedoch erging es prächtig. Alternierend nickten sie sich im Rhythmus von Erzählen — Zuhören immerfort zu. Sie waren sich einig in allem und sprachen im Tandem. Ihre allerwichtigsten Anliegen waren ihre Probleme und diese teilten sie.

Gemeinsamkeit = Liebe

Problem + Problem
= Gemeinsamkeit

= Liebe

Die beiden waren ein absolutes Traumpaar, hatten es nur noch nicht bemerkt. Ich schaute zu meiner mir in Wortlo- sigkeit folgenden Gefährtin und sah, wie ihre Brust sich auf und niedersenkte. Nervös glitzerten ihre Augen. Gefühle ändern sich. Beziehungen auch. Menschen nicht.

Dem unausgesprochenen Konsens gemäß, wurde viel Alkoholisches konsumiert. Köpfe erröteten und immer mehr Haut gab sich, nicht mehr zierend, immer geilhung- rigerer Blicke hin. So wie auch mein Fortpflanzungspilz, erwuchs meine Absicht, die moralisch gesehen vielleicht anstößig erscheinen mag, an Reife und pulsierender Größe. Ich hatte immer geglaubt, in einem gewissen Sinne doch durchaus als Mann gehobener Klasse zu gelten. Dieses in jedem Fall trugschlüssige Vergehen einer Unterstellung zuwider, beschloss ich jedweder Hemmung zu entsagen. Es war Zeit fürs Fleischgeschäft. Massenanfassen. In Pfützen knien. Vergeltung und Revanche.

Die Verbitterung eines ganzen Lebens ragte aus meiner Hose. Meine Biographie hätte bis zu diesem Punkt heißen müssen: „Der Fehler“ — doch ab jetzt: „Die Steifgeburt“. Meine Sprühlenden wurden zur Katharsisquelle meines Rammelstaumystizismus, gespickt mit deformistisch-antifeministischen Tendenzen und mutterkomplexlichem Zerstörungswahn. Mir schwebte eine Art Triebtätertherapie vor.

Ich sah es nicht ein, wieder einmal meines Schicksals Knecht zu sein. Die Umstände waren denkbar günstig. Meine Frau, die, im Gegensatz zu mir, sich vor unse- rer Ehe einigem Schwanzdurchlauf unterzogen hatte, wusste genau, was sie tat. So interpretierte ich es einmal wohlwollend, als sie ihre Bluse so weit öffnete, dass ihr schwarzer BH zu Tage trat. Im Inneren ihrer selbst, blieb sie doch ein Flittchen erster Güte. Ihr naturgegebener Schlampenreflex machte sie bereits ganz kirre. Schon so hibbelig, dass sie kaum noch ruhig auf ihrem Stuhl sitzen konnte, gab sie mir einen Startschussblick. Als die Frau meines Kollegen grade an der Spüle stand, ging ich einfach ganz nah von hinten an sie ran, drückte ihr meine Urinpipeline ins Kreuz und begann in höchst romanti- schen Tönen von ihrem Nacken zu schwärmen.

Ein wenig zögerlich noch, schien es ihr dennoch nicht gänzlich zu missfallen. Mein lieber Kollege hingegen war ein wenig irritiert und machte Anstalten aufzustehen, was meine Gattin jedoch mit einer besänftigenden Geste, direkt im mittleren Schrittbereich, zu relativieren vermochte. Ein Anfang also war gemacht. Der Reihe nach füllte ich allen noch einmal das Glas und wir verlagerten das Ganze ins Wohnzimmer.

Leider entstand nun eine Konstellation, die sich gegen- über meinem Plan als rückschrittlich erwies. Etwas auf- geregt und kollapsnah, saß mein Kollege nun direkt zwi- schen den beiden Frauen. Mir blieb nur der Sessel. Jetzt war es an ihm. Er hätte nur die Arme ausbreiten und den Big-Daddy-Move bringen müssen. Ich hielt es für angebracht, einfach mal meine Hose zu öffnen. Leider war mir jedoch die mangelnde Steifheitstendenz mei- ner Fleischuzi entgangen, sodass ich nur einen leidenschaftslosen, unbewegten Pimmelpropeller zur Exposition darbot.

Gefangen in dieser, meine Libido mir untreu gewordenen, Situation, verlangte es nach Überkompensation. „So ihr Votzen. Habt ihr da nur trocken Brot zwischen den Beinen, oder geht’s jetzt mal los?“ Ich weiß auch nicht so genau, was mich da geritten hat. Sich noch ein we- nig durch Pikiertheit schützend, schauten mich alle an. Ich musste durchaus in Erwägung ziehen, die Umstände missdeutet zu haben. Zu meinem Glück verlief das Ganze dann doch ziemlich übergangslos.

Beide Frauen, gewillt, meiner Misere Abhilfe zu ver- schaffen, knieten nieder zu meinen Füßen und begannen ihr Zungenpotential sowie ihre Blaskapellenfreude zu demonstrieren. Es war schön anzusehen, wie sich die beiden um die Befleischung ihrer Mundhöhle stritten. Die Frau meines Kollegen erwies sich in diesem Fall als die größere Streberin, heißt nicht weniger als bis zum Anschlag. Flankiert von einem Lippenpaar zu jeder Seite, boten mir die beiden eine lippennasse Bahn, durch die ich meinen Bob jagen konnte. Nicht ohne zänkisches Gehabe brach immer mal wieder eine aus, um ganzheitlich zu oralisieren. Es war nötig, hier ein Verständnis von Abgabe und Teilen zu etablieren. So ist das mit der Stutenbissigkeit.

Mein, mich wohl beneidender, Kollege schien durchaus Willens zur Partizipation. Ficken ist Krieg und Pazifisten daher unbrauchbar. Ich griff mir seine Frau am Zopf und gab ihm so die Chance, meiner Gattin handhablich zu werden. Erstmal die Klamotten weg. Ich war nicht zimperlich — das Kleid stand ihr eh nicht. Ihr Körper trug durchaus Anzeichen von bildhübschlichem Niveau. Also, sie aufs Sofa, die Beine in die Luft und schon war mein Blick volle Breitseite auf ihr Spaßbadportal gerichtet (mit kleiner Landebahn). Das Geschehen hinter uns jedoch stagnierte und das Versagen meines Kollegen hatte durchaus die Tendenz, lächerlich zu wirken. Doch meine Frau gab sich allergrößte Mühe, ihre Gastgeberqualitäten zu beweisen. Ich hingegen befand mich in einem Zustand völliger Exorbitanz. Ihr nasses Freudenspendergewölbe gab meinem Metzgergewehr eine Taufe. Mein Rezept war es, ihr das Fickschnitzel zu panieren und sie dann richtig durchzubraten. Einmal wenden. Ihre Rosette war schön. Meine Zunge suchte Anschluss — ich bin ein Kavalier. Das Ganze wurde immer wilder und zum einvernehmlichen Selbstexzess, verübt am Gegenüber — die herrlichste Form des Existenzstressabbaus. Auch die beiden anderen ritten bereits voll und ganz auf der Wolllustwelle. Meine Frau lief auf den Händen durch die Diele, der Arsch nach oben und ihre Beine fest um die Hüfte meines Kollegen geschlossen. Die Schubkarre — wie lange hatte ich sie darum gebeten. Ein bisschen sauer war ich schon. Dafür machten wir jetzt die 69er im Stand. So mittendrin schaute mich meine Frau an und sagte, sie wolle die Scheidung. Keine Einwände meinerseits. Der Ereigniskette geschuldet, erschien mir dieser Gedanke durchaus sinnvoll. Ich sagte ihr, dass ich sie zwar liebe, es aber nicht mehr für eine intakte Beziehung reiche. Noch gerade den Schwanz meines Kollegen in der Backe, gab sie mir einen ganz traurigen Blick.

Warum sich auch mein Kollege mit zum ersten Cumshotfinale meines Lebens einreihte, hab ich nicht ganz verstanden, aber auch für ihn gab es mein Liebesgelee.
Der Abend endete gediegen und wir verabschiedeten uns ohne unnötige Wiederholungswunschfloskeln.

 

Das Ende einer bereits geschriebenen Geschichte

Gelesen wird aus dem Buch  ERECTION PERFECTION


Fürsorglich bestellte ich die Musik durch die Jukebox, um am Ende zur Saftbox hinter ihrem Schlüpfer zu gelangen. Meine emotionale Kompetenz stellte mir Erfolg in Aussicht. Ihr Lächeln war schüchtern und aufbegehrend. Gestellt unabsichtlich ließ ich meine Hand auf ihrem Knie ruhen. Adolphine wendete ihren Kopf in Richtung Decke, so wie eine Kätzchen, das am Schnurren ist. Lange schon hatte sich meine Geilheit im Geiste über sie ergossen. Sie war die beste Freundin der Freundin meines besten Freundes. Ich strich ihr das Haar beiseite und sagte viel Schönes über sie, was kein Quatsch war, aber offensichtlich. Dass wir diese Nacht zusammengehörten, stand irgendwie schon fest. Mit einem langen Kuss gaben wir uns einander hin. Ein brennender Glanz war in ihren Augen zu vernehmen. Ich schlug uns einen Abgang vor. Wie wunderschön sie war, als sie bezahlte.

Im rührenden Licht des Glatzkopfmondes griff ich nach ihrer Hand. Der Ausschlag meiner Hose hatte Zeltniveau erreicht. Ich küsste ihren Hals. Unter meinen Lippen bebte ihre Haut. Natürlich musste ich darauf bestehen, dass wir ein Taxi nehmen. Geschickt wanderten meine Finger dort unter ihren Rock, wo sie bald auch schon sehr ölig wurden. Ihre Nassfleischanemone öffnete sich wie eine Blume und ihr heißer Atem, der mich durchs Ohr kitzelte, zeugte von ihrem Wohlergehen. Überall im Auto roch es nach ihr. Nachdem wir ausgestiegen waren, leckte sie mir die Finger ab.

Drei Tage später gab sie mir den Abschiedskuss.

Weil ich im Bett geraucht hatte, sagte sie.