Brett Pitty

Ein Nicht-Bericht:

INSIDE 0 – Null Einsicht  Die Zähne knirschen-schon-so-sehr. Doch will ich mehr. Ab aufs Klo. Nullniveau. Egal wo. Auch hier im Edelschuppen. Dem Wertmaßstab der Selbstachtung dementsprechend ungerecht. Doch wer das Koks nimmt – der ist des Kokses Knecht.

Wie schlecht. Mir = IST.  Lineschtyle geht es aufwärts. Raufwärts. Kurz wehrt’s. Weiter. Schon der eiserne Geschmack von Blut im Rachenschlund. ALLES. ABER ich will dennoch mehr. Mein Gewehr-Mund – taub, trocken, warm und wund.

Ich bin der Grund. Und ohne Sinn. Daher: SCHE??I?ß! AUF DIE scheißSICHERHEIT – Ich reg mich eh nicht auf – Hack, hacke mir erst mal die nächste auf – weiße Einspur – Mit Gravur – Sniff, sniff-es-weg – Wie gelungen – Doch in Wahrheit bin ich nicht mehr als der Qualm in meinen Lungen – Dauerkette. Zug um Zug.

com. dreh dich weg. Schräg hier drinnen. Ich sehne mich nach Bier in mir. Das Geld läuft aus. Aber dafür etwas anderes in mich hinein. Alles Übung. Sauf.Suff-Verein(t). Schwer kein Schwein zu sein. Aber was eben Ballast … Jetzt-bin-ich. Wirt der Euphorie. Ich geh. Noch ma’. Und sieh! – Ich zieh. Ich seh’s im Spiegel. Überall. Und steh’ über dem All. Tag: ich trag ihn in der Nacht noch besser – wie ein’ Anzug. Nur aber nicht mit Fassung und Fasson. Wie alle jungen Huskys bin ich am zieh’n. Und lass die ander’n schieben! Übertrieben. Ich bin ein Alpha und Genie. Ausdrucksstark, wenn auch leer. Daher …

Ich verabscheue – Dehn-Mangel – Die ZEIT BÜST EIN Unbewegt am Tresen. Koksdraufgänger umgeben mich. Nich’ wie ich. Posen sich gegenseitig – an und zu. Ich stoß sie aus meiner Wahrnehmung heraus. Sie hinterlassen keine Leerstellen – oder Lücken. Kontrolle. Check. Kragen hoch. Nasenspray auf Tasche. So’ne Sache. Wie viel Schi-Schi im Umlauf is’.   Edelnuttenmaterial zu Hauf. Auf nylonweichen langen Bein’. Alle samt – so unwürdig – aber, hergerichtet, ausstaffiert – De-evolutioniert. Kann man nicht immer – aber manchmal kann man doch so sein. Ich fühl’ mich fein. Und zwinker’ … nein ich blinzle nur. Eine Träne, schwer wie Teer. Woher?

Mein Gott … was bin ich … herrlich … übermasturbiert … oberflächlich … aber … abgeflacht … – jetzt zieh ich mir nochma’ ihre Brüste rein. Sie neben mir, kommt näher ran.

Cobra-Koks. My mind is ugly. – Sind die gemacht – frag ich – Ne.Also,ja – warnt sie – ABER real – meint sie – Mich geht langsam nichts mehr an – das mich – “B” – Trifft – Denk ich? – Treffer! Meine Unsicherheit – Aber – klar – Klarer – Clarisé – Ist ihr Name – Sie – Sie ist nur Hülle – Wie wir alle – Der Rest – Unsichtbar.  Dong-Dong – Dong.Dong – Langt – Flach, aber nach innen hin – Zu lange wach – Das kommt schon hin.

Und ICH – mittendrin. Voll-drauf. Seelenscherben – schaufle ich die Splitter auf?  Wie die Faust am Kinn. Mittel nehmen. Ist son’ Mittelding von mir. Aber ich bin nich’ drinn’ in mir. Fünf Bier schon. Voran geht’s weiter. Und der Rest kommt noch … nach. Hinterher. Nicht schwer. Ich fühl mich leicht. Und Leer. Er. Aber das bin ich – dort. Im Spiegel. Sieht immerzu gleich … und dann auch anders aus. Ich hol den Scheiß aus meiner Tasche. Sie mir währenddes – Alice war ihr Name? – den Hals ableckt. Dann das Ohr. Ich kneif ihr in die eine Brust. Sind echt nicht echt. Und sie nicht schön.

– MATT-Schick. Omega-Mama – Ich reiß die Fresse auseinander. Mund auf Mund. Zu. Dann auf. Ihr Zunge, lang und zu agil. „Wie viel?“, fragt sie. „Was?“, entgegne ich „…ich für dich ausgeben will?“, plärr ich, vor steroiden-egonomalem vollblind Aktionismus. Sie stiert mich wütend an. man-man-man. Mein Mundraum fühlt sich an, als hät’ ich Lepra. DIE AUFZUCHT AUFGESPART. PARALLEL-Prall.

Rausch-Nomade / ich lass sie dort verpeilt verweilen / mit Schlüppi zwischen den Knien / WHAT A QUEEN / Daddys braune Braut, war früher auch mal Mädchen / mit Träumen – oder so / doch was soll’s / wo bleibt ihr Stolz / und warum erkauf ich mir den meinen, durch den ihrigen Verlust / zu deep / mehr Drink /

ichtrinktrinktrinkundtrink. wo-wo-wieso wird mir nicht wohler. ich bestelle W. mit Cola drin. PLASTIKFLEISCHKONSUMENT. Wer brennt, der rennt / und rennt / und NICHTS das leuchtet – und ich denke über mich – wenn ich rein-komm irgendwo, sollte man prophylaktisch den Frauen hin und wieder mal den Schritt auswischen – zwischendurch.  :::::::::::::::D Wohin mit all der übertriebenen eigenen Liebe? Es wird nicht lang und länger. Sondern schneller. Wieder Klo … Ich schiebe. Die nächste Line wird mein sein. Wär ich Rapper. Aber das ist Koks – da-vor-mir. Und ich hasse mich. Und hasse weiter.

Nur gut wenn man ein echter Wrestler ist, wie ich. Der glaubt, die Realität sei nur gestellt.

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Trystess

Immer waren es die gleichen paar Gestalten, an denselben Plätzen, an denen er gruß- und blickkontaktlos vorüberzog. Nach und nach füllten sich die Reihen. Die Spätschicht zeigte ihr feierabend-melancholisches Gesicht. Alle rochen nach Schweiß, Bratfett oder Benzin. Kein Lächeln war zu sehen, nur ausgeblichene und schlaftrunkene Gesichter, die, bei kurzer Sicht, sich selber in der Reflexion der Scheibe anstarrten oder der Welt dahinter gelangweilt beim Vorüberziehen zusahen. Nur kurz blickte Jabo auf, als sie in den Bus einstieg.

Auch von ihrem Tag war nicht mehr übrig, als ein langer Heimweg und ein leeres Zimmer, das halb-kalt auf sie wartete. Auf aufgequollenen Sohlen stemmte sie sich jetzt gegen das Schlenkern der Busmade, die sich durch die Großstadt fraß. Jeder noch freie Sitzplatz schien den eindeutigen Intimbereich des daneben Sitzenden zu verletzen, die, voller Ablehnung scheinbar, sie absichtlich zu ignorieren suchten und nicht einmal ihre Taschen beiseite nahmen. Einzig Jabos kurzer Blick, während er sich die verschwitzten Haare aus der Stirn strich, zeugte nicht von Widerstand.

Ihm sackte der Magen in die Hose, als sie sich setzte. Selbst der süßliche Schweißgeruch, hinter ihrem etwas zu strengen Parfüm, war angenehm. Ein Teil ihrer langen Haare legte sich ihm auf die Schulter.

„Entschuldigung!“, sagte sie, hinter ihren auf die Spange beißenden Zähnen, während sie sich die Haare zusammenflocht, ohne ihn dabei anzusehen. Er aber sagte nichts, blieb regungslos. Er wusste nicht, was dort gerade mit ihm geschah. Ihm wurde schwindelig. Wie schön sie war – auch wenn sie äußerlich nichts auszustrahlen schien. Sie schlug ihre Beine übereinander und legte den Kopf zur Seite. Jabo sah, wie dreckig seine Fingernägel waren und kratze sich nervös am Knie.

Er dachte nur noch an sie. Die Schenkel der beiden berührten sich in den Kurven, ihre Oberarme manchmal auch. Sie derweil schlief beinahe ein. Immerzu sackte ihr Kinn zur Brust, dann wieder schrak sie auf. Auch sie, wenn auch unbewusst, spürte Jabos Nähe, die ihr nicht unangenehm war, nur unerwartet und daher fremd. Sie rückte ein Stück zur Seite, dann schlief sie ein. Er aber litt und war glücklich zugleich. Die sonstige Leere in seinem Leben schien ihm plötzlich unerträglich. Doch hatte sich in ihm die Sehnsucht, ein Wunsch entfacht. Jabo schaute zu ihr und sah, wie ihre Wimpern zuckten. Vorbei an ihrer Nasenspitze, weil er sich schämte, sie zu lange zu beobachten, entgegnete ihm sein Spiegelbild, in der großen Scheibe gegenüber. Er sah verändert aus. Erneut der Blick zu ihr, doch fühlte er sich noch immer hässlich. Resigniert sank er in sich zusammen. Dieser Moment … wenn sie doch nur bleiben würde … bei ihm … für immer. Er träumte davon, einfach ihre Hand zu nehmen. Schon war er fast so weit, es auch zu tun. Der Bus aber stoppte abrupt. Der Fahrer fluchte und hupte. Kurz öffnete sie die Augen. Schon schlief sie wieder ein und lehnte sich dabei mit ihrem Kopf an seine Schulter. Glückseligkeit. Wie unendlich waren die Sekunden. Plötzlich griff sie nach seiner Hand, während ihm eine Träne über die Wange lief.

„Ich weiß nicht, warum – und wie. Aber ich kann hören, was du denkst“, sagte sie. „ … Ich weiß genau, wie du dich fühlst“.

Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange; erwischte dabei eine Träne. So dass der spröde Riss auf ihrer Unterlippe ein punktiertes Kribbeln dort hinterließ – und darum auch Jabos Zunge wieder und wieder an jene Stelle zurück glitt – wie aus Angst sie zu verlieren.

„Komm!“, sagte sie und sie stiegen aus. Es regnete. Sie aber lächelte. Gemeinsam, Hand in Hand, zogen sie entlang der langen, leeren Straße.

In diesem Moment ertönte ein schrilles Geräusch. Jabo erwachte. Gerade schoben sich die Bustüren zusammen. Er sah nur noch eine Silhouette, denn im Bus war es zu hell und draußen stockfinster.


BILD BY: CHRISTOPHER BALASSA

Rendezvous mit Mrs. Winehouse

Das Diva-Dilemmata

Sie war unschlagbar an der Bar und besinnungslos betrunken. Wie ich auch, als sie mir nah und näher kam, mit ihrem wild, weich-nassen Whisky-Lippenpaar. Doch ich rülpste – aus Versehen. Tiefzüglich rauchte ich noch gegen die enorme Übelkeit an, als sie verschwand.

Doch mit jazz-lässiger Geschmeidigkeit kam sie zurück und stürzte sich in meine Arme. Ihr Liebesschlund sog voller Leidenschaft den Qualm aus meinem Mund. Ich blickte ihr verschwommen in die Stecknadelpupillen und bot ihr eine meiner LSD-Pappen an.

„Bist du die ganze Zeit schon drauf?“, fragte sie darauf.
„… Ja, schon …“, nickte ich.
„Zum Glück“, stieß sie erleichtert hervor. Dann steckte sie mir einen weißen Bömmel in die Brusttasche, der so groß wie eine Murmel war. Sofort lief ich los und hackte mir eine Klodeckeldiagonale auf. Mehrfach schrie ich im Männerpissoir vor Schleimhautschmerz und übertriebener Begierde –Sehnsucht auch.
Danach – ließ uns nicht alleine nur die Liebe strahlen.

 

Rauschschmeißer

Woher auch immer, hatte sie sich Kautabak besorgt. Sie schmiss mir ein braunes Lächeln zu. Was sie aber kaute, war eine Camel-Zigarette – ohne Filter.

Wir torkelten danach in den Übergang (Nacht/Tag) hinaus. Denn die Bar hielt uns, und so auch wir sie, nicht länger aus. Hand in Hand – Richtung Highend-Zustand.
Sonnensaufgang.

Wir sahen goldenes Licht sich auf den hohen Häusern winden. Ich fühlte Schönheit. Alles um uns war im Fluss – und wir ein etwas wrackwackelige Kanu-Duo.
Ich nahm sie auf dem Fahrrad mit. Zunächst schlenkerstark, bis eine Art Trance eintrat. Ich spürte ihre Hand, die mir unters T-Shirt glitt. Hin und wieder sah ich in den Schaufenstern, wie ihr pechschwarzes Raabenhaar im Fahrtwind wehte. Das Leben zeigte seinen Happy-End-Charakter.

Sie von hinten schrie: „Fahr uns in die nächste Bar!“

 

Bar-Titania

Als alter Wahn-Veteran kannte ich natürlich, – selbstverständlich, hier und da das ein oder andere niemals versiegende Stammlokal für Speedfreaks und Gespenster. Hier erkannten sie mich – klar. Sie aber begrüßte man mit Küsschen.

Ihr Spermafängerpiercing glitzerte genauso wie ihr verschwitzter Teint, während sie gegen vier Hooligans ansang und sie danach auf aller kritischste Weise zu beleidigen begann, dass selbst ich mich schämte – ja ich, der Mann der Porno-Gravur und -Belletristik, das Unterschichten-Ass, ich, der Mr.-ich-schieß-nur-mit-stinkenden-Platzpatronen-Pazifist und so barbara-Diktator – hätte jetzt auch lieber Minigolf gespielt.

Denn sie schlug direkt als erste zu.

Und als einer der titanengroßen Glatzen-Gringos auf mich zukam, erklärte ich ihm schreckernüchtert sachlich, dass ich mich nicht mit ihm prügeln könne. Er sah grübelnd aus und kratzte sich. „Warum?“, fragte er und hob die Faust.

„Weil ich Tänzer bin …“, sagte ich „ … Ballet.“
Er zögerte tatsächlich. Und ich führte ihm ein paar frei erfundene Choreographien vor.
Bald saßen wir wieder alle ganz versöhnt und aufgereiht auf Hockern beieinander. Jeder redete sich in seinen Monolog hinein.
Ein Imperium der Wölfe.
Und Kokain – der Ego-Imperator.

 

Aus der Ich-Perspektive eines Statisten

Erst sagte sie, sie liebe mich, dann schmiss sie mit der Bierflasche nach mir. Mir wurde plötzlich klar, dass irgendwann ein Abschied unumgänglich war – der bereits bei der Begrüßung begann. So wie mit allem.

Ich sackte am Tresen zusammen, sah mein Bier an. Es wurde schal. Müde Tränen rannen mir über die Wangen.

Allmählich wünschte ich mir sogar ein wenig meiner Nüchternheit zurück. Weil sie jetzt keine Lust mehr hatte, jedes Mal aufs Klo zu rennen, steckte sie erst mir, dann sich einen dicken Bömmel-Klumpen in den Zinken. Die Wirkung kam verzögert und dementsprechend schlagartig. Ein Riss, der durch den Schädel zog.

 

Feuerleiter der Leidenschaft

Doch dann zog sie mich an sich und danach die ganze Vodkapulle an den Mund – wasserleicht wirkte bei ihr Schluck um Schluck. Nach einem zu übermütigen Versuch meinerseits, kotzte ich ihr ins Dekolletee. Es war wirklich nur ein bisschen. Doch sie mutierte zu einer tobsuchtswütenden Märtyrer-Bienenkönigin. Sie prügelte drauf los. Mein Schädel schlug am Tresen auf. Ich in meiner stummen Not, dachte eigentlich, man sehe rot – nicht schwarz. Der Blackout jetzt.

Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich alleine vor und einsam. Mit neutraler Anteilnahme stellte mir der vernarbte Mann hinter der Bar ein Bier vor die gefühlte Waschmaschinensicht. Gierig nuckelte ich an der frischen Bitterkeit. Etwas Licht, gelb und tagesschwanger, drang durch die aufgeplatzte Folie an der Fensterscheibe. Doch ich hielt stoisch an meiner Noch-einen-letzten-Drink-Mentalität fest. Bis plötzlich warme Klänge durch die eiserne Stille drangen.

Sie war noch nicht gegangen. Die Jukebox aus dem Hinterhalt. Sie sang jetzt nur für mich „House of the rising sun“ und sah mich dabei an. Lediglich auf Strumpfhose, tanzte sie wie ein Wellengang auf hoher See dabei. Die Frau war endboss, man!

Ich bestellte uns Whisky-Cola, während sie mit „Purple Rain“ begann.

 

Das Sagro-Phargo Szenario

Wir waren die letzten Lichter der verwehten Nacht. Doch der Tag, bereits erwacht, war warm und kratzig. Ich küsste sie und schwitzte. Ohne Umwege kam es prompt zu spontanem Beischlafverfahren – im Gebüsch.

Ich kam nicht einmal dazu, ihn vorher rauszuziehen.
Wieder auf dem Fahrrad fuhren wir johlend durch Frühschichtstraßen. Neben spieß-steifem Groll sammelten wir auch unzählige Schmunzler ein. Die Sonne jetzt im Nacken, in Richtung Hafen unterwegs.
Sie wurde sofort ohnmächtig, als sie zu gierig an meinem Haschpfeifchen zog. Ich legte ihr meinen Pulli unter den Kopf. Danach sprang ich ins Wasser. Unendlich frische Freude. Doch ich kollabierte fast. Nur knapp rettete ich mich bis ans Ufer. Dann legte ich mich neben sie. Wir schliefen ineinandergekeilt ein.
Als ich mit akutem Sonnenbrand aus meiner Bierbewusstlosigkeit erwachte, war sie verschwunden.

FIN

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BILD by: Aina Pura Muela[.tumblr.com] 

A miserable kind of Creep

ich spüre den kalten windstoß. doch auch die hitze, die aus mir dringt. der raum ist voller menschen, die ich nicht kenne. und auch gar nicht erkennen kann. unmöglich, etwas im blick zu fassen, zu fokussieren. so, wie wenn das scharfstellen nicht funktioniert. alles entgleitet mir: gedanklich, visuell, akustisch. es wabert und zittert um mich herum. unsinnig, sich dagegen zu wehren — unmöglich sogar. ich kenne diesen zustand. nur weiß ich jetzt nicht mehr, woher er kommt. ich brauche zeit. nur ein bisschen zeit. ruhe — das ist alles. es war schon schlimmer. ganz sicher sogar. beruhig dich! bleib locker. alles easy. genau. das is´ es. durchatmen. das kribbeln im bauch. stillstand aber auch. alles blockiert. die unendlichkeit, sie schreit mir ins ohr. besoffene kunde. aber nur ein fremder. seine augen sind ganz ausgefranzt. was will er denn? er soll mit dem gequatsche aufhören. halt doch einfach die fresse, man! bitte, lass mich in ruh. aber die zunge gelähmt. warum nick ich denn? seine einsamkeit erdrückt mich. ich schau stur geradeaus. die zwei da drüben. sicher pärchen. länger schon. sieht man sofort. körpersprache. er am labern unentwegt. sie hört gar nicht hin. genervt. sie dreht sich von ihm weg. sie schaut zu mir. in die augen. aber nicht mich sieht sie. sondern ihre angst. ihren zustand. ihre zukunft. zweifel? jeder hat bedürfnisse. ich sauge ihre gedanken auf — ohne sie zu kennen. sie werden die meinen. komm zu mir baby. setz dich in mich rein. aber er, ihr stecher, er merkt ja gar nichts mehr. die pupillen — tiefe finsternis, geblichen weiß umkranzt. drogenresultat. kaum ein zwinkern mehr. tak tak tak. seine worte im endlos-takt. kein zusammenhang. das seh ich schon, wie sich seine lippen wellen. sprechgestank. schlickschaum, der sich ihm am mundrand sammelt. käsekruste. aber woher? woher bin ich denn gekommen? nach der arbeit in die bar. dann wird alles nur noch unklar. und klarer war auch da. zu viel von allem scheinbar. man müsste mal was machen. aber mir ist schwindelig. am glühen innerlich. impulse. wahrhaftige gefühle gibt es nicht. zwänge, leiden, erziehung. wildes ich. der ausschuss dann in träumen. was die doch alles können. ok, mein junge, irgendwann hört das auch wieder auf. so lang hier einfach sitzen bleiben. scheiße ich will rauchen. kann ich reden überhaupt? die anderen merken eh nix. tun sie nie. nur einbildung. keiner schaut in dich hinein. verborgen und stumm sind die gedanken. der typ neben mir plötzlich, hört auf zu lallen. sinkt in sich zusammen. er murmelt wortlos etwas vor sich hin — vom scheitern, scheint mir. er hält seine bierpulle so, als sei es sein leblos schlapper schwanz, den er da grad anschaut. ich muss hier weg. stoß mir den kopf. scheinbar dachboden — das hier. schritt auf schritt. wie auf wolken. langsam komm ich voran. ich — oder er mich, rempelt an. kein streit. nur entsetzen. beiderseits. der typ ist drauf. wie ich halt auch. aber von was anderem. man siehts. die poren weit geöffnet und die adern schlagen ihm die stirn entlang. japsend wie ein überfressenes dackelvieh. unter dem flaumigen bart die pickeschicht. ich mag ihn nicht. von anfang an. da wird er munter. auf einmal bier in meiner hand. wir stoßen an. ob ich nicht der und der sei. weiß ich nicht, sag ich. die dort vorne, die da lächelt. bekannt — vielleicht. irgendwie. wie wir uns jetzt vor uns sehen und stehen. sie schwankt. ich halt sie an. wie frech du bist. das stimmt. und du — besoffen halt. hab ich das laut gesagt? vorbei an ihr. ich setz mich in die küche. weil auch … ich kann nicht mehr. aufschlag now. 68 die euphorie vorbei. wenigstens ist hier die mucke gut. die crowd da oben tobt. und stampft. zu technoarsenal, das aus den boxen knallt. methodisch widerlich. ich spüre drang. das urinal aber besetzt. die schlange lang und redselig. und wir, ich schau — mindestens im sechsten. kein weg am stück — für mich. in diesem zustand jetzt. gefangenschaft. ich piss ins waschbecken und keiner merkts. wieder sitzen. besser ist´s.

Wenn wir Fleisch sind

Selbstauflösung ist ein schleichender Prozess. Der lebende Beweis — zu meiner Rechten. Der Typ. Ich schau ihn an. Voll das Gemüse. Abgekackt, aber total. Ich erkenn´ dich Bruder, keine Sorge. Aber heute keine Lust auf Schwermut. Blech-und-brechleierndes Gelaber. Lieber setzt ich mich zum Automaten; spiel `ne Runde. Die vielen bunten Licht und das bisschen Aussicht auf klein-wenig Glück; die einzige vielleicht…

Hoffnung.

Hoffnung.

Doch nicht.

Futsch!

Doch pfuschen ist menschlich — denk ich.

Wieder am Tresen, trink ich vom letzten Geld weiter fleißig flüssig-(en) Trost. Doch plötzlich zwei Schnaps vor mir. Und der Blick der Kellnerin. Ein Abendmahl. Ein Untergang. So viel Sehnsucht ohne Sinn, auf beiden Seiten. Sonst immer tut sie, als sei sie eiskalt und unnahbar. Die Steinfrau aus Eis-Beton. Und nun auf einmal dieser ganz zärtliche, fast wehmütige Gesichtsausdruck.

— bist ja voll das Kätzchen

sag ich.

Wir stoßen an. Doppelschnaps. Ekelhaft. Aber geht trotzdem. Und wird besser mit der Zeit — so, wie mit allem. Vielleicht auch nicht. Wahrscheinlich ist es lediglich meine Gleichgültigkeit. Stumpfsinn — und die ausbleibende Gegenwart; das Gegenteil der einzigen Chance.

Eben.

Hauptsache ist, sich auch mal ´n bisschen locker machen. Und siehe da, sitzt sie schon direkt neben mir.

— komm, wir rauchen erst ma´ eine … Schatz!

— wie manipulativ du bist, ekelhaft

sag ich.

Gefällt ihr gut. Auch wenn sie´s nicht gerne zeigt. So als müsste ich mir jetzt besonders viel Mühe geben — so auf die Art halt.

Aber wer bin ich denn — denk ich — mich zu echauffieren? Seelisch behindert sind wir doch alle irgendwie.

— sag ma´… stehst du eigentlich auf mich?

frag ich, sichtlich unerwartet.

Wir fallen einander in die Augen. Wer kann am längsten ohne wegzuschauen.

— krass! Aber ich muss trotzdem wieder an die Arbeit.  

sagt sie, schon im Gehen. Und fügt hinzu:

— und außerdem … warum sind´en deine Pupillen nun schon wieder so groß? Irgendwie trau ich dir nicht.

D´accord.

Vielleicht auch besser so.

 

so barbara  

— Im verkacken bin ich King —

Dickradation

Ich erinnere mich daran, dass ihre Muschi ein wenig wie feuchte Nüsschen roch.
Meine Nase steckte in der nasstriefenden Falte zwischen ihren Beinen und meine Zunge bearbeitete das Modrige. Sie behauptete, dies sei die einzig sinnvolle Methode, mich zum Schweigen zu bringen. Da hatte sie vielleicht Recht, auch wenn ich ihr ein paar Dinge hätte erklären sollen. Die Frequenz und die Lautstärke ihres Stöhnens wurde immer heftiger. Ihren Arsch mir ins Gesicht gestreckt, dockte ich wieder aus. Die pralle Ansicht ihres weißen Hinterteils, sah genauso aus wie der hell leuchtende Vollmond, der durch das Dachschrägenfenster auf uns nieder schien. Direkt schlüpfte ich in sie hinein. Ihr warmer Votzentempel empfing mich königlich. Sie machte die Bewegungen und ich hielt still. Ich kam nicht drum herum, mir vorzustellen, dass es der Mond war, der mir da gerade einen blies. Immer wieder saugte er an, bis zum Schaft, ohne Würgen und ließ lediglich ein schmatzendes Geräusch verlauten. Ich holte den alten Feuchtschlitzsoldaten aus seinem Unterschlupf. Ihre Mösenbrühe ließ meinen Schwanz glitzern. Noch immer funkelte er, wie ein Wienerwürstchen in Aspik.Augenblicklich fühlte ich mich zurückversetzt in den Moment, als ich ihr knackiges Jungfernhäutchen zerfetzte (Kirschentkernung). Aus pädagogischen Gründen ließ ich mir hinterher alles feinsäuberlich wegschlabbern. Ihr Anblick danach hatte etwas von einem Clown.

Jetzt aber zögerte ich etwas zu lange. Sie lag bereits wieder auf dem Bauch. „Leg dich auf mich“, sagte sie. Dies war zwar nicht meine bevorzugte Variante der Rückseitenbespachtelung, dennoch zeigte sie sich hinterher immer durchaus erkenntlich.

Als ich auf dem Rücken lag und sie auf mir, ging sie sofort in die Hocke.

Ich liebte den Anblick des nassen Brötchens, dass sich immer wieder über meine Fleischbewaffnung stülpte. Doch bevor sie sich hatte umwenden können, war ich bereits in ihr gekommen.
Unserem Ritual getreu, stellte sie sich auf, direkt über meinem Gesicht, und presste die Ejaksuppe heraus. Heiße Tropfen der Liebe besprenkelten mich.Ich wusch mir das Gesicht und ging runter in die Küche.
„Und hast du deine Schwester ins Bett gebracht?“ fragte meine Mutter.


BILD BY: Cora Sprengel

(=[B-&-R-Kenntnisse eines Strippers]=)

„Ich zerstückelte, und tupperte sie hinterher fein säuberlich, im Tiefkühler, ein“.

Wo es gewiss nicht immer einfach war (und oft sehr schlecht lief zwischen uns) — nichts läge mir ferner, als mich hier zu beschweren oder gar zu jammern; ach wo!
Mama war eben, in jeglichen Belangen, schon so lange wie ich überhaupt nur denken kann, eher sehr-sehr intolerant allen Männern gegenüber [eingestellt], beinahe feindlich, will ich meinen; mich leider mit eingeschlossen. So erwies sich nicht einmal das Band der Familie ihr hinreichenden genug, auch nur eine einzige Ausnahme diesbezüglich zu akzeptieren. Im tiefsten Grunde ihres Herzens, davon bin ich (bis) heute überzeugt — hasste sie mich. Maßregelnd und misshandelnd erzog sie mich daher, gewissermaßen stets unter der unabdinglichen Prämisse, dass ich ein Arschloch sei, bereits von Anbeginn und Geburt an. Weil ich Mann war; tja. Wie schon mein Vater — was beinahe erschreckend war.

… mein Vater [1]
???
[1] Mutter erzählte oft, ich sei als Waise zur Welt gekommen — oder variierend manchmal, dass mich aus dem Zoo entflohene Affen einfach auf ihrer Türschwelle abgesetzt hatten. 
Sie habe mich lediglich aus purem Mitleid adoptiert. Was mir auch lange Zeit durchaus plausibel erschien; genau wie der Ge-
brauch der Leine um meinen Hals, wenn wir unfair flanieren gingen.

Man stelle sich bloß einmal meine Verwunderung vor, wie er eines Tages, unerwartete,  leib- und wahrhaftig dann doch vor mir stand. Was sich rein zufällig, wie ich nach der Schule, am Schalter eines jener „furchtbaren“ Fastfood-Ressentiment-Restaurants stand, deren Besuch mir natürlich strengsten untersagt geblieben war [Mutters „pc“-Wahn!!!]— als er sich endlich zu erkennen gab und sagte: „Kann ich sonst noch etwas für dich tun, mein Sohn?“
Ich war zu Tränen gerührt.
„Papa?!“, stammelte ich.…


FORTSETZUNG FOLGT

Euphoria

Als rinnen meine Tränen hinter ihr am Fenster nieder. Wie Regen. So sah ich zu [ihr]. Sie sagte nur: du bist der perfekte Mann für mich. Und ich wünschte mir nichts sehnlicher, als dass sie das nicht gesagt hätte. Ohne aufzusehen entgegnete ich deshalb: irgendwas zerstört mich. Was denn? Das hier. Ich liebe dich, sagte sie. Ein Riss. Jeder sah zum anderen. Doch auf einmal so viel Licht. Sie meinte mich. Aber nicht ganz. Nur das, was unlängst Abschied nahm. Komm her und küss mich, sagte sie. Ich wollte nicht. Doch setzte ich mich neben sie. Wie wahr alles war — war.
Ein Kuss legte sich mir auf die Stirn. Ganz leise reichte meine Trauer ihr die Hand. Im Grunde konnten wir uns diesen Moment der Ruhe gar nicht leisten. Doch ich badete bereits in einer Wanne voller Kerosin. Ihre Lippen, die mich suchten, schienen feuerrote Flammen.
Wir werden es niemals schaffen, oder? — fragte ich, schon vollends entflammt. Ausgebrannt.
Ich denke … nicht.
Bald saßen wir beide wieder gemeinsam — allein da.

s.b.

Phall-um

Kaum wohl hätte der Tag schöner sein können. Allem verlieh die Sonne einen goldenen Teint.
Und wie ein sterbender Stern, in seiner aller-[aller]-letzten Blüte, leuchtete auch Herr Sarakusch; von sich aus. Dieser machte einen kurzen Abstecher beim Juwelier und kaufte dort einen Ring — einen ganz besonderen [Ring] sogar.
Mit euphorischem Schritt und jubilierenden Gebärden bog er lustwandelnd in die Wohnungssiedlung ein, die, gepflegt, akkurat und so ordentlich, in ihrer Gesamtheit, nur der Glanztat eines über jahrzehntelang-, überambitioniert-, gepflegten Spießertums zu verdanken sein konnte. Zur Mitte jener Straße gelegen, betrat Herr Sarakusch dort nun das Haus seines alten Freundes — Werner Lang. Dieser schien offenbar, nicht ganz grundlos, argwöhnisch zu werden. Schon allein die Begrüßung, von Herrn Sarakuschs Seite her, war beinahe feierlich und auffallend ausgefallen [aus gefallen].
Außer den zusammengewachsenen Augenbrauen und der dunklen, behaarten Warze, direkt rechts neben der Nase, erinnerte sonst weiter nichts mehr an den alten Kumpanen, dachte Herr Lang. Doch gemäß des etablierten Ritus, setzten sie sich, wie immer, und schwiegen sich, bei einem Tässchen Kaffee, in der Küche an. Das nur sehr schwer an Fahrt gewinnende Gespräch kreiste unablässig um überaus Banalitäres. Ein im Subtext (mit-)schwingender Unterton der Ungeduld, brach immer mal wieder, schubweise, durch die Gebissoktaven-Arie der Altherren-Konversation hindurch.
So hatte Herr Sarakusch ja bisher absichtlich auch jeden Bezug auf Jessie zu vermeiden gesucht. Er wusste ganz genau, dass sie irgendwo, hier im Hause war. Allein schon der Gedanke daran, an sie — ließ sein Gesicht jetzt erneut auf funkeln. Seinem Freund, dem Herrn Lang jedoch, wurde die ganze Situation nun allmählich allzu bunt, und unangenehm ebenso. Eine Vermutung bemächtigte sich seiner, die, wenn auch sie lächerlich erschien, in einem unweigerlichen Gefühl der Eifersucht mündete.
„Und was hast du heute noch vor?“, fragte er, so wie ganz nebenbei und nebensächlich.
So früh jedoch, hatte selbst Herr Sarakusch die Zäsur nicht zu erwarten gewagt (wenn auch der Gleichen zu erwarten war…). Doch war es ihm nur recht, entschied er jetzt.
„Ich möchte Jessie fragen … also, sie bitten, meine Frau zu werden — wenn es ihr recht ist“, erwiderte Sarakusch darauf.
Lang nun, schien einem durchaus cholerischen Anfall nah zu sein. Hass sickerte aus seinem Augental [hervor], während seine Falten sich zu einem tosenden Meer der Wut aufwühlten. Alles, was er sagte, war jetzt plötzlich wie heiser, undeutlich und ohne Klang. Lange daraufhin, hatte Herr Lang seiner Hasstirade nicht mehr Einhalt zu gebieten vermocht. Dennoch, Herr Sarakusch hingegen, blieb weiterhin völlig stumm.
Die Anstrengung und offensichtliche Wirkungslosigkeit seines Gebarens jedoch, zwangen Lang bald zu einer abrupten Räson. Ihm war, als wenn er in einem ominösen, inneren Sumpf einsinke. Absolute Resignation zeichnete sich auf seinem Dackelgesicht ab, während Herr Sarakusch, mit seinem breiten Mund, fast einer Kröte gleich, ein stoisches Lächeln irgendwie beibehielt. Doch auch er fühlte sich zunehmend erschöpft, bemerkte er seit längerem bereits. Etwas, irgendetwas — musste geschehen.
Die beiden saßen sich jetzt, fast aufrecht und manierlich, wieder gegenüber.
„Das müssen wir doch wie Männer klären können“, warf Herr Sarakusch ein. Mit haltlosem Gesichtsausdruck sammelte Lang noch immer die Luft um sich herum ein.
„OK, Götz , ich sag dir jetzt mal was, was früher schon mein Bruder zu mir gesagt hat — geh dir einfach ma´ ein wichsen, wenn du es nicht mehr zurückhalten kannst!“, sagte Lang.
„Mach dich nicht lächerlich, Werner!“, entgegnete ihm Sarakusch, mit einem nahezu verachtungsvollen Blick.
„Was will denn ein Mann in deinem Alter mit einer solch …?“, doch Lang stockte, und spürte, wie dieser Satz sich jetzt schon in seinem Hals, wie von selbst verschlang. Auch er war doch bereits 73, Jessie nun gerade einmal 26. Ohne aber, dass er es sich selber einzugestehen wagte, erschien ihm die Vorstellung, den nur zwei Jahre älteren Sarakusch zusammen mit einer so jungen und wahrhaft, wirklich bildhübschen Frau, wie Jessie, zu sehen oder sich bloß die beiden zusammen vorzustellen etwa, geradewegs lächerlich — absurd beinah. „Wie kommst du überhaupt … ich meine … dass sie …?“, warf er seinem vermeintlichen Freund (dem Sarakusch), daher nun vor.
„Ich weiß es einfach“, entgegnete dieser, offenbar etwas selbstsicherer sogar noch, als zuvor.
Tatsächlich hatte Jessie ihm gegenüber immer wieder gewisse Andeutungen gemacht. So zumindest — nach seiner Interpretation. Regelmäßig war ihm das junge Ding auf den Schoß gehüpft, sobald sein „Freund“ den Raum verlassen hatte. Dann streichelte Sarakusch ihr über die Wangen und tätschelte ihr Knie. Schüchtern und ein wenig pikiert, lachte Jessie dann verstohlen und unter vorgehaltener Hand auf, wie eine kleine Maus, der man die Luft abzwang. Was Jessie jedoch da mit ihm veranstaltete, war im Wesentlichen doch nur ein Spiel gewesen. Denn, die Geil- und Lüsternheit alter, potenzversiegter Männer zu beschwören, war ihr schon seit frühster Jugend her ein vertrautes Meisterstück der Koketterie — und durchaus auch lukrativ, wie sich zeigte.
Werner Lang zum Beispiel war, trotz seines hitzigen Gemüts, ein fürsorglicher Partner und nahezu unbewaffneter Liebhaber. Auch an Geld mangelte es ihm nicht, nur wurde er zunehmend zuletzt geiziger. Daher auch die, wie zufällig lippennahen, Küsschen auf Götz Sarakuschs Wangen, ab und an, die dazu geführt hatten, dass dieser jetzt glaubte, die dunklen Stunden seiner Einsamkeit seien endlich gezählt.

Werner ging zum Waschbecken um ein Glas Wasser zu trinken. Doch das stille Glimmen der Raserei bemächtigte sich seiner erneut. Ohne weiter darüber nachzudenken, griff er nach einem großen Messer aus der Besteckschublade. Sein Herz schlug jetzt in einer Frequenz, die einem Maschinengewehr gleichkam. Götz Sarakusch blickte ungläubig und etwas entgeistert seinem Freund mitten ins Gesicht — dann zum Messer, wieder ins Gesicht, dann wieder zum Messer hin. Eine eisige und steinharte Maske hatte sich über Werner Langs verkümmerten Stolz gelegt, wie nun seine Augen zu lodern begonnen hatten. Der Götz (Sarakusch) richtete sich auch auf. Wahrhaftig fuhr ihm nun ein fürchterlicher Schauer durchs Mark, wie er die dämonische, wahnsinnige Fratze seines Konkurrenten auf Augenhöhe gewahrte. Noch immer war die Spitze des Messers unheilvoll auf ihn gerichtet. Es herrschte eine grauenhafte Stille, um sie beide herum. Die lediglich durch das lebensschwere, alternierende Atmen der beiden Widersacher unterbrochen wurde. Werner aber verspürte plötzlich einen brennenden Schmerz in seiner Brust. Fast schon taub fühlte sich die linke Hälfte seines Körpers an. Auch wurde ihm das Messer plötzlich unfassbar schwerer, während gleichzeitig seine Hand niedersank. Mit dem Ellenbogen stützte er sich gerade noch auf der Spüle ab.
Götz erkannte erst jetzt, was dort genau vor ihm eigentlich geschah. Der verkrampfte Ausdruck im Gesicht seines Gegenübers ließ ihn zur Besinnung kommen und ihm entgegeneilen. Werner aber blickte bereits in tiefe Finsternis. Und als Götz ihn an der Hand berührte, da — stach er zu.
Beinahe schmerzlos glitt die lange Klinge durch das weiche Fleisch am, und um den Nabelrand. Götz fasste sich dort, nun an den Bauch. Seine Hände waren voller Blut, sah er. Auch ihm wurde es allmählich bedrohlich schwer sich aufrecht zu halten, bis er bald nur noch den pechschwarzen Grund der Unendlichkeit (vor sich) sah. Fest hielten sich die beiden umschlungen, während sie gemeinsam niedersanken und zugleich dann, von der Dunkelheit ins Licht schwammen.

***

Zur genau jenem Zeitpunkt lag Jessie noch immer in ihrem Bett und genoss ihr eigenes Stöhnen. Und dachte dabei an ihren Stecher; Antoine.


BILD BY: Christopher Balassa

FÜR R.

Wunderschön schoss ihr manchmal das Blut zu Kopf, wenn ich sie zu lange ansah. Ihre Augen glühten dann wie geschmolzenes Metall. Leider immer wieder fragte sie dann „What?!“ und nicht ein einziges Mal fiel mir das Wort Liebe (love) rechtzeitig ein.

Allein schon ihr Geruch veränderte meinen Puls. Wenn sie nachts neben mir lag ohne dass ich sie berührte, verbrannte mir beinahe schon das Herz. Mir war nicht klar, dass Schönheit fühlbar ist. Ihre Aura, die mir lichterloh zur Seele griff, stahl mir den Schlaf. Wie eine schwarze Perle ruhte sie, nur eine Armlänge entfernt — und atmete. Alle meine Sinne sehnten sich nach ihr. Doch nicht einmal im Traum vermochte ich, ihr nah zu sein.

Beim Frühstück sollte ich ihrer Mutter von mir und meinem Leben singen. Sie fragte mich, ob ich zu Hause eine Freundin hätte. – No –
„And…did you fall in love?“
Weder hätte ich zögern, noch sie belügen können. – Yes –

Auch sie saß mit am Tisch und wir schauten uns schüchtern, wie kleine Kinder an.

Nur mit Daumen und Zelt zog ich danach eine Woche durchs Land. Als ich wiederkam, hatte ich beschlossen, meine Liebe für sie einzufrieren. Mit warmen Wind schlug mir die Befreiung ins Gesicht. Der Tag, den wir darauf verbrachten, wird wohl für immer einer meiner schönsten sein. Alle, die uns sahen, schauten uns ganz voller Liebe an. Wir leuchteten im Park.

Bei einer geteilten Pizza nannte ich sie (eher aus Versehen): „the one“. Sie verwies mich auf den Wahrheitskern eines jeden jokes. Ich sagte ihr ganz im Ernst, dass ich nicht scherze.
Etwas später, nachts, vor dem Sandwichladen sagte sie, etwas müsse raus.

Dann sollten wir wohl schnell nach Haus.
Sie lachte, denn sie meinte nicht die Blase — sondern uns. Wir beschlossen Einigkeit — in der Liebe und der Angst.
Auf dem Heimweg hielt ich ihre Hand und unter grüner Ampel küssten wir uns.
„… die now!“, sagte sie und strahlte dabei, wie das Rot über ihr.
Am nächsten Morgen schon wusste ich — es war vorbei.
Jetzt gab es nur noch Worte ohne Klang. Der Abschied war fürchterlich. Hinter der starken Maske war ihr Blick ein einziges Aufkommen von Liebe. Ich drückte sie noch einmal ganz fest an mich. Ihre Haare rochen wie Kaugummi.
Mein Herz zersprang in tausend Teile.

FIN