Phall-um

Kaum wohl hätte der Tag schöner sein können. Allem verlieh die Sonne einen goldenen Teint.
Und wie ein sterbender Stern, in seiner aller-[aller]-letzten Blüte, leuchtete auch Herr Sarakusch; von sich aus. Dieser machte einen kurzen Abstecher beim Juwelier und kaufte dort einen Ring — einen ganz besonderen [Ring] sogar.
Mit euphorischem Schritt und jubilierenden Gebärden bog er lustwandelnd in die Wohnungssiedlung ein, die, gepflegt, akkurat und so ordentlich, in ihrer Gesamtheit, nur der Glanztat eines über jahrzehntelang-, überambitioniert-, gepflegten Spießertums zu verdanken sein konnte. Zur Mitte jener Straße gelegen, betrat Herr Sarakusch dort nun das Haus seines alten Freundes — Werner Lang. Dieser schien offenbar, nicht ganz grundlos, argwöhnisch zu werden. Schon allein die Begrüßung, von Herrn Sarakuschs Seite her, war beinahe feierlich und auffallend ausgefallen [aus gefallen].
Außer den zusammengewachsenen Augenbrauen und der dunklen, behaarten Warze, direkt rechts neben der Nase, erinnerte sonst weiter nichts mehr an den alten Kumpanen, dachte Herr Lang. Doch gemäß des etablierten Ritus, setzten sie sich, wie immer, und schwiegen sich, bei einem Tässchen Kaffee, in der Küche an. Das nur sehr schwer an Fahrt gewinnende Gespräch kreiste unablässig um überaus Banalitäres. Ein im Subtext (mit-)schwingender Unterton der Ungeduld, brach immer mal wieder, schubweise, durch die Gebissoktaven-Arie der Altherren-Konversation hindurch.
So hatte Herr Sarakusch ja bisher absichtlich auch jeden Bezug auf Jessie zu vermeiden gesucht. Er wusste ganz genau, dass sie irgendwo, hier im Hause war. Allein schon der Gedanke daran, an sie — ließ sein Gesicht jetzt erneut auf funkeln. Seinem Freund, dem Herrn Lang jedoch, wurde die ganze Situation nun allmählich allzu bunt, und unangenehm ebenso. Eine Vermutung bemächtigte sich seiner, die, wenn auch sie lächerlich erschien, in einem unweigerlichen Gefühl der Eifersucht mündete.
„Und was hast du heute noch vor?“, fragte er, so wie ganz nebenbei und nebensächlich.
So früh jedoch, hatte selbst Herr Sarakusch die Zäsur nicht zu erwarten gewagt (wenn auch der Gleichen zu erwarten war…). Doch war es ihm nur recht, entschied er jetzt.
„Ich möchte Jessie fragen … also, sie bitten, meine Frau zu werden — wenn es ihr recht ist“, erwiderte Sarakusch darauf.
Lang nun, schien einem durchaus cholerischen Anfall nah zu sein. Hass sickerte aus seinem Augental [hervor], während seine Falten sich zu einem tosenden Meer der Wut aufwühlten. Alles, was er sagte, war jetzt plötzlich wie heiser, undeutlich und ohne Klang. Lange daraufhin, hatte Herr Lang seiner Hasstirade nicht mehr Einhalt zu gebieten vermocht. Dennoch, Herr Sarakusch hingegen, blieb weiterhin völlig stumm.
Die Anstrengung und offensichtliche Wirkungslosigkeit seines Gebarens jedoch, zwangen Lang bald zu einer abrupten Räson. Ihm war, als wenn er in einem ominösen, inneren Sumpf einsinke. Absolute Resignation zeichnete sich auf seinem Dackelgesicht ab, während Herr Sarakusch, mit seinem breiten Mund, fast einer Kröte gleich, ein stoisches Lächeln irgendwie beibehielt. Doch auch er fühlte sich zunehmend erschöpft, bemerkte er seit längerem bereits. Etwas, irgendetwas — musste geschehen.
Die beiden saßen sich jetzt, fast aufrecht und manierlich, wieder gegenüber.
„Das müssen wir doch wie Männer klären können“, warf Herr Sarakusch ein. Mit haltlosem Gesichtsausdruck sammelte Lang noch immer die Luft um sich herum ein.
„OK, Götz , ich sag dir jetzt mal was, was früher schon mein Bruder zu mir gesagt hat — geh dir einfach ma´ ein wichsen, wenn du es nicht mehr zurückhalten kannst!“, sagte Lang.
„Mach dich nicht lächerlich, Werner!“, entgegnete ihm Sarakusch, mit einem nahezu verachtungsvollen Blick.
„Was will denn ein Mann in deinem Alter mit einer solch …?“, doch Lang stockte, und spürte, wie dieser Satz sich jetzt schon in seinem Hals, wie von selbst verschlang. Auch er war doch bereits 73, Jessie nun gerade einmal 26. Ohne aber, dass er es sich selber einzugestehen wagte, erschien ihm die Vorstellung, den nur zwei Jahre älteren Sarakusch zusammen mit einer so jungen und wahrhaft, wirklich bildhübschen Frau, wie Jessie, zu sehen oder sich bloß die beiden zusammen vorzustellen etwa, geradewegs lächerlich — absurd beinah. „Wie kommst du überhaupt … ich meine … dass sie …?“, warf er seinem vermeintlichen Freund (dem Sarakusch), daher nun vor.
„Ich weiß es einfach“, entgegnete dieser, offenbar etwas selbstsicherer sogar noch, als zuvor.
Tatsächlich hatte Jessie ihm gegenüber immer wieder gewisse Andeutungen gemacht. So zumindest — nach seiner Interpretation. Regelmäßig war ihm das junge Ding auf den Schoß gehüpft, sobald sein „Freund“ den Raum verlassen hatte. Dann streichelte Sarakusch ihr über die Wangen und tätschelte ihr Knie. Schüchtern und ein wenig pikiert, lachte Jessie dann verstohlen und unter vorgehaltener Hand auf, wie eine kleine Maus, der man die Luft abzwang. Was Jessie jedoch da mit ihm veranstaltete, war im Wesentlichen doch nur ein Spiel gewesen. Denn, die Geil- und Lüsternheit alter, potenzversiegter Männer zu beschwören, war ihr schon seit frühster Jugend her ein vertrautes Meisterstück der Koketterie — und durchaus auch lukrativ, wie sich zeigte.
Werner Lang zum Beispiel war, trotz seines hitzigen Gemüts, ein fürsorglicher Partner und nahezu unbewaffneter Liebhaber. Auch an Geld mangelte es ihm nicht, nur wurde er zunehmend zuletzt geiziger. Daher auch die, wie zufällig lippennahen, Küsschen auf Götz Sarakuschs Wangen, ab und an, die dazu geführt hatten, dass dieser jetzt glaubte, die dunklen Stunden seiner Einsamkeit seien endlich gezählt.

Werner ging zum Waschbecken um ein Glas Wasser zu trinken. Doch das stille Glimmen der Raserei bemächtigte sich seiner erneut. Ohne weiter darüber nachzudenken, griff er nach einem großen Messer aus der Besteckschublade. Sein Herz schlug jetzt in einer Frequenz, die einem Maschinengewehr gleichkam. Götz Sarakusch blickte ungläubig und etwas entgeistert seinem Freund mitten ins Gesicht — dann zum Messer, wieder ins Gesicht, dann wieder zum Messer hin. Eine eisige und steinharte Maske hatte sich über Werner Langs verkümmerten Stolz gelegt, wie nun seine Augen zu lodern begonnen hatten. Der Götz (Sarakusch) richtete sich auch auf. Wahrhaftig fuhr ihm nun ein fürchterlicher Schauer durchs Mark, wie er die dämonische, wahnsinnige Fratze seines Konkurrenten auf Augenhöhe gewahrte. Noch immer war die Spitze des Messers unheilvoll auf ihn gerichtet. Es herrschte eine grauenhafte Stille, um sie beide herum. Die lediglich durch das lebensschwere, alternierende Atmen der beiden Widersacher unterbrochen wurde. Werner aber verspürte plötzlich einen brennenden Schmerz in seiner Brust. Fast schon taub fühlte sich die linke Hälfte seines Körpers an. Auch wurde ihm das Messer plötzlich unfassbar schwerer, während gleichzeitig seine Hand niedersank. Mit dem Ellenbogen stützte er sich gerade noch auf der Spüle ab.
Götz erkannte erst jetzt, was dort genau vor ihm eigentlich geschah. Der verkrampfte Ausdruck im Gesicht seines Gegenübers ließ ihn zur Besinnung kommen und ihm entgegeneilen. Werner aber blickte bereits in tiefe Finsternis. Und als Götz ihn an der Hand berührte, da — stach er zu.
Beinahe schmerzlos glitt die lange Klinge durch das weiche Fleisch am, und um den Nabelrand. Götz fasste sich dort, nun an den Bauch. Seine Hände waren voller Blut, sah er. Auch ihm wurde es allmählich bedrohlich schwer sich aufrecht zu halten, bis er bald nur noch den pechschwarzen Grund der Unendlichkeit (vor sich) sah. Fest hielten sich die beiden umschlungen, während sie gemeinsam niedersanken und zugleich dann, von der Dunkelheit ins Licht schwammen.

***

Zur genau jenem Zeitpunkt lag Jessie noch immer in ihrem Bett und genoss ihr eigenes Stöhnen. Und dachte dabei an ihren Stecher; Antoine.


BILD BY: Christopher Balassa

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Vollkontaktkuscheln

Schon liegen wir in ihrem Bett. Ich schäle sie aus ihrer Kleidung raus. Das Event. Doch etwas zwischen uns, rau und trocken, wie Zement. Es klemmt. Was jetzt? Der nächste Schritt ist ohne Untergrund. Ich reibe meine Lippen noch immer an den ihren wund. Wie ein Abgrund reißen ihr jetzt die Pupillen auf. Der Höhepunkt. Die Hoch-Passion; so plötzlich verebbt. Irgendwie — ist die Sehnsucht leblos, schal, die ihr auf der Zunge steckt. Außer dem leicht säuerlichen Alkoholdunst, dringt noch etwas anderes, sehr unschönes, aus ihrem Mund.

— ich hab ́nen Freund, weißt du? Ich glaub das ist nicht gut für mich —

Ach(!), ders hier Der Klassiker.

Ich hab ́s kommen sehn.
Ich stehe auf, zieh mich an. Mein Blick ihr abgewandt, dringt durch das Fenster, dorthin wo es sonnig auf den Dächer scheint. Doch hier, in ihrer Wohnung, wird es kalt. Und immerzu kälter nur.

— ach, und jetzt gehst du?!
fragt sie das ernsthaft(?); und so vorwurfsvoll.
Ich besinne mich. Sanft reißt mir die Hutschnur durch.

— was bin ich denn?
frag ich, rein rhetorisch. Denn: Fick dich! — denke ich bereits, in Wirklichkeit.

— ́ne scheiß LEIDENSCHAFTSTANKSTELLE, hm?

Keine Antwort darauf.

Darauf der Abgang.

Bye, bye.

 

#so barbara


Bild by: Christopher Balassa

Wenn wir die Beatles wär ́n, wär ́st du Ringo

BINGO! Nur ein kurzer Barbara-Barabstecher.
Und schon bläst sie mich, im Klo. Woher ihre wunderbaren Triebe kommen — kann man nur ahnen. Den nahen Ahnen und deren selbst ungeahnter Anteil am Schlampenentwicklungsstadium ihrer Prinzessin, sei Dank. Dann: Ich komme jovial in ihrem Favela-Mund. Und will nichts mehr von ihr wissen —
danach
— bei meinem eigentlichen Vorhaben besoffen zu werden, sterben einige Kippen im offenen Glassarg vor mir. Bier um Bier sauge ich etwas in mich hinein, das eigentlich raus müsste. Nur wüsste ich nicht: wo anfangen? Doch allmählich werden die Gedanken benommen. Durchaus willkommen, sagt der Alkohol der Nervenüberreizung: “Good-bye”. Schon bin ich dabei, mich mit denen rechts zu unterhalten. Ich bestreite, dass die “Fashion-Week” uns alle etwas angeht. Konkret zeigt sich das frisch verliebte schwule Designer- Paar jetzt distanziert, nachdem ich mich ausgelassen über die mental verhinderte Affen-Illusion und Egoparanoia von Modeinteressierten ausgelassen habe. Ich schlage ihnen vor, nicht immer so bewertend zu sein — vor allem im Bezug auf die Meinung anderer. Vorerst aber kann ich vergessen, von ihnen noch einen Schnaps ausgegeben zu bekommen.
Um nun nicht allzu versucht besonnen zu erscheinen, unterlasse ich es, die eh stummeligen Konversationsansätze voranzutreiben. Und denke — Tunten können ja nur Totgeburten gebären, anscheinend auch verbal. Das ist ganz natürlich.

Lieber unterwerfe ich mich jetzt dem “Einfluss” diverser Alkoholika. Bis der penetrante rechte Flügel zunehmend in meine verkrisselt und verkieselte Wahrnehmung eindringt. Ein Typ, der ziemlich schmierig scheint, ist mit zwei Uschis vom Escort am Start. Eine weint. Die andere will trösten. Ihm ist ́s völlig egal. Offenbar hält er sich für Charlie Sheen. Er probiert so sehr an seiner Ego-Pose rum, dass ihm dabei ganz entgeht, wie seine Selbstachtung versickert und verreckt. Derweil: In mir versickert noch mehr Bier. Bis mir auffällt, dass ich die heulende Frau von früher kenne. Sie war auf meiner Schule. Eine durchaus imposante Gestalt und immer die Schönste in der Raucherecke. Bei einem, ihr zu kümmerlich erscheinendem Nicht-mal-Date mit mir, sagte sie: Wenn wir die Beatles wär ́n, wär ́st du Ringo. Zwar da, aber egal.

Ich bin froh, dass sie mich nicht erkennt. Sie sieht verändert und verbraucht aus, aber immer noch irgendwie schön. Nur schön blöd, wenn man schön ist und die Oberfläche für die Wahrheit hält. Doch das tröstet weder mich, noch sie, noch irgendwen — am Ende … geh ich, ohne sie noch einmal anzusehen. Denn Trost im Stumpfsinn zu finden, ist weder besonders befriedigend, noch vom Karma-Standpunkt aus zufriedenstellend.

Was soll ich machen —
Ich bin ein Köter. Und Köter bellen, beißen aber nie zu, wenn sie sollen.

Der Hurensohn

Emotionslos versickerte der Höhepunkt in ihrem Mund. Wir badeten danach und aßen; kaum ein Wort währenddessen. Ich fühlte mich weder schlecht, noch besser. Alle Emotionen schienen im Rausch verebbt. Meine leere Ecstasyeinstellung allein — nötigte mich geradezu — dazu zu Recht wohl fand ich mich, wieder draußen — allein. Der Winterhimmel stand offen und die Luft war klar. Die Straßen leer. Ich konnte meinen Atem sehen. Die Nacht war bitterkalt und wurde vom blauen Blut des Mondes mit Licht durchströmt. Mein Schatten, den er mir vorweg warf, wirkte missmutig und krumm. Auf dem Weg zum nächsten Keller — Samstag sein. Alle behielten ihre Jacken an. Ein paar Heizstrahler hier und da. Warum war ich überhaupt gekommen? Die anderen, lediglich ich selber nicht — schienen mir erbärmlich. Ein Gedanke, den man direkt bereut, sobald er ausgesprochen ist. Ich setzte mich. Meine Nerven waren zugespitzt. Heut war mir nicht nach Drahtseilakt. Hinter mir ging es um: nackte Aussicht — oder nicht. Carlo hieß er, ich kannte ihn. Er war durchaus geschickt und flirtversiert, nur in seinem Versuch zu ambitioniert. Ich drehte mich um — und sah, dass sie es wert war. Schöne, weiße, glatte Haut und braunes Harr, etwas kindlich, wie sie das Pony über rechtem Lid trug, das sie fortblies hin und wieder. Ihr Körper, der — wow, gottgewollt enorm — und überaus sympathisch war. Weiterhin gut dabei, fragte Carlo sie nach ihrem Namen. — warte, ich hab noch was im Mund (sie schluckte) … Alexia Eigentlich nur für mich sagte ich: — aha! Ah-leck-sie-ja … hahah — ALTER sagte er. Was kann ich dafür. So schnell wie ich kann sonst halt keiner sein. Lucky Luke. Unlucky Me. — und laber´ mich jetzt bloß nich´ voll sagte ich, rein präventiv. Und überließ sie sich einander. Bis sie plötzlich neben mir im Sessel saß. Scheinbar unbeteiligt, doch gewollt nah. Sie lächelte. Ich nicht. Gesprächsneutral wie ich war, konnte mir die Konversationsflaute nur recht sein. Zumindest kamen wir klar. — aber du nimmst kein Droge, oder? — wenn du schon so ehrlich fragst … nein log ich. Sie erzählte. Irgendwas, auch von ihrer Beziehung. Alles leerte sich, während der Keller zunehmend auskühlte. Sie, ganz schmiegsam auf einmal. Mein Vorschlag: — Bar! Sie: — klar Das Taxi auf sie — die Drinks ebenso. Worum geht´s denn schon im Leben, dachte ich, mit Arsch an Heizung, Schluck um Schluck wieder lebendig. Es wurde warm; sehr bald schnapsstark und danach verschwommen — hab nicht mehr allzu viel mitbekommen, muss ich gestehen. DAS WISSEN UM ETWAS. Was macht das schon? Und wie blass kann ein Gedanke vorkommen, bevor er verschwindet. Doch … … ich erinnere mich noch — an das Loch … in ihrer Hose. Und wie ich da erst hin gaffte und dann rein griff. Weiche Haut, wie Porzellan. Ihre Gänsehaut hielt an; Kippe-Schnaps, Kippe-Schnaps dito. Ebenso. Plötzlich sah alles ausgekocht und farblos aus. Mir schwindelte. Ich kotzte fast. Eine weitere Frau, jetzt neben mir. Woher? Ich, in der Mitte, hatte nichts zu melden und blieb stumm. Die beiden klüngelten, um mich herum — an mir vorbei. Wohl so´n Lesbending, dachte ich. — du bist gar nicht cool genug für sie sagte die, die ich nicht mal mehr erkennen konnte. Ja. Ganz sicher — Lesbe; vielleicht beide. Auch egal, wir tranken weiter. Sonst auch — bleibt nichts. Im Vollrausch deplatziert, beschloss ich loszuziehen. — warte kurz. Ich schlaf bei dir sagte sie — draußen dann: — die Alte war echt nervig. … und voll scharf auf dich Ah! — es war Alexia. Wir gerieten nah und aneinander. Beide nackt. Aber sie ließ mich nicht. Kein Freund in Sicht … und dennoch. Wie ein Octopus hing ich an ihr, und versuchte einen Eindrang — durch den Torschlund ihrer Vulva-Wunde, hinein zu ihrem feucht und süßsüffigen Innengrund, vor dem ihre Hand den grimmigen Türstehen mimte, der beharrlich konsequent blieb und meinen stahlhartadrigen pulsierenden blaublutdurchbluteten Aal-Adligen, den Einritt verwehrte. Öl­faktorisch klang ihr Trieb, und stachelte somit umso mehr nur, den meinigen — an. Es roch bereits rings um uns herum nach haarlos, pinkfeinen schöner Ritze — die ich hin und wieder, durchaus von ihr gewollt und absichtlich, zu sehen bekam. Die Situation war nicht gerade überragend. Bis sie mir dann doch vor die Fingerflinte kam, erst der Zeige-, dann der Mittelfinger drin war — sie sich triefend, winden, winselnd vor mir rekelte, wie ein aufgebrachtes Meer dessen Wellen überschwappten und sie sich bis zum Rand der Matratze auf dem Rücken robbte, bis wir auf dem Boden lagen. O-mein-Gott. Ihre genüsslich, wehleidigen nur schwer unterdrückbaren Stöhnarien, während mein Pistolen-Daumen ihrem Anus näher kam. Ich platzte fast. Sie richtete sich sogar auf alle Viere. Doch ließ sie noch immer nicht richtig ran. Ich gab es auf. Fast schon im Schlaf, sagt sie: — dein Schwanz ist schön. Ich würd´ ihn gern … — mach ruhig lallte ich. Der Tag endete mit Licht.


BILD BY: Christopher Balass

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Mehr Jungfrau

Die Bank auf der ich saß, war eingelassen in eine Brücke aus braunen Steinen. Erst jetzt erkannte ich die Meerjungfrau, die rechts über mir ihr Dasein fristete. In ihrer linken Hand hielt sie eine Art Muschelharfe. Was mich aber noch viel mehr irritierte, war das ähnlich wie zwei Beine gebildete Paar Flossen. Ich hatte immer gedacht, Meerjungfrauen besäßen nur eine davon. So hingerissen und fasziniert war ich, dass ich erst verzögert erkannte, wie pikiert die junge Dame über mein unentwegtes Starren war.

Sie stellte klar, dass es da nichts zu gaffen gäbe, ob ich denn keinen Anstand besäße und dergleichen. Eigentlich hatte sie ihr Lied für mich singen wollen, meinte sie, wobei ich mir schon dachte, dass ein einziges Lied doch ein sehr mageres Repertoire sei, aber ich sagte nichts dazu. Ich versuchte klarzustellen, dass es lediglich dem Umstand des Straßenlärms geschuldet sei, dass ich keinen ihrer lieblichen Töne vernommen hätte. Dabei wusste ich ganz genau, woran es lag. Sie war aus Kupfer, oxidiert und grün wie alte Kirchendächer. Wir hatten einen schlechten Start, das sah ich ein, aber jetzt wurde das Ganze allmählich zäh und lästig — viel zu kompliziert. Es war nicht meine Absicht, Gefühle zu verletzen. Ich machte Anstalten zu gehen. Warum ich denn immer fliehen würde, wenn es Probleme gäbe, ob das denn erwachsen sei? Solle das immer so weiter gehen mit mir?

Damit war meine Tarnungsschale aufgeflogen und einzig ein verletzter sensibler Junge blieb zurück. Sie hatte einen Nerv getroffen und gleich erkannt, wie machtvoll sie sogleich auch war. Die Lawine ihrer Vorwürfe rollte über mich hinweg. Jeden Fehler meines begangenen Lebens kramte sie hervor. Das alles hätte man aber auch ahnen können. Denn vom Sternzeichen her war ich Fische und da sollte man immer einen weiten Bogen um jede Art von Jungfrau machen, hatte zumindest meine Mutter immer gesagt.

„Fuck that bitch!“

Der hatte gesessen. Und die Meerjungfrau schien zutiefst verletzt. Brüskiert- pikiert schaute sie drein.
Zu Laurence, der sich mit seiner gelähmten rechten Seite, festgekrallt am Rollator, bis hierher geschleppt hatte. Somit hatte er mich nicht den Krallen, sondern den Flossen der gehässigen Jungfrau entrissen, mit ihrer abgekupferten Sirenentaktik. Ich kannte Laurence noch aus besseren Tagen. Da war er ein begnadet leidenschaftlicher Gitarrist gewesen, hatte sogar mal Jamsessions mit B.B. King und Mr. Slowhand persönlich absolviert — nach eigenen Angaben. Aber ich sah keinen Grund, ihm zu misstrauen. Er wirkte wie eine ehrliche Haut. Jetzt hatte ihn ein Schlaganfall nicht nur um die Hälfte seiner Körperkontrolle gebracht, sondern ihn auch blitzartig um Jahre altern lassen. Früher noch, immer unterwegs, ohne feste Wurzeln zog er durch die Länder. Jetzt saß er hier fest, niemand da, keiner kannte ihn, eingepfercht in einem Heim für Alkis und Abgestürzte. Ein sehr dürftiges Los, mit null Aussicht auf Gewinn und zu allem Überfluss konnte er nicht einmal richtig Deutsch. Seine Locken waren zerzaust und fast vollständig ergraut. Sein Blick war noch voller Aufbegehren. Der Typ hatte noch nicht aufgegeben, aber man sah bereits, wie der Schleier, vom Weißen her, versuchte, sich auf seine Iris und Pupille durchzukämpfen. Sein rechter Mundwinkel, in dem sich immer ein Tropfen sammelte, von dem man erwartete, dass er gleich fallen würde, es aber niemals tat, glitzerte nun im Sonnenlicht. Es würde nicht mehr lange dauern, dann würde er einfach eingehen oder eines Tages, mit dem Gesicht nach unten, zertrümmert vom unbarmherzigen Aufschlag auf unnachgiebigen Asphalt, auf der Straße liegen. Kein Heroismus, nur die Banalität des Lebens. Aber, dachte ich, vielleicht geschehen ja noch Wunder, auch wenn ich es bezweifelte.

„That old fishy cunt can go and fuck herself.“

Die beiden waren jetzt vollends mit sich selbst und miteinander beschäftigt. Und ich witterte endlich meine Chance, einen entsprechend gesitteten Sittich ausfindig zu machen.
Jedoch bewunderte ich die Leidenschaft der beiden — Musiker eben. Sie passten irgendwie doch ganz gut zusammen.


Bild by: Aina Pura Muela

MAN OVERBORED

— Verhalten in außergewöhnlich aussichtslosen Notfall-Situationen —

Die Autos werfen hohe Wellen über die Bürgersteige, während der Regen zerhagelt zuschlägt wie bei einer Hinrichtung — durch tausende von Kieselsteinen. Das Wasser reicht mir bereits bis an die Pedalen; bald bis ans Kinn. Kurz blicke ich hinauf. Meine Stimmung scheint dem Endzeit-Himmel gleich. Erbrochene Dunkelheit am Firmament. Das Fahrrad versagt. Ein Gedanke dringt mir merkwürdig leise, fließend nur, bis ins Mark — hinter den Schaufenstern scheinbar schwimmen Möbelstücke, wie auch Leichen. Mit letzter Kraft schwimme ich zum Vordach einer Bäckerei. Zwischen den Häusern fließt bereits ein Strom und wäscht den ganzen Müll der Stadt hinweg. Menschen.

Ein so derart essentieller Bewusstwerdungsvorgang, der unerwartet plötzlichen Gegebenheiten wirkt dementsprechend verstörend, und mit pathologisch tiefreichender Kraft auf mich (ein). Doch nach dem Nachschock schon folgt: die Wut, dann das Leugnen: „Nein!“, sage ich mir — doch wieder würge ich Wut; und nichts von Akzeptanz oder dergleichen. Was bleibt jedoch, ist: konstant panische Verzweiflung. Und meine vehemente Brüsketterie … über all das. Und all das ALLES hier. Was scheiße war.

Doch das entblößende Entsetzen — begreife ich jetzt, auf einmal; betrifft ausschließlich mich, und nur mich allein. Denn ich bin mit meiner selbst noch immer nicht im Reinen — wann und wie auch? Und ich gar nicht bereit daher … zu sterben.

— vielleicht hört ́s ja wieder auf?!

ruft mir eine schrille Frauenstimme — von oben, dort aus dem Fenster zu. Am besten wäre es, ich glaubte ihr. Wie alle; wie sie ́s mit Gott machen — oder anderen. Oder andersrum.

Doch der Flutpegel klimmt, und steigt indes unaufhaltsam weit voran, und weiter hinauf. Und schon zerrt und reißt der Strom an meinen Sohlen. Und ich hier unten  … stehe ich jetzt als einziger, für all das, was mal wahr war, oder es sein wollte — ein? Allein, bis auf die vorbei zischenden Nichtschwimmer und Bleichen — ach fuck! — war heut nicht Muttertag? Ich erinnere mich grad. Sie hat irgendwas gesagt, gestern von…


Bild By: Christopher Balassa